Pünktlich um 3.30 Uhr hat der Schneewächter den Winterdienst aus den Federn geholt. Kurz nach halb vier Uhr startet am Bauhof in Brigachtal der Tag routiniert und unspektakulär. Mit vier eigenen Räumfahrzeugen und einem externen Unternehmer kann die Gemeinde den Winterdienst bewältigen. Der 170 PS Motor des Unimog U300 startet selbst bei eisigen Temperaturen klaglos und Gotthard Kloker tippt auf dem Bedienfeld für das Streugerät die Fahrbahnbreite ein.

Eine Computerstimme quittiert die Befehle und schon rauscht das Räumgerät in Richtung Ortsmitte los. „Die Straßen mit Steigungen und Busverkehr sind zuerst zu räumen!“, so Kloker und steuert in Richtung Bad Dürrheimer Straße.

Unterwegs mit dem Winterdienst in Brigachtal
Unterwegs mit dem Winterdienst in Brigachtal | Bild: Jörg Dieter Klatt

Streift das Räumschild den Granitrandstein stieben die Funken gelb leuchtend unter dem Schnee, der mit reichlich Schwung an den Fahrbahnrand befördert wird. Liegt dahinter ein Gehweg, so wird das Räumschild mit dem Joystick kurzerhand auf die andere Seite geschwenkt. „Da haben wir immer wieder große Probleme, gerade wenn Garageneinfahrten zugeschüttet werden. Das kommt bei den Betroffenen überhaupt nicht gut an“, sagt der Wassermeister der Gemeinde.

Welche Millimeterarbeit hier aus gut zwei Meter Augenhöhe über der Fahrbahn geleistet wird, ist erstaunlich. Rechts steht ein geparktes Auto und wenige Meter dahinter ein weiteres auf der linken Seite. So wird das Schneeräumen in den engen Straßen der Wohngebiete zu einem wahren Akrobatenakt. Besonders ärgerlich für den Räumdienst ist das Parken auf den Wendehämmern der Sackgassen. Obwohl solches verboten und entsprechende Schilder darauf hinweisen, stellen Anwohner ihr „heiligs Blechle“ dort ab.

Trotz Parkverbots stellte sich dieser Verkehrsteilnehmer auf den Wendehammer in Kirchdorf.
Trotz Parkverbots stellte sich dieser Verkehrsteilnehmer auf den Wendehammer in Kirchdorf.

Das bedeutet für den Räumfahrzeugfahrer, dass er mehrmals vorwärts und rückwärts fahrend und häufig das Räumschild schwenkend seiner Aufgabe nachkommen muss. Besonders eng wird es in den Neubaugebieten. Der Beobachter kann da nur staunen, dass nicht der eine oder andere Außenspiegel oder gar ein Gartenzaun am 3,5 Meter breiten Räumschild hängen bleibt. „Übung und Erfahrung sind hier schon notwendig“, so Gotthard Kloker.

Genau in diesem Augenblick teilt ihm die freundliche Computerstimme mit, dass der Salztank leer sei. Gut 100 Tonnen Streusalz werden laut Ortsbaumeister Patrick Lutz bevorratet.

Gotthard Kloker neben dem Streuteller am Unimog der Gemeinde.
Gotthard Kloker neben dem Streuteller am Unimog der Gemeinde.

Bevor die Räumfahrt fortgesetzt werden kann, wird der 1,4-Tonnen-Tank befüllt, was ebenfalls Millimeterarbeit beim Rangieren unter den Siloturm in Klengen verlangt.

Gotthard Kloker lässt 1,4 Tonnen Streusalz in den Tank des Streufahrzeugs rieseln.
Gotthard Kloker lässt 1,4 Tonnen Streusalz in den Tank des Streufahrzeugs rieseln.

Die Auffahrt zum Steinbruch ist vereist und so kommt sogar das Streufahrzeug, nun voll beladen, fast ins Rutschen.

Spezielle Winterreifen und Allradantrieb sorgen jedoch für besten Grip auch ohne Schneeketten. Behänd geht es wieder nach Kirchdorf, wo die Steigungsstrecken eine zweite Salzladung verpasst bekommen. Um 4 Uhr in der Frühe ist außer den Zeitungsausträgern praktisch niemand unterwegs, die Straßen frei von Autoverkehr. Da es in der Nacht kaum geschneit hat, kann der Räumdienst die Feldwege um Kirchdorf sowie die großen Parkplätze an der Festhalle von der weißen Pracht befreien.

Noch ruht der Bahnverkehr am Haltepunkt Kirchdorf, doch kurz vor 4.00 Uhr am Morgen sorgt der Winterdienst der Gemeinde für eine schneefreie Bushaltestelle.  Bilder: Jörg-Dieter Klatt
Noch ruht der Bahnverkehr am Haltepunkt Kirchdorf, doch kurz vor 4.00 Uhr am Morgen sorgt der Winterdienst der Gemeinde für eine schneefreie Bushaltestelle. Bilder: Jörg-Dieter Klatt

Hier trifft das Räumfahrzeug auf Christoph Neufeld, der in mühsamer Handarbeit die langen Treppen zur Festhalle freischaufelt. Diese Knochenarbeit wird ebenfalls rollierend unter den Bauhofmitarbeitern verteilt.

Christoph Neufeld befreit mit Muskelkraft die Treppe zur Festhalle vom Schnee.
Christoph Neufeld befreit mit Muskelkraft die Treppe zur Festhalle vom Schnee.

Bauhofleiter Uwe Seng betont, dass er bei der Winterdienstplanung darauf achten muss, dass nicht nur einer mit dieser Handarbeit belastet wird. „Der Winterdienst hat seinen eigenen Reiz. Wenn man so alleine am frühen Morgen im warmen Räumfahrzeug unterwegs ist, dann kann das Räumen auch Spaß machen.“

Allein die Kritik mancher Anwohner bereitet den Mitarbeitern Kummer. Niemand möchte den Schnee vor seinem Anwesen haben. Die enge Bebauung und die Zunahme der Anzahl der Autos pro Wohneinheit lassen das Räumen jedoch vielerorts zum Problem werden. Das Geschick der Bauhofmitarbeiter sowie die gute technische Ausstattung lassen jedoch auch eine breite Zufriedenheit über den Brigachtaler Winterdienst wahrnehmen.

Gotthard Kloker vor dem zum Winterdienst aufgerüsteten Unimog der Gemeinde.
Gotthard Kloker vor dem zum Winterdienst aufgerüsteten Unimog der Gemeinde.

Nach gut drei Stunden hat Gotthard Kloker sein Räumpensum im Ortsteil Kirchdorf erfüllt, freut sich nun auf einen stärkenden Kaffee zu Hause um anschließend seinen Kontrollaufgaben als Wassermeister in den Brunnenstuben gerecht zu werden.