Zum 1. Oktober wird die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Donaueschingen ihren aktiven Betrieb beenden. „Es ist Zeit, Tschüss zu sagen“, so Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer.

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Vier Wochen später soll dann noch der Bereithalte-Betrieb anlaufen, damit im Bedarfsfall weiterhin Plätze zur Unterbringung von Flüchtlingen bereitgestellt werden können. Und die Verantwortlichen sind der Meinung, dass man sich jetzt im Nachhinein schon etwas auf die Schulter klopfen könne.

Ein Abschied für die Helfer

Am Freitagnachmittag lud daher das Regierungspräsidium zum Dank an die beteiligten Kooperationspartner sowie die vielen ehrenamtlichen Helfer, zu einem Abschiedsfest ein. Diesen Anlass nahmen die maßgebenden Personen dann auch zum Anlass, die vergangenen viereinhalb Jahre, Revue passieren zu lassen. Eines kann man schon vorweg sagen: Alle Verantwortlichen stießen manchmal an ihre Grenzen. Wellen der Hilfsbereitschaft, aber auch große Skepsis machten sich in Donaueschingen breit.

Fridhilde Merkle ist als Helferin in der Kleiderkammer von 2015 bis heute aktiv.
Fridhilde Merkle ist als Helferin in der Kleiderkammer von 2015 bis heute aktiv. | Bild: Anita Reichart

Noch 22 Personen

Aktuell befinden sich noch 22 Personen, vorwiegend Frauen, Kinder und Familien, in Donaueschingen, die jedoch bis Ende des Monats weiter verlegt werden, erklärt Referatsleiter Peter Kramer vom Regierungspräsidium Freiburg. Die Menschen hätten sich in Donaueschingen sehr wohl gefühlt, aber trotzdem hätten sie sich auf den Transfer gefreut, weiß der Einrichtungsleiter Roman Wigant.

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Teilweise über 25 Kulturen

In Donaueschingen weilten zeitweise Menschen aus über 25 Kulturen. Und das es da nicht immer reibungslos ablaufe, stehe in diesem Fall außer Frage. Das fange schon beim Essen an. Doch vor allem auch die emotionale Verfassung, die Hoffnungen und Nöte, wirkten sich aus.

Claudia Weishaar war von 2015 bis Juli 2016 dabei.
Claudia Weishaar war von 2015 bis Juli 2016 dabei. | Bild: Anita Reichart

Einen großen Beitrag zum sehr guten Ablauf leisteten die vielen Ehrenamtlichen. Angefangen von der Verwaltung der Kleiderkammer, über soziale Verfahrensberatung bis hin zu 24-Stunden-Rundum-Alltagsberatung vor Ort, Sprachkursangebote und vieles mehr.

Anfangs überfordert

„Auch wir waren anfangs überfordert, als über Nacht tausende Flüchtlinge Zuflucht suchten. Ohne die Unterstützung der Stadt wäre dies nicht gegangen. Die Kommunen wurden nicht mehr gefragt. Wir stürmten quasi die Kasernen. Wir haben diese Lage anfangs unterschätzt, denn zu Hochzeiten waren 2700 Menschen in Donaueschingen„, so Schäfer.

Thomas Knörr ist Polizeirevierleiter in Donaueschingen. Die Polizei kümmerte sich um die Abschiebungen.
Thomas Knörr ist Polizeirevierleiter in Donaueschingen. Die Polizei kümmerte sich um die Abschiebungen. | Bild: Anita Reichart
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Fast kippte die Stimmung

Oberbürgermeister Erik Pauly: „Für mich ist heute ein Glückstag. Zum einen, weil die Einrichtung dem Ende entgegen geht. Zum anderen hat Donaueschingen unter Beweis gestellt, was man alles meistern kann“, freute er sich. Sein Dank ging besonders auch an die Bevölkerung der Stadt. Teilweise habe man kaum konkrete Antworten geben können. Fast sei die Stimmung gekippt.

Endgültiger Schließungstermin der Einrichtung ist der 30. Juni 2020. Dann geht die Liegenschaft zur weiteren Entwicklung an die Stadt.

