Emotionaler Abschied: „Es ist herzzerreißend, wenn unsere Vorsitzende Claudia Weishaar die Brücke verlässt“, fasst ein GUB-Stadtrat den Abschied zusammen und trifft es damit genau auf den Punkt. Denn so manches GUB-Mitglied kämpfte mit den Emotionen, als Weishaar zum letzten Mal als Vorsitzende die Versammlung der GUB leitete. Minutenlangen, stehenden Applaus gab es für die langjährige Vorsitzende, die seit 20 Jahren an der Spitze der örtlichen Partei stand und seit 1989 die GUB im Gemeinderat vertritt – zeitweise noch nicht mal als Fraktion, sondern als Einzelkämpferin.

Doch Weishaar wird die Partei natürlich nicht ganz verlassen. Als GUB-Stadträtin und als Beisitzerin im Vorstand wird sie sich weiter engagieren. Und natürlich wird sie auch ihrem Nachfolger Tobias Mauz den einen oder anderen Rat haben. Gemeinsam haben die beiden schon ein neues Projekt entwickelt. Die beiden saßen im Vorfeld zusammen und waren sich einig: Der neue Stadtbus verdient mehr Unterstützung. Während Claudia Weishaar nun den kommenden Monat nutzen möchte, um einmal ganz auf das Auto zu verzichten und nur noch mit dem Stadtbus fahren möchte, verglich der neue Vorsitzende das Donaueschinger Angebot mit Stuttgart, wo der 28-Jährige BWL mit Schwerpunkt Steuern und Personal studiert hat. „Da kommt man auch nicht besser oder schneller von A nach B“, erklärt Tobias Mauz.

Mit dem jungen Vorsitzenden scheint die GUB gut gerüstet für die Zukunft. Das war nicht immer so: Die eine oder andere schwierige Zeit musste Weishaar im Gemeinderat und mit der Partei überstehen. Dabei scheiterte ihr politisches Engagement beinahe schon in den Anfängen. Vor mehr als drei Jahrzehnten wurde Weishaar von der damaligen GUB-Stadträtin Olga Storck angesprochen, als sie ihre Kinder im Kindergarten abliefern wollte. Ob sie nicht für die GUB kandidieren wolle? Storck erinnert sich noch gut: „Eigentlich wollte sie nicht, weil die Kinder noch klein waren.“ Doch das ließ Storck nicht gelten: „Ich habe dann eine Kinderfrau gesucht“, blickt Olga Storck zurück. Damit sei allen geholfen gewesen: Der Familie, der Frau, die im Hause Weishaar einen Job fand, und Claudia Weishaar selbst, die sich fortan bei der GUB einbrachte: „Sie war der richtige Griff“, war sich Storck damals und heute sicher. Seither war das Bild von Claudia Weishaar in vielen Prospekten zur Kommunalwahl zu finden: Mal posiert sie mit den anderen Kandidaten auf einer Rutsche, mal stehen die Bewerber vor dem Rathaus oder vor der Mutter Baar an der Donauquelle. Mal sind die Köpfe zu einem Riesenrad angeordnet. Mal sind die Kandidaten Früchtchen und dann wiederum präsentieren sie sich im Stil von Andy Warhol. So unterschiedlich die Präsentationen der Kandidaten in den vergangenen Jahren waren, eine Konstante gibt es immer: Claudia Weishaar. Verpasste sie bei der ersten Kandidatur den Einzug ins Stadtparlament mit 555 Stimmen, klappte es 1989 dann – und seither sitzt die ehemalige Schulleiterin im Gemeinderat. „Ich war immer irgendwo vorne mit dabei“, blickt Weishaar zurück.

