Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Ich war erst einmal im Bereich Grafikdesign unterwegs und hatte auch überlegt, das zu studieren. Dann hat sich das aber anders entwickelt und ich habe Kunstgeschichte und Medienwissenschaften in Marburg studiert. Von der Familie her hatte ich nicht diese Bildung und mich hat interessiert, wie Bilder entstehen und was sie für eine Aussage haben. Das fand ich zunehmend spannender und so habe ich mich in diese Richtung weiterentwickelt.

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Haben sie sich auch selbst in der Kunst versucht?

Ich hatte Grafikmalerei im Praxis-Nebenfach und auch selbst künstlerisch tätig. Auch in der Schulzeit habe ich schon gerne gemalt und gezeichnet und entsprechende AGs besucht. Das Interesse war schon da und so hat sich auch mein Wunsch entwickelt, das zu vertiefen und auch in die theoretische Richtung zu gehen. Während meines Studiums konnte ich in Marburg und in Karlsruhe Theorie und Praxis verbinden. Jetzt schaffe ich es zeitlich nicht mehr, selbst künstlerisch tätig zu sein.

Wie reagieren die Eltern, wenn man ihnen sagt: „Ich mache jetzt etwas mit Kunst“?

Dadurch, dass sie gemerkt haben, dass ich meinen Weg gehe, haben sie es mitgetragen, obwohl Kunst kein Thema war, über das wir zuhause täglich gesprochen haben. Aber im Laufe der Zeit haben sie gesehen, dass ich am Thema dran bin. Aber die Vorbehalte, beispielsweise dass man von Kunst nicht leben kann, kenne ich schon aus der eigenen Familie.

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Dann ist man nie zu alt, um sich in die Welt der Kunst zu begeben und sich mit ihr auseinanderzusetzen?

Je älter ich werde, desto mehr habe ich das Gefühl, dass ich auch verstehe, worum es in der Kunst geht und worum es den Künstlern geht – immer wieder eigene Ideen zu entwickeln und das auch zum Ausdruck zu bringen.

Muss man denn Kunst unbedingt verstehen?

Man kann Kunst nicht verstehen wie Mathematik. Es geht eher darum, dass man ein Gefühl für die Kunst entwickelt. Und bei der Kunst geht es sehr häufig darum, Fragen zu stellen. Die Kunst ist im Idealfall ein Angebot für einen Dialog. Dass man sich austauscht oder sich darüber Gedanken macht, warum der Künstler sich so ausgedrückt hat. Wenn man dann natürlich das Gespräch mit dem Künstler führen kann, ist das toll. Aber man wird auch dann keine eindeutigen Antworten bekommen, wo man sagen kann: Jetzt habe ich es total verstanden. Es ist eine Art von Annäherung.

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Hat jeder Betrachter seine eigene Art von Verständnis?

Ja, in gewisser Weise schon, denn jeder hat seinen eigenen Hintergrund, mit dem er an die Kunst herangeht. Wir haben alle in unserer Kultur einen gemeinsamen Kontext, wie wir geprägt sind. Deshalb entstehen auch keine Dinge, die plötzlich vom Himmel fallen, sodass wir es überhaupt nicht mehr deuten können. Aber jeder hat seine eigene Vorstellung.

Ist das auch das Problem von zeitgenössischer Kunst, dass sie aus dem Kontext des allgemeinen Kunstverständnisses herausfällt?

Die zeitgenössische Kunst ist einfach viel individueller. Es gibt vielleicht nicht mehr ganz so eindeutige Symbole und Zeichen, die man einsetzt und dann versteht es jeder. Es entwickelt eher jeder Künstler seine eigene Sprache, die sich aber auch in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext bewegt. So hat man Ansätze, mit denen man sie deuten kann und im Austausch noch mehr klären kann. Aber zeitgenössische Kunst hat mit unserer Welt zu tun und ist eine Reaktion auf das, was in der Welt geschieht.

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Heißt das im Umkehrschluss, dass wir bei der „alten Kunst“ die Symbolik oft nicht deuten können, weil uns der Bezug zu der Welt fehlt, in der sie entstanden ist?

