• Am 15. Januar hat das Los entschieden, dass Severin Graf Bürgermeister wird. Ist das heute noch Thema? „In der täglichen Arbeit hat das überhaupt keine Relevanz“, sagt Severin Graf. Ob der eine oder andere es allerdings noch im Hinterkopf habe, könne er nicht sagen. Dass letztendlich das Los ihm das Bürgermeisteramt beschert hat, ist für Graf auch hin und wieder eine nette Anekdote.
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  • Im Wahlkampf war oft Thema, dass die Zuständigkeiten des Bürgermeisters eine ungewöhnliche Mischung enthalten. Und wie kommt Graf nun damit zurecht? Zwischen der Wahl und dem Amtsantritt haben sich OB Erik Pauly und Severin Graf zusammengesetzt und verschiedene Modelle durchgespielt. Aber nach „reiflicher Überlegung“ hätten beide dann entschieden, alles beim Alten zu belassen. „Das ist der Deal, auf den ich mich mal eingelassen habe. Ich kann mich hinterher nicht beklagen, wenn alles so bleibt, wie es ursprünglich mal ausgemacht war“, sagt Graf. Auf den ersten Blick sei es auch ein außergewöhnlicher Zuschnitt. „Mir fällt jetzt spontan keine andere Stadt ein, wo das vergleichbar wäre“, so der Bürgermeister. Bei genauerer Betrachtung allerdings wären in seinem Aufgabenbereich die kommunalen Kernkompetenzen zusammengefasst: Bau und Planen, Betreuung, Bildung, Soziales, der Ordnungsbereich und der Nebenjob als Geschäftsführer des Gemeindeverwaltungsverbandes, wo die interkommunale Zusammenarbeit abgebildet ist. „Es ist ein stimmiges Bild, das kommunale Daseinsfürsorge abbildet. Das ist das, was ich kann, wofür ich auch lebe und was ich auch immer gern gemacht hab.“
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  • Aach hat rund 2100 Einwohner, Donaueschingen zehnmal so viel. Wo liegen da die Unterschiede? „Der Unterschied ist natürlich allein schon die Größenordnung. An die Dimensionen muss ich mich gewöhnen“, sagt der Bürgermeister. Die Abläufe in einem großen Rathaus mit 400 Mitarbeitern sind natürlich ganz andere wie die in einer kleinen Gemeinde. Und dann gibt es noch diese örtlichen Besonderheiten: „Jede Stadt tickt auch wieder ein bisschen anders.“ Was ihm allerdings den Start erleichtert hat: Die Themen, mit denen er sich befassen muss, sind die Gleichen. „Das Baugesetzbuch, mit dem ich in Aach gearbeitet habe, ist das gleiche, das es hier auch gibt.“ So müssen ihm die Mitarbeiter beispielsweise nur die örtlichen Besonderheiten und Gegebenheiten erklären, nicht das Thema selbst. „Ich fange nicht bei Null an“, so Graf.
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  • Als Bürgermeister in Aach war er die Nummer eins. Der Donaueschinger Bürgermeister ist eher der Verwalter. Wie kommt Severin Graf damit zurecht? „Die Rolle ist in der Tat eine andere“, sagt der Bürgermeister. Ein Unterschied sei schon einmal, dass er nicht mehr den Vorsitz im Gemeinderat hat. „Das ist für mich jetzt am Anfang schon noch etwas gewöhnungsbedürftig, dass ich da mehr oder weniger nebendran sitze und irgendwie nicht derjenige bin, der die Sitzung leitet und agiert.“ Aber daran könne er sich gewöhnen und es habe nicht nur Nachteile.
    Die Repräsentanz nach außen hin sei zwar nicht so umfänglich, aber er habe noch ausreichend Außentermine. „Ganz ohne könnt ich nicht auskommen.“ Und dann gibt es ja auch noch das Gefühl, dass man als erster Beigeordneter nicht vom Bürger direkt gewählt ist, sondern vom Gemeinderat. „Das fühlt sich auch ein bisschen anders an.“ Mit OB Erik Pauly habe er ein „sehr vertrauensvolles und sehr gutes Verhältnis“. „Wir zwei kommen gut klar miteinander.“
Der erste Arbeitstag: Severin Graf hat seinen Dienst als Bürgermeister angetreten und am 15. März um 8 Uhr im gelben Rathaus mit der Arbeit begonnen.
