Jürgen Bühler liebt Holz, den Wald und dort die körperliche Arbeit. Der Donaueschinger ist Selbstwerber und macht sein Brennholz selbst. Vom Ortskern eines Donaueschinger Ortsteils fährt er zwei Minuten mit dem Auto zu seiner zugeteilten Parzelle. Wo das genau ist, möchte der Elektroingenieur nicht in der Zeitung lesen. Er ist vorsichtig. Denn er lagert sein Holz stets geraume Zeit lang im Wald. „Leider gibt es doch immer wieder Leute, die sich an der Arbeit anderer Leute bedienen“, sagt er.

Wer einen Schwedenofen hat, braucht Holz

Diese Arbeit übt er seit diesem Jahr in einem etwa hundert mal dreißig Meter großen Waldstück aus. Am Rand sind es buschartige Bestände, dahinter folgen Laubbäume. Einige hat der Förster markiert. „Das sind Bäume, die der Forstwirtschaft im Weg sind oder einfach unrentabel sind.“ Sie darf er fällen. Gleiches gilt für Holz, das auf dem Boden liegt. Seit etwa 15 Jahren macht Bühler selbst Holz. „Damals haben wir uns einen Schwedenofen angeschafft und uns gefragt, wie wir zu einer Befeuerung kommen“, erinnert er sich. Er erkundigte sich im Bekanntenkreis und kam zu seinem ersten Los. Am Buchberg war er auch noch die nächsten Male zugange und verarbeitete Fichtenholz. Holz mit mäßigem Brennwert.

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t das neue Areal weit günstiger, freut er sich. Bekannt gemacht hat er sich mit der neuen Freiluftarbeitsstätte an einem der vergangenen Samstage bei schönstem Sonnenschein. „Ich stehe ja unter keinem Zeitdruck. Und schon gar nicht unter einem finanziellen Druck.“ Denn des lieben Geldes wegen sollte niemand zum Selbstwerber werden.

Der Donaueschinger Jürgen Bühler macht sein Brennholz selbst. Vom Förster gekennzeichnete Bäume darf er fällen.
Der Donaueschinger Jürgen Bühler macht sein Brennholz selbst. Vom Förster gekennzeichnete Bäume darf er fällen. | Bild: Wursthorn, Jens

Bühler schlüsselt auf: Allein schon, wenn man für den Abtransport nicht über einen eigenen Anhänger verfügt, geht das in Nerverei und Abhängigkeit von anderen. Dazu kommen die notwendigen Anschaffungen. Schutzbekleidung und Werkzeug etwa. Allein sein „Fichtenmoped“, wie der 59-Jährige seine Motorsäge nennt, schlug in der Anschaffung mit rund 500 Euro zu Buche. Dazu kommt der obligatorische Sägelehrgang, der Verschleiß und der Zeitaufwand bei der Verarbeitung. Rechne man dies gegen, dürfte der Einkauf fertigen Kaminholzes billiger kommen.

Am Ende ist das Ergebnis sichtbar

Aber Bühler steht an diesem nebligen Dienstagmorgen zufrieden am Waldrand und taxiert die Arbeit für die nächste Zeit. Es muss also noch etwas anderes geben als fiskalische Aspekte. Für jemanden, der den ganzen Tag im Büro sitzt, ist Holzmachen ein wunderbarer Ausgleich. „Außerdem sehe ich da am Abend, was ich geschafft habe. Wer in die Computertastatur hackt, hat dieses Erlebnis nicht“, schwärmt der Freizeitwaldarbeiter. Und die Liebe zu Holz habe er von seinem Vater geerbt. Dieser hatte seinerzeit eine Zimmermannslehre absolviert.

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Den regelmäßigen Sport ersetzt die Holzarbeit allerdings nicht. „Das ist halt nur eine Arbeit, die man temporär auf den Winter hin macht.“ Was nicht heißen soll, dass der Schweiß in Strömen fließt. „Holz macht vier Mal warm. Beim Fällen, beim Spalten, beim Transport und dann wenn es im Ofen brennt“, lacht der Donaueschinger.

