Närrisch und unbeschwert feiern in diesen Tagen die Donaueschinger ihre Fasnet. Denkt bei den Klängen des Narrenmarsches und bei klingenden Hansel-Glocken überhaupt jemand daran, dass sich während dieser Tage der Untergang der Stadt im Bombenhagel zum 75. Mal jährt?

Ungezählte Tote, 124 total zerstörte, 276 schwer beschädigte und 727 leicht beschädigte Gebäude, eine unterbrochene Wasser- und Stromversorgung, eine teilweise zerstörte Kanalisation sowie zerstörte Straßen und Brücken: Die Stadt war nach dem Angriff am 22. Februar 1945 eine Trümmerlandschaft. Dies war das Werk alliierter Bombenflugzeuge. Aber auch die Deutschen wirkten an der Zerstörung der Infrastruktur mit: etwa mit den sinnlosen Sprengungen der Brücken über Brigach, Breg und Donau.

Helmut König schrieb die Geschehnisse auf

Viele Zeitzeugen, die den wohl schwärzesten Tag der Stadtgeschichte bewusst erlebten, gibt es nicht mehr. Ein Glücksfall ist, dass Helmut König, der von 1931 bis 1968 als Lehrer am Fürstenberg-Gymnasium tätig war, die schlimmen Ereignisse des Kriegsendes im Band 1945 der von der Stadt erstellten Jahreschroniken sehr anschaulich niederschrieb. Danach erlitt die Stadt am 22. und nochmals am 25. Februar 1945 die schwersten Sprengbomben-Angriffe.

1947, Blick in die Wasserstraße: W. Merz-Ziegler hielt diese Situation zwei Jahre nach Kriegsende in dieser Zeichnung fest.
1947, Blick in die Wasserstraße: W. Merz-Ziegler hielt diese Situation zwei Jahre nach Kriegsende in dieser Zeichnung fest. | Bild: Stadtarchiv Donaueschingen

Am Donnerstag, 22. Februar, fielen um 13.45 Uhr die ersten Bomben. Ein wahrer Bombenteppich und Reihenwürfe ins Stadtzentrum zerstörten 38 Häuser und beschädigten weitere 53 schwer. Betroffen waren insbesondere die Bereiche von der Poststraße bis zur Zeppelin-, Käfer- und Herdstraße sowie Goethe- und damalige Dietrich-Eckart-Straße. Völlig zerstört wurde auch das Landratsamt, in dessen Luftschutzkeller viele Menschen den Tod fanden. Die evangelische Kirche wurde schwer beschädigt und die städtische Festhalle zerstört. Drei Stunden später fielen erneut Bomben, etwa beim „Schwanen“ in Allmendshofen. Auch Pfohren und Wolterdingen wurden an diesem Tag bombardiert. In Pfohren starben dabei neun Menschen, in Wolterdingen sogar 28. Dort wurde auch die Kirche zerstört.

Weiterer Angriff am Folgetag

Auf diesen Unglückstag folgte in Donaueschingen Schlag auf Schlag: Am 23. Februar gab es einen erneuten Angriff auf den Bahnhof, nachdem dieser und das Postamt bereits am 2. Januar 1945 von Fliegerbomben getroffen und zerstört worden waren. Bei diesem Angriff waren laut Polizeibericht 96 Personen getötet, 56 verwundet und zwölf vermisst worden.

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Am 25. Februar wurden die Kasernen aus der Luft angegriffen. Dabei waren 136 Tote, 51 Verwundete und 20 Vermisste (fast ausschließlich Wehrmachtsangehörige) zu beklagen. An diesem Tag wurden 24 Gebäude total zerstört, 38 schwer beschädigt. Auch die Stadtmühle wurde an diesem Tag durch Bombentreffer stark beschädigt. In den folgenden Tagen und Wochen heulten täglich die Sirenen. Jetzt terrorisierten Jagdflugzeuge die Bevölkerung.

Phosphor-Bombe setzt 30 Häuser in Brand

Dabei lotsten jeweils zwei Aufklärungsflugzeuge, von der Bevölkerung Max und Moritz genannt, diese Flugzeuge zu ihren Zielen. Am 19. April galt ein Luftangriff dem Heeresverpflegungsamt, und am 20. April, dem Vortag der Einnahme der Stadt durch französische Streitkräfte, erlebte die Stadt die Schrecken eines Luftangriffs mit Phosphor-Bomben, in dessen Folge etwa 30 Häuser im Stadtzentrum brannten. Dabei wurde auch die alte Hofapotheke zerstört.

Überlebender in den Trümmern gefunden

Nach den Bombenangriffen war es schwierig, Verschüttete zu retten, Verletzte zu versorgen und Tote zu bergen. Es mangelte oft an notwendigen Hilfsmitteln. Im Haus Gleichauf in der Zeppelinstraße konnte aber ein Ingenieur der Villinger Firma Kienzle lebend aus den Trümmern geborgen werden.

Einen solchen Glückfall hatte es bereits nach dem Bombenabwurf am 2. Januar gegeben, als ein verschütteter junger Posthelfer im Erdgeschoss der Postamt-Ruine gerettet werden konnte. Die geborgenen Toten wurden in Massenbegräbnissen hinter dem dörflichen Friedhof in Allmendshofen beigesetzt, nachdem der Stadtfriedhof selbst durch Bombentreffer zu einem Kraterfeld geworden war und nicht mehr genutzt werden konnte.