Der erste Arbeitstag: Severin Graf hat seinen Dienst als Bürgermeister angetreten und am 15. März um 8 Uhr im gelben Rathaus mit der Arbeit begonnen. | Bild: Jakober, Stephanie
  • Begegnen die Bürger einem Bürgermeister anders, wenn er nicht von ihnen, sondern vom Gemeinderat gewählt wurde? „Ich stecke im Bürger nicht drin, aber ich hab das Gefühl, beim Bürger ist das eher nicht im Bewusstsein drin“, sagt Graf. Obwohl die Stadt zehnmal größer ist, habe er nun wesentlich weniger Bürgerkontakt als früher. „Ich bin etwas weiter weg vom Bürger“, sagt Graf und bedauert dies auch.
Antrittsbesuch Bürgermeister Severin Graf (Donaueschingen) mit Landrat Sven Hinterseh.
Antrittsbesuch Bürgermeister Severin Graf (Donaueschingen) mit Landrat Sven Hinterseh. | Bild: Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis
  • Plant Severin Graf eigentlich einen Umzug nach Donaueschingen? „Wir haben das fest im Blick“, sagt Graf. Auf dem Immobilienmarkt habe er sich schon umgesehen und das eine oder andere Objekt habe die Familie auch besichtigt. Ziel sei es aber, neu zu bauen und so sucht Familie Graf gerade einen Bauplatz. Das sind dann auch langfristige Pläne: „Wenn wir uns hier niederlassen, dann möchten wir auch hierbleiben.“
Umgestaltung des Parkplatzes hinter dem blauen Rathaus: Gerhard Wölfle, Daniel Brodhag und Bernhard Preis, Technische Dienste der Stadtverwaltung, in Aktion gemeinsam mit Bürgermeister Severin Graf.
Umgestaltung des Parkplatzes hinter dem blauen Rathaus: Gerhard Wölfle, Daniel Brodhag und Bernhard Preis, Technische Dienste der Stadtverwaltung, in Aktion gemeinsam mit Bürgermeister Severin Graf. | Bild: Vera Moßbrucker
  • Donaueschingen als Bewerber und Donaueschingen als Bürgermeister. Wie hat sich das Bild von der Stadt verändert?
    „Dieser Blick von außen verblasst relativ schnell“, sagt Severin Graf, der allerdings „intensiv und immer wieder bewusst“ versucht, sich auch diesen perspektivischen Weitblick bewahren. In den ersten Monaten habe er einen Einblick erhalten, wie die Bürger, die Gremien und die Stadt ticken. Sein Fazit? „Ich bin nach wie vor beeindruckt, sogar noch etwas mehr wie vorher.“ Für die Größe dieser Stadt sei es wirklich beachtenswert, mit was man hier aufwarten kann. So würden beispielsweise viele Städte in der Größenordnung von Donaueschingen behaupten, sie hätten ein großes kulturelles Angebot. „Der Unterschied ist: In Donaueschingen stimmt es tatsächlich.“ Und hier wären solche Dinge wirklich verwurzelt und würden zur Identität der Stadt gehören.
Gemeinderatssitzung Donaueschingen am Dienstag, 15. Januar 2019: Severin Graf wird per Losentscheid zum Bürgermeister bestimmt.
Gemeinderatssitzung Donaueschingen am Dienstag, 15. Januar 2019: Severin Graf wird per Losentscheid zum Bürgermeister bestimmt. | Bild: Roland Sigwart
  • Wo sieht Severin den dringendsten Handlungsbedarf in seinem Dezernentenbereich? „Ich bin sehr gut aufgenommen worden hier im Haus“, sagt Graf. Aber von Anfang an sei ihm die „angespannte Personalsituation“ – „speziell im technischen Bereich“ – mit auf den Weg geben worden. Das sei allerdings keine Donaueschinger Besonderheit, sondern der gesamte kommunalen Bereich sei betroffen. „Es singen alle das gleiche Klagelied.“ Es reiche aber nicht, die „Hände in den Schoss zu legen und zu weinen beginnen“. In so einem Fall sei es wichtig, mit den Gegebenheiten umzugehen und zu priorisieren. Das „riesen Programm im Baubereich“ müsste noch stärker priorisiert und mit einer Reihenfolge versehen werden – mit Blick auf die personellen und finanziellen Grenzen. „Da führt kein Weg vorbei“, so der Bürgermeister.
