Was verbindet London, Paris, Rom, Wiesbaden und Grüningen? Es handelt sich dabei um Ziele bei einer Europa-Reise der Familie Drucker aus Madison, Wisconsin/USA. Wer aber ist die amerikanische Familie Drucker und was zieht sie nach den europäischen Großstädten ausgerechnet ins beschauliche Grüningen? Die Lösung liegt in dieser Geschichte, die das Leben schrieb.

Ein Bruder des Urgroßvaters

Vor wenigen Wochen erreichte Herbert Frey aus Grüningen eine Mail, überraschenderweise allerdings in englischer Sprache, mit folgendem Anliegen: Mary C. Drucker war auf der Suche nach der Herkunft ihrer Vorfahren auf ihren Urgroßvater Edward Frey gestoßen, der im Jahr 1897 von Bruggen in die USA ausgewandert war. Mit Hilfe eines Ahnenforschers fand sie heraus, dass ein Urenkel von Peter Frey, der ein Bruder ihres Urgroßvaters Edward war, in Grüningen lebt und Herbert Frey heißt. Fasziniert von dem Wunsch, diesen noch lebenden Vorfahren kennen zu lernen, planten die Druckers also eine Europa-Reise, bei der jedes Familienmitglied sein Lieblingsziel ansteuern durfte.

Sie wandert auf den Spuren ihrer Vorfahren: die Amerikanerin Mary Drucker beim Besuch in der Grüninger Heimatstube.
Sie wandert auf den Spuren ihrer Vorfahren: die Amerikanerin Mary Drucker beim Besuch in der Grüninger Heimatstube. Bild: Christa Hauger

So kam nach den Weltstädten London, Paris und Rom auch Grüningen als Ziel auf die Liste der vierköpfigen Familie Drucker mit Mama Mary, Papa Alex und den Teenagern Chelsea und James. Um sprachliche Barrieren weitestgehend auszuschließen, sicherte sich Herbert Frey vor dem vereinbarten Besuchstag der amerikanischen Verwandtschaft die Unterstützung seiner Enkelin Jil Thieringer und der früheren Englischlehrerin Judith Schlenker aus Donaueschingen.

Seit Jahrhunderten in Familienbesitz

Nach einem ersten Kennenlernen öffnete Herbert Frey seine Foto-Schatzkiste, die das Herz von Mary Drucker höher schlagen ließ und der Gastgeber staunte, was sie alles an Wissen zu den gezeigten Fotos aus der Familie, der alten Gaststätte „Traube“ oder dem Dorfbrand im September 1911 beisteuern konnte. Ein Spaziergang sollte anschließend die Erzählungen aus der Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpfen. Ziel war hier die ehemalige, seit Jahrhunderten im Besitz der Familie befindlichen Gaststätte „Traube“ am Bergring und Herbert Frey erklärte die Veränderungen des Hauses im Laufe der Jahrzehnte. Auf der Wunschliste der Besucher stand auch ein Abstecher in die katholische Kirche St. Mauritius, deren alte Fresken ebenso für ein bewunderndes „Wow“ sorgten wie die zahlreichen Fotos, die Baaremer Tracht oder Gerätschaften von „Grüningen anno dazumal“ in den Räumen der Heimatstube im Obergeschoss des Rathauses.

Original Schwarzwälder Kirschtorte

Zum Nachmittagskaffee ließ es sich der Gastgeber nicht nehmen, seinen amerikanischen Besuch mit der obligatorischen Schwarzwälder Kirschtorte zu verwöhnen. Eine Verbindung der besonderen Art zu Amerika und den amerikanischen Verwandten ließ Herbert Freys Schwester Lydia in Pfohren aufleben. Sie erzählte, sie habe verschiedene Kommandanten des bis in die 90er-Jahre in Donaueschingen von den Amerikanern betriebenen Lazaretts beherbergt und brachte mit ihren Geschichten alle zum Lachen.

In Grüningen ist es am schönsten

Um den Tag noch mit einem letzten bleibenden Eindruck zu krönen, besuchte Familie Drucker den Rheinfall in Schaffhausen und genoss auf der Rückfahrt nach Grüningen noch die typisch deutsche Küche. In der Nacht noch fuhr die Familie weiter nach Wiesbaden, wo ein Cousin von Alex Drucker lebt. Die Familie verabschiedete sich mit dem Versprechen, einmal wieder zu kommen. Gefragt, wo sie sich auf ihrer Reise am wohlsten gefühlt hätten, sagten sie mit viel Begeisterung: „Hier in Deutschland, vor allem in Grüningen, ist es am schönsten.“