Dauchingen - „Noch mal Schwein gehabt“ – das kann man wohl den etwa 400 Schweinen und Ferkeln zurufen, die künftig im schönen Längental zwischen Niedereschach und Dauchingen leben werden. Denn auf dem Hof von Josef und Andrea Reichmann wird es zwar nicht zugehen wie in einem Fünf-Sterne-Hotel, aber im Vergleich mit vielen anderen Schweineställen werden die Ringelschwänzler doch sehr komfortabel ihrem unausweichlichen Schicksal der Schlachtung entgegen sehen. Bei der jüngsten Sitzung des Dauchinger Gemeinderats hat das Gremium dem Landwirt-Ehepaar die Möglichkeit gegeben, den geplanten Neubau ihres Schweinemaststalles mit angeschlossenem Ferkelstall vorzustellen und auch auf bereits aufkommende vorbehalte aus der Bevölkerung einzugehen. Und das, was der Gemeinderat nach etwa einstündiger Diskussion einvernehmlich für gut befand und genehmigte, ist eine andere Art der Tierhaltung als die in vielen anderen Ställen betriebene und zu Recht kritisierte Massentierhaltung, die man oft nur als Schweinerei bezeichnen kann.

Familie Reichmann baut auf besonders artgerechte Schweinezucht. Im Bild die Töchter Maria (links) und Sarah mit ihren Eltern An­drea und Josef Reichmann – und einem Wurf Ferkel. <em>Bild: Familie Reichmann</em>
Familie Reichmann baut auf besonders artgerechte Schweinezucht. Im Bild die Töchter Maria (links) und Sarah mit ihren Eltern An­drea und Josef Reichmann – und einem Wurf Ferkel. Bild: Familie Reichmann

In enger Zusammenarbeit mit der Universität Hohenheim und dem Bildungs- und Wissenszentrum Boxberg für Schweinehaltung und Schweinezucht soll unweit des bestehenden Mastbetriebs ein moderner Stall entstehen, der den Tieren doppelt so viel Platz bietet, wie für Haltung und Zucht aktuell vorgeschrieben ist. Außerdem werde es eine mechanische Trennung von Kot und Urin geben, sodass keine störenden Gerüche entstehen können. Und die Tiere können aus ihrem Stall heraus in einen Auslauf spazieren, wann immer sie wollen, erklärte Josef Reichmann im Gemeinderat. „Wir nehmen die Bedingungen des deutschen Tierschutzbundes als Vorgabe“, unterstützte Andrea Reichmann ihren Mann. Nicht von ungefähr sei das Bauvorhaben als Modellvorhaben des EU-Programms „Europäische Innovations-Partnerschaft“ aufgenommen worden und werde von der Landesregierung unterstützt.

Er habe Verständnis für die Sorgen der Bevölkerung, wenn es um Geruchs- oder Lärmbelästigung geht, so Josef Reichmann. Aber insbesondere die dann mehr anfallende Gülle werde als Dünger für eine vergrößerte landwirtschaftliche Fläche benötigt und für die Überschüsse gebe es Landwirte ohne Tierhaltung, die gerne auf das Angebot zurückgreifen und die jährlich etwa 300 Kubikmeter abnehmen. Auch eine Lärmbelästigung sei schon allein wegen der artgerechten Haltung ausgeschlossen: „Zufriedene Schweine machen keinen Lärm“, so Reichmann – und die größere Entfernung zum nächsten Nachbarn tue hier ein Übriges. Der Dauchinger Gemeinderat sah dies genauso und gab dem Bauvorhaben seinen Segen.