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  • Wie ist die Stimmung im Rathaus mit Blick auf die Personalsituation? Laut Graf ist eine Aufbruchsstimmung unter den Mitarbeitern auszumachen. „Die Schritte, die eingeleitet wurden, die gehen in die richtige Richtung“, so der Bürgermeister. Was die Verwaltung machen könne, da sei man dran und dass noch weitere Mitarbeiter speziell im technischen Bereich, fehlen, sei unumstritten. „Das ist ein Manko, das wir noch nicht abstellen konnten.“
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  • Doch wie kann die Stadtverwaltung neue Mitarbeiter für sich gewinnen? Muss man in wirtschaftlich guten Zeiten außertariflich zahlen? „Der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst ist kein geeignetes Instrument zur Mitarbeiterrekrutierung“, so Graf und fügt hinzu: „Wir brauchen mittelfristig oder kurzfristig kreative Lösungsvorschläge, um dieses starre Tarifkonzept, das uns das Leben schwer macht, kreativ auszulegen.“ Erste Überlegungen würden dazu schon laufen, allerdings gebe es noch nichts Spruchreifes.
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  • Seinen Arbeitsplatz hat Graf im gelben Rathaus. Wie steht der Bürgermeister zur Sanierung und Erweiterung? Am ersten Arbeitstag entdeckte Severin Graf in seinem Büro Tücher auf den Fensterbänken. „Ich dachte zuerst, das gehört zu Dekoration“, erinnert sich Graf. Doch schlichtweg regnet es ins Büro hinein. „Bei dieser Wetterlage kommt das vor. Das gelbe Rathaus ist nicht unbedingt ein Luxuspalast.“ Die Sanierung und Erweiterung müsste aus mehreren Gründen in Angriff genommen werden. Graf führt den akuten Platzmangel der Verwaltung an. Auch die Auslagerung in ein Gebäude an der Villinger Straße wäre nur eine Zwischenlösung. Dass die Gedanken über ein „großes Rathaus irgendwo draußen auf der grünen Wiese“ sofort wieder verworfen wurden, findet Graf gut. „Die Verwaltung ist hier, wo sie ist, am richtigen Platz.“ Das gelbe Rathaus habe, als es in den 1970er mit dem Anbau versehen wurde, sicher „seine Funktion und seine Berechtigung“ gehabt. Aber schon allein im Bezug auf das Stadtbild gebe es „Optimierungspotenzial“. Die Pläne, den alten Anbau abzureißen und das Rathaus in Richtung Metzgerei zu erweitern, hält Graf für den richtigen und sinnvollen Ansatz. Auch wenn das Projekt sich nicht im kommenden Jahr realisiert werden wird, ist es Grafs Ziel, in den ersten Amtszeit, zumindest mal „die Pflöcke soweit eingehauen zu haben, dass es unumkehrbar ist“.
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  • Die ersten Wochen von Grafs Amtzeit fielen genau in die heiße Verkehrskonzept-Diskussion. Wie hat der Bürgermeister diese Diskussion wahrgenommen: „Das ist eine hoch spannende, komplexe Materie, die auch sehr emotional ist“, sagt Graf. Positiv nennt Graf die Entscheidung des Gemeinderates, die Einbahnstraßen aufzuheben. Denn zwei Dinge wären dadurch erreicht worden: Zum eine sei das Thema wieder befriedet. Zum anderen könne man jetzt dieses Thema ohne Zeitdruck und ohne irgendwelche Zwangspunkte von Grund auf neu überdenken. Muss der Verkehr neu geregelt werden? Oder ist der Zustand, wie er jetzt ist, das, was die Stadt braucht? „Über solche, also über diese grundsätzlichen Dinge, können wir nun reden“, sagt Graf. Und zum Thema Verkehrskonzept würden auch Fragen gehören wie beispielsweise: „Brauchen wir das Parkhaus hinter dem blauen Rathaus, oder nicht?“
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  • Das Parkhaus war auch immer eine Argumentationshilfe für die Reduzierung der Parkplätze in der südlichen Innenstadt: „Genau, das war eine Begründung. Aber der Ansatz muss ein anderer sein“, so Graf. Er sei zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten in der Stadt unterwegs und könne sich nicht daran erinnern, dass jemals „die Parkplätze in der Stadt überfüllt“ waren. „Das kenne ich aus anderen Städten völlig anders.“ Donaueschingen habe eine wesentlich entspanntere Situation als andere Städte. Es gelte genau hinzuschauen: Ein Parkhausbau ohne Parkhausgebühren werde sich nicht refinanzieren. Auf der anderen Seite werde geklagt, dass der Stadtbus zu teuer sei. „Wir haben einen ungleichen Wettbewerb zwischen Auto und Bus und wenn wir ein Parkhaus bauen, dann führt kein Weg an Parkgebühren vorbei.“ Deshalb müsste das Ganze gut durchdacht werden.
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