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Er kümmerte sich um die Kranken

Christoph von Ascheraden hat sich auf Bitten des DRK-Ortsvereins Donaueschingen hin um die Kranken der Einrichtung gekümmert. Der Sankt Blasier hat vor Ort eine Krankenstation eingerichtet. Seit dem 23. Dezember 2015 hat er über 21 000 Krankenkontakte zu verzeichnen. Bedankt hat er sich vor allem auch beim ehemaligen Donaueschinger Kinderarzt Selahatin Yavrucuk. Der 80-Jährige habe sich wunderbar um die Kleinen gekümmert. Doch gegen die Perspektivlosigkeit vieler habe auch er nicht helfen können. Aber ein Mensch konnte dank seiner Hilfe gerettet werden: Ein Georgier, bei dem schon vor sechs Jahren ein Gehirntumor diagnostiziert wurde, konnte im VS-Klinikum erfolgreich operiert werden.

Der Mediziner Christoph von Ascheraden kümmerte sich um die Kranken der Einrichtung.
Der Mediziner Christoph von Ascheraden kümmerte sich um die Kranken der Einrichtung. | Bild: Anita Reichart

Er hatte die Sicherheit im Blick

Thomas Knörr, Leiter des Polizeireviers Donaueschingen, sieht in der Auflösung der Einrichtung eine massive Entlastung. Zumal es im Streifendienst ohnehin an Personal mangele. Ängste, Unruhe, Gewaltausbrüche – wo viele Menschen auf engem Raum zusammen seien, passiere entsprechend auch mehr. Dies ließe sich nicht vermeiden. Eine ganz große Belastung begann für die Polizei schließlich ab Mitte 2017. Da ging es los mit den Abschiebungen an, die immer nachts oder in den frühen Morgenstunden passierten. „2018 waren wir werktags jede Nacht im Einsatz“, sagt der Revierleiter.

Thomas Knörr ist Polizeirevierleiter in Donaueschingen. Die Polizei kümmerte sich um die Abschiebungen.
Thomas Knörr ist Polizeirevierleiter in Donaueschingen. Die Polizei kümmerte sich um die Abschiebungen. | Bild: Anita Reichart

Sie half in der Kleiderkammer

Fridhilde Merkle ist als Helferin in der Kleiderkammer von 2015 bis heute aktiv und hat in dieser Zeit vieles erlebt: „Zum einen konnte ich mein Englisch wieder auffrischen, andererseits ich gehe jetzt mit anderen Augen einkaufen. Ich überlege mir genau, ob ich dies oder das überhaupt auch brauche, sagt sie. Für dieses Verhalten gibt es auch einen ganz bestimmten Grund: „Es wurden viele Kleidungsstücke abgegeben, die noch nie getragen wurden, denn das Preisetikett hing immer noch dran. Andererseits waren auch Dinge darunter, die ich zu Hause nicht einmal als Lumpen verwendet hätte“, sagt Merkle.

Fridhilde Merkle ist als Helferin in der Kleiderkammer von 2015 bis heute aktiv.
Fridhilde Merkle ist als Helferin in der Kleiderkammer von 2015 bis heute aktiv. | Bild: Anita Reichart

Sie war von Anfang an dabei

Claudia Weishaar, GUB-Stadträtin, war von 2015 bis Juli 2016 dabei. Sie kann sich noch genau daran erinnern wie es an dem Tag war, als die ersten Flüchtlinge in Donaueschingen ankamen. „Es war ein sonniger Tag. Sie kamen mit T-Shirts und Flip-Flops gekleidet an“, sagt sie. Beeindruckt sei sie auch von der enormen Spendenfreude der Donaueschinger Bürger gewesen. Im Minutentakt seien damals die Autos vorgefahren, weiß sie noch genau. „Diese Zeit war für mich ein Höhepunkt in meinem Leben. Ich konnte meine ganze Kraft und Kompetenz einbringen“, freut sie sich noch heute über den Einsatz.

Claudia Weishaar war von 2015 bis Juli 2016 dabei.
Claudia Weishaar war von 2015 bis Juli 2016 dabei. | Bild: Anita Reichart