Die GUB gibt nicht auf: Irgendwie muss es doch möglich sein, dass das blaue Rathaus allen offen steht. Denn aktuell haben Menschen, die schlecht zu Fuß, auf den Rollstuhl angewiesen sind oder gerne den Säugling samt Kinderwagen mitnehmen wollen, ziemlich schlechte Karten. Denn was historisch wertvoll und auch schön anzusehen ist, erweist sich in der Praxis nicht als praktikabel. Das Fazit der Stadtverwaltung: Öffentliche Veranstaltungen, bei denen es auf Barrierefreiheit ankommt, sollen nicht mehr im Sitzungssaal stattfinden, sondern auf die Donauhallen ausgewichen werden. "Wenn's eine Möglichkeit gebe, würden wir sie sicher nicht ablehnen", so OB Erik Pauly.

Treppen sind nicht nur ein Hindernis für Senioren

Dass das Treppenhaus zur Herausforderung werden kann, weiß auch die Grande Dame der GUB – Olga Storck. Sie selbst hatte schon einige Schwierigkeiten, die "Treppen ohne Handlauf hinaufzuklettern". Aber dass nun der Sitzungssaal nicht mehr für Veranstaltungen genutzt werden soll, sei bedauerlich, eine schlechte Argumentation der Verwaltung und auch keine Lösung. "Es gibt keinen schöneren Veranstaltungsort in der Stadt", so Storck. Dass es nicht nur um Senioren und öffentliche Veranstaltungen geht, weiß Uschi Frese. Nachdem ihr Mann Christian am Knie operiert worden und er mit Krücken unterwegs war, stand ein Termin im blauen Rathaus an. Man müsse auch an solche Fälle denken. Oder wenn junge Leute im Sitzungssaal heiraten wollten und Oma und Opa nicht zur Zeremonie kommen könnten.

Wäre ein Lift im hinteren Treppenhaus möglich?

Die große Lösung, ein Aufzug an der Außenseite des Jugendstilgebäudes, kann sich die Stadt aktuell nicht leisten. "Uns ist klar, dass bei dem großen Aufgabenkatalog, den wir vor uns haben, kaum Platz für Wünsche ist", sagt die GUB-Fraktionssprecherin Claudia Weishaar. Doch was ist eigentlich mit einem kleinen Aufzug im hinteren Treppenhaus? "Wir haben bereits im März 2014 einen entsprechenden Antrag gestellt", sagt GUB-Stadtrat Franz Wild. Damals sei diese Idee allerdings aus Denkmalschutz-Gründen abgelehnt worden. Es wäre allerdings mit falschen Zahlen operiert worden. Aber nach den Gesprächen mit einem örtlichen Lifthersteller und einer Nachmessaktion wäre laut GUB doch eine Lift-Lösung möglich, die vielleicht nicht die praktikabelste sei, aber es wäre eben eine Möglichkeit, jedem den Zugang zum Rathaus zu gewähren. Es würde wohl auf 2,5 Zentimeter auf jeder Seite ankommen, die man entfernen müsste, um den Lift einbauen zu können.

Stadtbaumeister hat selbst mit dem Meterstab nachgemessen

Stadtbaumeister Christian Unkel hat sich das Ganze dann doch noch einmal angeschaut und selbst den Meterstab angelegt. "Wir müssten das historische Geländer auch abbauen", erklärt Unkel. Das Regierungspräsidium, das in diesem Fall für den Denkmalschutz verantwortlich ist, habe aber bereits 2014 so etwas abgelehnt, weil das Donaueschinger Rathaus eines der wenigen Gebäude aus seiner Erbauungszeit wäre, das noch die vollständige Ausstattung im Inneren habe. Er könne sich nicht vorstellen, dass eine erneute Anfrage beim Regierungspräsidium ein anderes Ergebnis bringe. "Hier wiedersprechen sich zwei Vorschriften: der Denkmalschutz und die Barrierefreiheit", so der Donaueschinger Stadtbaumeister.

GUB gibt nicht auf und fordert einen Handlauf

Doch so schnell will die GUB – trotz mehrerer Anläufe – nicht aufgeben. "Mein Antrag war zweiteilig und der zweite Teil steht noch aus", betont Weishaar. Wenn es eben mit dem Aufzug nichts wird, müssen man eine andere Lösung finden. Vielen älteren Bürgern sei ja schon geholfen, wenn die historische Brüstung im Treppenhaus mit einem Handlauf verstehen werde. Denn daran könnte man sich wenigstens festhalten und darauf stützen, was aktuell nicht möglich sei. Da sich CDU-Fraktionssprecher Konrad Hall allerdings um die Optik im historischen Rathaus sorgt, sollen nun erst einmal entsprechende Entwürfe angefertigt und dann wieder diskutiert werden.

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