Das Judo ist Sport und Geisteshaltung in einem. Kraft, Beweglichkeit und Geschicklichkeit verbinden sich mit der unbedingten Hochachtung vor dem Gegner. Diese Werte die ihre sportlichen Aktivitäten bestimmen, hat sich Anita Keller (39) aus Mauenheim zu Eigen gemacht. Sie absolvierte vor kurzem die Prüfung zum dritten Dan erfolgreich. Damit ist sie die erste Frau in der Geschichte des Judoclub (JC) Donaueschingen, die einen so hohen Meistergrad im Judosport erreicht hat. Und auch sonst ist der dritte Dan etwas besonderes, denn vielen Judokas reicht es, einfach „schwarz zu machen“ und die Prüfung zum ersten Dan zu absolvieren. Danach kann man an den Gürteln nämlich keinen Unterschied mehr erkennen. Erst ab dem sechsten Dan – der oft auch nur noch an Würdenträger verliehen wird – ist es auch möglich, sich noch einmal abzugrenzen und anstatt eines schwarzen Gürtels einen rot-weißen zu tragen. 

  • Die Anfänge im Judo: Anita Keller hatte vor über 20 Jahren erste Kontakte mit dem Judosport. Vorher war sie als Leichtathlet aktiv. Doch als ihre Gruppe aufgelöst wurden, nahm sie ihr Bruder, der regelmäßig zum Judo ging, mit ins Training in Immendingen. Dies war der Beginn in ihrer neuen Sportart. Nach und nach hat sie die Gürtelprüfungen bis zum grünen Gurt gemacht. Doch dann musste sie aufgrund ihrer Berufsausbildung zur Dorfhelferin einige Zeit pausieren. „Als ich mit der Ausbildung fertig war, fehlte mir was“. Über eine Arbeitskollegin hab sie erfahren, dass Claus Dannecker in Donaueschingen Judotraining anbietet. „Ich bin zum Judotraining gegangen und habe schnell festgestellt, mir gefällt es hier“ und so sei sie noch heute mit dabei.
  • Wettbewerbe: „Als junge Sportlerin habe ich noch Wettkämpfe absolviert, doch aktuell gehe ich gern zu Katawettkämpfen, die über die Abläufe bei den Gürtelprüfungen unter anderem über Haltegriffe und Würfe informieren, was mir viel Spaß macht“. Regelmäßiges Jugendtraining könne sie aufgrund ihrer Berufsarbeitszeiten als Dorfhelferin nur eingeschränkt machen, doch immer wieder springe sie ein, wenn ein Trainer verhindert ist.
  • Prüfungsvorbereitung: Auf alle Danprüfungen muss sich jeder Judoka ein Jahr vorbereiten, damit „man ordentlich werfen kann“. Vor allem die Kata, die für jeden Dan eine andere ist und deren Bewegungsabläufe bis ins kleinste Detail vorgeschrieben sind, brauche viel Übung. Der Prüfling und sein Partner müssen sich in vielen Trainingsstunden perfekt aufeinander einstimmen, damit die Bewegungsabläufe sitzen und auch die Judo-Prinzipien – beim dritten Dan geht es darum, die Würfe des anderen zu blockieren und selbst zu werfen – perfekt zu demonstrieren.
Die neue dritte Danträgerin Anita Keller wäre gerne noch mehr bei der Jugendarbeit mit dabei.
Die neue dritte Danträgerin Anita Keller wäre gerne noch mehr bei der Jugendarbeit mit dabei. | Bild: Dagobert Maier
  • Techniklehrgänge: Zusätzlich müssen Techniklehrgänge besuchen, um bei den Prüfungen die einzelnen Bewegungen und Haltungen erklären zu können. Und auch um zu beurteilen, welche Lösung in der jeweiligen Situation die Beste ist. Dann kommt noch eine Kampfphase mit dazu, bei dem jeder Prüfling zeigen muss, dass er auch kämpfen kann. Den ersten Dan hat Anita Keller 2011 abgelegt, den zweiten Dan ebenfalls in Konstanz bestanden. Ende des Jahres 2019 hat sie auch den dritten Dangurt erhalten, für dessen Prüfung sie nach Marbach zugeteilt wurde. Bei der dritten Danprüfung mussten unter anderem fünf verschiedene Haltegriffe vorgeführt werden, wobei jeder Prüfling auch erklären musste, warum er die gezeigte Handhabung ausgesucht hat. Die Körpergröße spielt dabei auch eine wichtige Rolle. Die Erläuterungen für die verschiedenen Wurfvarianten waren gefragt und auch ein theoretische Teil war zu leisten, der sogar die Geschichte des Judosports beinhaltete. Auch nach der Motivation und der Werteeinstellung zum Judosport wurde von den drei Prüfern gefragt.
  • Die Jugendarbeit: Eine Trainerausbildung, um junge Nachwuchssportler an den Judosport heranzuführen, ist für die Danprüfungen nicht unbedingt erforderlich. Jedoch wird der C–Trainer als gute Voraussetzungen angesehen. „Ich würde in der Jugendarbeit im Training gerne mitmachen, doch aufgrund meines Berufes als Dorfhelferin, der mir oft keine großen zeitlichen Räume zulässt, ist das für mich sehr schwierig“.
Hobbykämpfe gegen die Judomänner machen der 39-Jährigen viel Spaß.
Hobbykämpfe gegen die Judomänner machen der 39-Jährigen viel Spaß. | Bild: Dagobert Maier
  • Kampf gegen Männer: „Ich kämpfe zwar gerne gegen Männer, doch mein Problem ist, dass ich keine Frauen als Gegner in Donaueschingen habe, sodass für mich Mannschaftswettkämpfe nicht möglich sind. Ich bin seit Jahren die einzige Frau, die beim JC Donaueschingen mit dabei ist“. Sie würde sich freuen, wenn mehr Mädels in den Judoverein kommen würden. Bei Meisterschaften und Turnieren hat sie schon teilgenommen. Sie würde auch gerne an mehr Wettkämpfen mitmachen, doch aufgrund der fehlenden weiblichen Trainingsgegner könne sie nur schwer einschätzen ob das Leistungsvermögen ausreicht, um bei Wettkämpfen mithalten zu können. Das Training und die Hobbywettkämpfe machen ihr viel Spaß und auch „der gesellschaftliche Rahmen des Vereins mit Festen und Ausflügen finde ich sehr gut“. Ab und zu besucht die Judogruppe auch überregionale Wettkämpfe als Zuschauer.
  • Judo privat: Im privaten Bereich habe sie nie ihre hervorragenden Judofähigkeiten einsetzen müssen, doch „man stehe anders hin und trete anders auf“, wenn Streitereien anstehen. „Es kam vor, dass mich einige Männer angreifen wollten, doch als sie merkten, dass ich Judokämpfern bin, haben sie es sich nicht weiter getraut auf mich zu zugehen. Ich habe auch schon bei Streitereien als Schlichterin mitgeholfen die Situation zu entschärfen.“
  • Beruf Dorfhelferin: Ihr Beruf ist Dorfhelferin für die Station Tuttlingen. Eingeteilt wird sie „überall und nirgends“ .So kann sich ein Einsatz, der über die Sozialstation vermittelt wird, über Wochen und auch Monate hinziehen. Der längste Einsatz an einer Stelle erstreckte sich über ein Jahr, drunter auch Tätigkeiten in der Landwirtschaft, „bei denen ich auch melken musste“. Doch in der Hauptsache liege ihr Einsatzbereich im städtischen Bereich bei Familien mit Kindern.