Das musste auch ihr Stellvertreter Jörg Miez bei der Vorbereitung der Sitzung feststellen: „Ich wollte ein bisschen etwas über das Engagement von Claudia nachlesen. Doch wen ich gefragt habe. Ich bekam die Antwort: ‚Das hat Claudia’“, verrät er. Doch kleine Anekdoten hatte irgendwie jeder parat. Seine Mutter Rosemarie holte aus dem Schrank eine kleine Waage hervor: „Wir haben damals den Müll getrennt und damit gewogen. Und die Claudia war natürlich auch dabei“, blickte Rosemarie Miez zurück. Der Anlass: Pro-Kopf-Berechnungen zum Müllaufkommen – lange, bevor es Mülltrennung überhaupt gab. Jörg Miez selbst hat Claudia Weishaar als „souverän, zielstrebig, kreativ, manchmal als liebenswert schusslig und immer mit einem Lächeln“ kennengelernt.

Dabei hatte sie es nicht immer leicht: Denn die GUB hatte zu Beginn mit der „Pubertät“ zu kämpfen. „Storck ging und Clemens Willmann warf das Handtuch“, erinnert sich Weishaar. Mit nur noch zwölf Kandidaten trat die GUB an. Die Wahl war eine Ernüchterung. Claudia Weishaar saß von nun an allein als GUB-Vertreterin am Ratstisch. Doch sie kämpfte – auch gegen damals etablierte Stadträte, die gelangweilt in den Unterlagen blätterten, sobald sie sich in der Ratssitzung zu Wort meldete. Das hat sich schon lange geändert. Eines ist gleich geblieben: Claudia Weishaar setzte und setzt Themen. Ging auch mal ungewöhnlich vor. Nach dem Mauerfall zählte sie, wie viele Ostdeutsche nach Donaueschingen gekommen waren. Wie viele Kinder darunter waren. Stellte Hochrechnungen an und forderte: „Wir müssen unbedingt Wohnungen bauen.“

Der Einsatz wurde belohnt: Bald saßen wieder drei GUB-Stadträte am Tisch. Doch die nächste Herausforderung ließ nicht lange auf sich warten: „2001 kam es zur großen Zerreißprobe“, blickt Weishaar zurück. Unter dem damaligen Vorsitzenden Ralf-Roland Schmidt-Cotta kam es zum Zerwürfnis mit der Fraktion. „Es blieben nur noch zwei, drei Frauen übrig.“ Traudel Jung-Semmler sprach damals den Verbleibenden Mut zu: „Aus der Asche erwächst Neues.“ Weishaar übernahm den Vorsitz, um die Partei zu retten und Jung-Semmler sollte recht behalten: „Von da an ging es mit der GUB bergauf und wir sind zu einer guten Mannschaft zusammengewachsen“, ist sich Weishaar sicher. Dabei wirft sie nicht nur den Blick auf die, die in vorderster Reihe stehen: „Es braucht alle.“

GUB unterstützt die beiden Vereine DJK und SSC mit jeweils einer Spende

  • Die Wahlen: Neben dem Wechsel an der Spitze, bei dem Tobias Mauz die langjährige GUB-Chefin Claudia Weishaar ablöst, standen noch weitere Wahlen auf dem Programm. Weishaar wurde als neue Beisitzerin gewählt. Günter Schick und Hanno Peter wurden als Beisitzer ebenso in ihren Ämtern bestätigt, wie Petra Miez, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, und Kassiererin Melanie Winker. Bei den Kassenprüfern wurde Uschi Frese als Nachfolgerin für Tobias Mauz gewählt und Gisela Langner in ihrem Amt bestätigt.
  • Die Finanzen: Erfolgreiche Veranstaltungen wie der Rädlemarkt und die „Bühne frei“ erlauben es der GUB, selbst großzügig zu sein. So wurden in diesem Jahr der SSC und die DJK mit einer Spende unterstützt. Insgesamt weist die Kasse, die Melanie Winker führt, ein durchaus positives Ergebnis auf.
  • Bühne frei: Die Planungen für die Veranstaltung, bei denen die GUB Künstler präsentiert, die einen Bezug zur Stadt haben, laufen bereits. Claudia Weishaar ist schon im Gespräch mit Künstlern, die dann am 17. November 2018 bei „Bühne frei“ auftreten. Gleichzeitig soll die Veranstaltung dann der Auftakt zur Kommunalwahl sein, die 2019 stattfinden wird und bei der die GUB wieder mit einer Liste für den Gemeinderat antreten wird.