Mit vergänglicher Kunst beschäftigen sich am übernächsten Wochenende Vivienne Jester und Davina Schmidt. Die Donaueschinger Realschülerinnen nehmen zum ersten Mal am Street-Art-Festival in Blumberg teil: Die beiden zeichnen jeweils eigene Kreidebilder auf die Straße, die sich am Ende zu einem Gesamtwerk zusammenfügen. Vivienne, 16, besucht die Klasse 10, Davina ist ein Jahr jünger und geht in die neunte Klasse.

Künstlerisch sind die Freundinnen nicht nur in der darstellenden Kunst unterwegs. Beide haben in den vergangenen Jahren im Schultheater in ernsten wie lustigen Stücken gespielt. Kreide wird für Vivienne ein neues Material sein. Ihre Bilder setzt sie bisher mit Buntstiften, Alkoholmarkern und Wasserfarben um, während sich Davina mit dem Bleistift gerne feine Bewegungsskizzen zeichnet, aus denen mit Farbe ausfüllte Figuren wachsen.

Mit Klein-Klein und filigran kommen die Jugendlichen nicht ans Ziel. Bei einer zu gestaltenden Fläche von um die neun Quadratmetern ist stattdessen eine maßstabgerechte Rastervergrößerung gefragt. Das heißt, man zeichnet die Vorlage in Zeichenblockgröße und vergrößert sie auf Zimmerflächengröße. Motivisch bringen Vivienne und Davina bringen jeweils vier Charaktere ihrer durch Streamingdienste ausgestrahlte Lieblingsserie "Supernatural" auf den Asphalt. Vivienne kümmert sich um die "bösen", Davina bildet die "guten" ab.

Das Arbeitsmaterial ist für alle Künstler das gleiche: Eine große Schachtel mit verschiedenfarbenen Kreidestücken.
Das Arbeitsmaterial ist für alle Künstler das gleiche: Eine große Schachtel mit verschiedenfarbenen Kreidestücken. | Bild: Jens Wursthorn

Die Arbeitsmaterialien sind in Blumberg für alle gleich: ein Päckchen Kreide, exakt 72 Stücke in gut einem Dutzend Farben, dazu ein paar Stücke in Weiß und Grau. Verwendet wird Schulkreide. "Die deckt besser als die normale Straßenkreide", weiß Vivienne. Eine Kiste hat sie sich beim Veranstalter schon besorgt, ausprobiert hat sie diesen verbesserten Effekt auf der wenig befahrenen Straße vor dem Haus der Familie im Musikerviertel aber nicht. Der Belag sei rauer als beim Wettbewerb, ein Vergleich deshalb wenig sinnvoll. Neben der flächigen Gestaltung dürfte es sein, neue Farben zu erzeugen. Das geschieht, indem bemalte Kreideflächen mit einer anderen Farbe übermalt werden. Korrekturen funktionieren in Maßen – und am besten, wenn das Wetter mitspielt. Die Arbeit eines nassen Schwamms vollendet am schnellsten der helle Sonnenschein. Davina hat eher Bedenken, dass ihr das Material ausgeht. Sie hat vir, sich ein zweites Kreidepaket zu besorgen.

Wenn es dann in Blumberg losgeht, wollen die Jugendlichen gegen alle Wetterkapriolen gewappnet sein. "Ich baue den Pavillon meiner Nachbarin auf", verkündet Vivienne einen pfiffigen Sonnen- wie Regenschutz. Davina möchte sich auf einen Hut gegen die Hitze beschränken. Beide freuen sich darauf, dass ihnen Besucher bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. "Schön, wenn es da aufmunternde Kommentare gibt", sagt Vivienne. Mit konstruktiver Kritik könne sie umgehen. Natürlich soll das Wochenende auf der Straße auch dazu dienen, die Essgutscheine zu nutzen, zu flanieren und mit anderen Street-Art-Künstlern ins Gespräch zu kommen – und natürlich mit den internationalen Stars ein paar Sätze auf Englisch zu wechseln.

Ob es danach was wird mit der Street-Art-Karriere? Eigentlich nicht. Beide bewahren lieber mögen es lieber, ihre Kunstwerke auf Papier aufzubewahren. Ihre Blumberger Werke quasi links liegen zu lassen, ist da eher die Ausnahme. Und zudem sind beide vielfältig aktiv in ihrer Freizeit. Davina kümmert sich ums Pferd und hat lange Karate gemacht und möchte nach der Realschule weiter auf die Schule gehen. Vivienne hat schon konkretere Pläne: Sie wechselt im nächsten Schuljahr auf das Technische Gymnasium in Schwenningen und belegt dort das Profilfach Gestaltungs- und Medientechnik. Nach dem Abitur eine Ausbildung als Mediengestalterin oder Grafikerin. Das würde zu ihr passen.