Unter der Moderation von Landrat Sven Hinterseh debattierten Jan Ilhan Kizilhan, Professor an der Dualen Hochschule Schwenningen, Johannes Achatz, Akademischer Mitarbeiter der Hochschule Furtwangen, und Dagmar Kreider, Gemeindepfarrerin in Donaueschingen, vor 90 Besuchern ein hochaktuelles Thema.

Das könnte Sie auch interessieren

In seiner Einführung sprach Sven Hinterseh an, dass häufig mit Angst Politik gemacht und so unsere Demokratie gefährdet werde. Dagmar Kreider schilderte die Instrumentalisierung der Angst als Herrschaftsinstrument in der Kirche, was beispielsweise im Mittelalter mit Inquisition und Folter ganz offen geschehen sei. Aber auch heute schwinge unterschwellig in manchen Formen der religiösen Lehre und Praxis die Angst mit.

Wenn Angst zum Problem wird

Jan Ilhan Kizilhan ist besonders bekannt für seine Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen. Er bezeichnete Angst als ein durchaus überlebensnotwendiges Gefühl, das helfe, Gefahren zu vermeiden. Problematisch sei die pathologische Angst, die sich auf gar nicht vorhandene Gefahren richte oder zu völlig unverhältnismäßigen Reaktionen führe. Das Angstpotential werde häufig von totalitären Politikern ausgenutzt, um eine paranoide Politik zu verfolgen und ihre Herrschaft zu festigen. Die Angst vor Flüchtlingen werde in Umfragen häufig als erstes genannt.

Das könnte Sie auch interessieren

Johannes Achatz wies darauf hin, dass die Angst vor den Anderen sogar die Grundlage einer Staatstheorie war. Das Gegenmodell sei die moderne Demokratie, deren Kern es ist, die Menschenrechte durchzusetzen und die Menschenwürde zu schützen. Auf diese Weise sei eine relativ angstfreie Gesellschaft möglich.

Begegnung hilft

Dagmar Kreider betonte, dass der Mensch normalerweise Angst habe vor Fremdem, vor Menschen mit einer anderen Hautfarbe, einer anderen Sprache, einer anderen Kultur. Das zeige sich auch häufig im Umgang mit Muslimen. Ein Ausweg seien reale Begegnungen, ein Sich-Einlassen auf andere Kulturen, Kommunikation. In diesem Zusammenhang würdigte Hinterseh das ehrenamtliche Engagement vieler Donaueschinger in einer Zeit, als die Bewohner der Erstaufnahme fast ein Viertel der Kernstadtbevölkerung ausmachten.

Das könnte Sie auch interessieren

An Johannes Achatz gerichtet war die Frage, ob Gruppen in der Gesellschaft oder der Politik auch einfach Zukunftsangst hätten, weil die Technik unser Leben zwar bequemer, aber auch komplizierter mache. Achatz sah dies als Angst vor Komplexität an. Die Menschen fühlten sich überfordert, und würden dann Verführern mit einfachen Lösungen folgen.