Holz muss trocknen

Doch bis dahin ist der Weg noch weit. Alle zwei, drei Jahre schafft er sich jeweils einen Holzvorrat, der dann auch wieder mehrere Jahre reicht. „Das ist wichtig, denn das Holz muss trocknen“, erklärt er. Je nach Stärke, Holztyp und Feuchtigkeit dauert das unterschiedlich lange. Und weil Bühler in der Stadt nur wenig Lagerfläche hat, lagert er das Holz so lange wie möglich im Wald.

Eine Woche Arbeit – ein warmer Winter

Auch wenn er keine Rechnung in Euro und Cent aufmacht, ein Zeitbudget kann er dennoch nennen. Zwei Tage benötigt er für das Fällen des Vorrats für zwei bis drei Winter. Das Stapeln dauert etwa drei Arbeitstage. Es folgt der Transport mit Helfern, der so etwa drei Tage lang ansteht. „Und dann bin ich dran“, schmunzelt der Selbstwerber. An vielen Abenden wandert der Holzvorrat in den Schopf. Eine Woche Arbeit, ein Winter Kaminholz? Ja, das komme hin. Aber was für eine schöne Arbeit.

So kommen fleißige Menschen zum eigenen Brennholz

Forstamtsleiter Frieder Dinkelaker erklärt, auf was Selbstwerber achten müssen

  • Zuteilung: Wer ein Waldstück zugeteilt bekommen möchte, wendet sich am besten direkt beim örtlich zuständigen Forstrevierleiter. In Donaueschingen ist das Revierleiter Manfred Fünfgeld unter der Nummer 01 62/2 92 37 37. In anderen Fällen hilft das Kreisforstamt weiter.
  • Flächen: „Reisschläge“ oder „Flächenlose“ werden nach der Brennholzmenge eingeteilt. Die Größe wird dabei so bemessen, dass zwischen fünf und 30 Ster Brennholz aus der Fläche gewonnen werden können. Ein Ster ist eine ein mal ein Meter große, aufgesetzte Holzmenge. Sie entspricht 0,8 Kubikmeter. DDie Flächen werden nicht verpachtet, vielmehr wird vorab ein Selbstwerbungs-Kaufvertrag abgeschlossen. Dieser variiert je nach Holzmenge, nach der räumlichen Lage der Fläche und den Zufahrtsmöglichkeiten. Deshalb reichen die Preise für Brennholz aus Selbstwerbung von 5 – 20 € / Ster.
  • Nachfrage: Das Interesse nach Selbstwerber-Parzellen ist in den letzten Jahren gleichbleibend hoch. Ebenso hoch ist die Wahrscheinlichkeit, eine Parzelle in der Nachbarschaft zu bekommen. Die Reisschläge werden häufig im Rahmen von Brennholz-Versteigerungen angeboten und verkauft. Reisschläge werden im Übrigen in allen Kommunen auf der Baar angeboten. Für dieses Jahr sind allerdings die meisten Lose bereits verkauft.
  • Nutzung: Entnommen werden dürfen alle Stammteile, die nach Abschluss der regulären Holzernte liegen geblieben sind. In erster Linie sind dies Stammteile und starke Äste aus der Baumkronen. Es darf nur Holz aufgearbeitet werden, das größer ist als acht Zentimeter. Der Rest verbleibt im Wald. Ebenso tabu sind ältere Stammteile, die vielleicht auch schon mit Moos und Pilzen bewachsen sind. Dieses Holz ist als Brennholz ohnehin nicht mehr geeignet und soll als wertvolles Kleinbiotop im Wald verbleiben.
  • Schonung: Wichtig für die Schonung des Waldbodens ist, dass im Wald ausschließlich auf markierten Wegen, den Rückegassen, gefahren wird. Eine flächige Befahrung der Waldbestände ist streng verboten.
  • Ausrüstung: Die Teilnahme an einem zertifizierten Motorsägenlehrgang ist Voraussetzung dafür, überhaupt einen Reisschlag erwerben zu dürfen. Bei der Aufarbeitung im Wald muss die komplette persönliche Schutzausrüstung getragen werden, bestehend aus Helm mit Gesichts- und Gehörschutz, Schnittschutzhose, Handschuhe, Sicherheitsschuhe. Weiterhin ist die Verwendung von Sonderkraftstoff und Bioöl vorgeschrieben. Ganz wichtig: Im Wald darf man bei Arbeiten mit der Motorsäge nie alleine sein, um sich bei Unfällen schnell gegenseitig helfen oder Hilfe holen zu können.