Es ist eine gigantische Sammlung von einzigartigen Zeugnissen und Dokumenten. Die ältesten Pergamente in diesem massiven Gemäuer sind gut 1200 Jahre alt. Sie bringen Fachleute, Historiker, und Hobby-Geschichtsforscher ins Schwärmen: Das Fürstlich Fürstenbergische Archiv beherbergt Tausende und Abertausende historisch bedeutsamer Schätze. Ihr Wert für Wissenschaft und Forschung ist unersetzlich. Davon ist nicht nur Andreas Wilts überzeugt, der seit 20 Jahren Archivar im FF Archiv ist.

Hinter Wänden, die mehr als einen Meter dick sind, in zwei übereinander liegenden Kellern und drei Obergeschossen, die mit schweren Quadersteinen aufgeschichtet wurden, lagern historische Zeugnisse vieler Generationen. Gut gesichert hinter Türen aus Eisen, die so um die zwei Zentner wiegen, unter gewölbten Decken, die der Fachmann als Kreuzgratgewölbe erkennt, Fenster, die mit Eisengittern und eisernen Läden gesichert sind: Es ist nicht ein zweites „Fort Knox“, was hier in der Haldenstraße steht. Aber Wertvolles, auf jeden Fall Bedeutsames, ist hinter diesem Gemäuer zu finden.

Schon die Archivkästen und Regale, letztere rund drei Meter hoch und aus fein furniertem Nussbaumholz gefertigt, sind echte Schmuckstücke. Auf ihnen lagern Dokumente, Pläne, Akten, Atlanten, Bücher, in Leder gebundene schwere Schwarten in Riesenformaten, Pergamente und Karten aus dem Mittelalter: Das Fürstliche Archiv beherbergt allen möglichen Papierkram, der in vergangenen zwölf Jahrhunderten gesammelt wurde, in der Absicht, dass er einmal auch für künftige Generationen bedeutsam sein könnte.

Das FF Archiv wurde von 1756 bis 1763 errichtet, erklärt Andreas Wilts. Es ist einer der frühesten selbständigen Archivbauten in Deutschland: Fürst Josef Wilhelm Ernst zu Fürstenberg, der 1722 Donaueschingen zum Residenzort des Fürstentums machte, konnte offensichtlich gar nicht anders, als ein großzügiges Archiv in Donaueschingen zu errichten. Hier wurden die Fürstenbergischen Landgrafschaften Baar, Heiligenberg und Stühlingen und ihre umfangreichen Haus- und Herrschaftsarchive zusammengeführt. Donaueschingen wurde zur Hauptstadt des Fürstentums auserkoren. Die Unterlagen brauchten viel Platz.

„Wir heben ziemlich großzügig Dinge auf“, so Andreas Wilts. Aber dennoch nicht alles: Archivare müssten eine Auswahl treffen, nicht alles wird aufgehoben, nicht alles, was gesammelt wurde, ist heute wirklich noch von Bedeutung. Andererseits sind im FF Archiv Criminalakten der Vergangenheit nicht mehr da, obwohl sie heute interessant sein könnten. Wilts‘ zahlreiche Vorgänger im Amt haben anders entschieden, Daher gebe es kaum Einblick ins Leben der Galgenvögel von damals.

Vorhanden sind aber Akten über Hexenprozesse. Wilts nennt das Beispiel von Mathias Tinctorius. Er war einst Schulmeister in Heidenhofen, sorgte als Rentamtsschreiber in Hüfingen für die saubere Buchführung und die Registratur von Einkünften. Aber am 10. Mai 1632 wurde er auf dem Scheiterhaufen als Hexenmeister verbrannt.

Daneben gibt es jede Menge Unterlagen, die die Stadtanlage, Gebäude und einstige Stadtmauern dokumentieren, Pläne über den fürstlichen Park und die Anlage der Donauquelle, die lebendige Baugeschichte von Schloss, Stadt und Kirchen in Donaueschingen, Personal- und Bauakten, Dokumente, die etwa Grundbesitz, Verkäufe und Veränderungen von Liegenschaften nachweisen können. Sie geben Einblicke in vergangene Zeiten, zeugen von den Verwaltungstätigkeiten in den Fürstenbergischen Landen, die ja einmal vom Kinzigtal bis an Donau und Bodensee reichten. Gesammelt werden die Akten der Fürstlichen Wirtschaftsbetriebe, oder Akten, die den Weg in die moderne Zeit zeigen mit dem Bau von Wasserleitungen oder der Einführung von elektrischem Strom, mit der Verlegung oder Erweiterung von Gebäuden, dem Bau von Straßen und Schienennetz auf der Schwarzwaldbahn.

Ein wichtiges Thema ist die Donauquelle und die Anlage des Fürstlichen Parks. Unter anderem ist ein alter Plan von 1664 zu entdecken, in dem bereits die Quellfassung als Viereck vor der damaligen Burg der Grafen zu Fürstenberg eingezeichnet ist. Und auf einer Darstellung von 1770 ist auf dem Gelände des heutigen Parks noch eine wilde Sumpf- und Flusslandschaft mit vielen Armen und Verzweigungen zu sehen. Das Donaubächle verlief damals parallel zur heutigen Schlossfassade bis zur Einmündung in den „Briga-Fluß“. Erst 1828 mit der Neugestaltung der westlichen Schlossfassade und des Gartenareals wurde der Zulauf verlegt, so wie er heute verläuft.