Sicherlich wird heute alte Kunst anders interpretiert als in der Zeit, in der sie entstanden ist. Kunst passiert oft intuitiv und man wählt ja bewusst das Künstlerische und nicht die Sprache, um Dinge, die einen beeinflussen, zum Ausdruck zu bringen. Kunst ist ein stetiger Organismus, der weiter wächst. Wo immer wieder Dinge gegeneinander abgewogen und weiterentwickelt werden. Wissensschatz und Intuition gehen Hand in Hand. Es ist nie zu Ende und man kann immer wieder darüber nachdenken. Das muss auch jedem Künstler klar sein: Er gibt etwas in die Welt und das wird seinen Gang gehen, weil die Leute unterschiedlich damit umgehen – je nach Kontext.

Wie kann man Kunst vermitteln?

Uns ist hier das Kunstvermittlungsprogramm sehr wichtig, und zwar auch, weil wir wissen, dass Kunst teilweise schwer verständlich ist. Wir geben den Leuten, die die Führungen machen, so viele Informationen an die Hand, wie irgendwie nur möglich. Im Idealfall gibt es Fragen vom Publikum und man entspinnt ein Gespräch.

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Wie finden Sie die Künstler fürs Art-Plus?

Wir arbeiten hier ja eigentlich vor allem mit der eigenen Sammlung, die sich seit über 40 Jahren entwickelt. Das ist wie ein Kosmos, der sich auch entwickelt. Man hat eine Vorliebe für ein bestimmtes Thema oder einen bestimmten Ausdruck. Und über den Austausch mit den Künstlern entwickelt sich ein Netzwerk und durch Suchen und Gefunden werden entsteht dann zunehmend eine Sammlung. Begonnen hat es mit den expressiven Malereien der Neuen Wilden und als Gegenpol gab es die Kunst der schwarzen Arbeiten, von denen wir viele in den Sammlungen haben. Und so geht das weiter und entwickelt sich zunehmend.

Wenn man die Sammlung betrachtet, findet man auf den ersten Blick aber keine Linie?

Doch, aber nicht eine rote Linie, wo man sagen kann ‚eins plus eins gibt zwei‘. Aber es gibt immer wieder Bezüge. Und in unseren verschiedenen Ausstellungen ist ein gewisser Ausdruck prägend. Bilderhauerei, Materialität und eine gute handwerkliche und künstlerische Ausführung sind sehr wichtig. Es ist eine sehr sinnliche Kunst, die schon allein über das Betrachten sehr viel mitgeben kann.

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Und für eine Ausstellung gehen Sie quer durch das Kunstlager und schauen, was man daraus machen kann?

Wir lassen uns auch vom Zeitgeist und den Bedürfnissen der Besucher inspirieren, und anhand der Werke und der Themen, die wir schon präsentiert haben, entstehen auch immer wieder neue Ideen. Wir versuchen immer wieder, andere Perspektiven auf die Sammlung zu legen. Es ist auch spannend, wenn Werke in unterschiedlichen Kontexten präsentiert werden und dadurch andere Fragen entstehen.

Wie weit werden die Ausstellungen im Voraus geplant?

Das wächst auch. Das eine ergibt sich aus dem anderen. Aus der Arbeit heraus sind schon verschiedene Ideen gewachsen und wir haben auch Ideen auf Halde.

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Haben Sie eine persönliche Lieblingsausstellung?

Im Rückblick gibt es so viele tolle Sachen, dass ich nicht sagen kann, das war die Allerbeste. Ich fand alle Ausstellungen für sich sehr spannend.

Das Museum Art-Plus feiert am Wochenende seinen zehnten Geburtstag: Los geht es am Samstag um 19 Uhr auf dem Museumsvorplatz mit Musik, Performances und ausgewählten Foodtrucks. Ab 20 Uhr spielen Billy Bob & the Buzzers. Am Sonntag findet der große Familientag statt, der auch Kunstaktionen zum Mitmachen anbietet: „100 Donaueschinger“, Fotoprojekt von Robert Hak, „Die Blechlawine“ – Fotostudio von Patrick Gutenberg, „Art-Car“, Autobemalaktion mit der Kunstschule Donaueschingen.