„In diesem Jahr sind die Äpfel zwar ein wenig kleiner, dafür umso süßer und schmackhaft. „Das liegt am sonnigen August“, berichtet Dieter Hirt, der seit vielen Jahren die Mosterei, zunächst im Überauchener Schlachthaus und jetzt mit einer mobilen Moste auf der Festwiese betreibt. Sein langjähriger Helfer Frank Doser ist dieses Jahr aus zeitlichen Gründen nicht dabei. Für ihn ist Carlo Castellano eingesprungen, der bereits in früheren Jahren in der Überauchener Mosterei tätig war und über entsprechende Erfahrung verfügt.

Carlo Castellano (vorne) und Dieter Hirt betreiben in diesem Jahr die transportable Moste auf der Brigachaler Festwiese. Die Saison dauert bis weit in den Oktober.
Carlo Castellano (vorne) und Dieter Hirt betreiben in diesem Jahr die transportable Moste auf der Brigachaler Festwiese. Die Saison dauert bis weit in den Oktober.

Dass auch in diesem Jahr die „Moste“ geöffnet hat, ist der Gemeinde zu verdanken, die nach der Vorlage eines Hygiene-Konzepts das Okay für die Öffnung gab. „Wir waren ein wenig überrascht, dass uns so viele Stammkunden trotz Corona nach wie vor die Treue halten“, sagte Hirt. Es kommen auch vermehrt junge Kunden, die die Tradition des Mostens neu entdeckt haben“, ergänzt Castellano.

  • Die Stammkundschaft: Schon in der vergangenen Woche waren viele Kunden da, um ihre Äpfel, teils mit Birnen gemischt, anzuliefern. Auch Christa Strobel gehört zu den ersten Kundinnen: „Es gibt ja in diesem Jahr massenhaft Äpfel“, sagte Strobel. Das liege daran, dass es in diesem Frühjahr kaum kalte Nächte mit Frost hatte, so die ehemalige Landfrauen-Vorsitzende. „Ich habe heute Morgen unsere drei Apfelbäume im Garten abgeerntet“, berichtet Peter Gutmann, der seit zehn Jahren eigens aus Spaichingen kommt. Hier in Brigachtal geht alles schnell über die Bühne – schon verstaut er an diesem Freitagnachmittag die ersten Kartons mit Süßmost im PKW. „Schon toll, da haben wir den ganzen Winter über leckeren Apfelsaft für uns, die Kinder und Enkelkinder“, so Gutmann. Über reichlich Obst, gleich säckeweise verfügt auch Simone Schweizer, die man vom Brigachtaler Singkreis her kennt und die gerade ihre Äpfel aus dem Kofferraum in Richtung Moste transportiert. Sohn Conrad hilft beim Ausladen. „Wir kommen immer gern hier her, der Most ist besonders lecker“, so Schweizer.
Simone Schweizer und Sohn Conrad liefern gerade Äpfel vom heimischen Apfelbaum an. In einem Trog wird das Obst zunächst gründlich gewaschen. Bilder: Klaus Dorer
Simone Schweizer und Sohn Conrad liefern gerade Äpfel vom heimischen Apfelbaum an. In einem Trog wird das Obst zunächst gründlich gewaschen. Bilder: Klaus Dorer
  • Mosten: Im Jahr 1986 wurde in Brigachtal eine neue Mostpresse angeschafft. Die Überauchener Mosterei öffnete jedes Jahr im Spätsommer und Herbst. Nach über 30 Jahren war dann am bisherigen Standort Schluss, denn das Schlachthaus, wo die Moste untergebracht war, wurde abgerissen. Seit 2010 mostete Dieter Hirt, der gerade den vier Zentner fassenden Waschkessel mit Äpfel füllt. Dort wird die Ware gründlich im kalten Wasser, ohne jegliche Zusatzstoffe, gewaschen. Über ein Rohr, der sogenannten Förderspirale, die in den Behälter hineinragt, wird das gewaschene Obst schließlich nach oben transportiert und dann klein geraspelt. Im Anschluss wird der Dosierer geöffnet, das zerkleinerte Obst fällt in eine viereckige Auffangwanne und wird mit Hilfe einer Schablone fixiert. Darauf wird die Masse, ähnlich wie bei einem Kuchen, möglichst gleichmäßig verteilt. Der aus Eichenholz gefertigte Pressboden sinkt dann langsam mit gut 190 Bar Druck auf diese Schicht und beginnt den hydraulischen Pressvorgang. Der austretende Saft wird in einer Auffangschale gesammelt und anschließend in 150 Liter fassende Aluminium-Behälter gefüllt. In diesem Kessel wird der frisch ausgepresste Apfelsaft auf konstant 78 Grad erhitzt (pasteurisiert). Dadurch wird der Saft haltbar, erklärt Hirt. Nun kann das Abfüllen des Saftes in eine „Bag-in-Box“ erfolgen. Die Pressrückstände, auch Treber genannt, werden an Jäger abgegeben, die mit diesem nahrhaften Restprodukt im Winter das Wild füttern.
  • Anlieferung: Kunden können nach Terminvereinbarung ihre frisch geernteten Äpfel oder Birnen zur Mosterei nach Klengen (Festwiese) bringen. Die Menge, des gelieferten Obstes, ist unerheblich. „Wir nehmen gerne auch kleinere Mengen an“, so Hirt. Viele Kunden lassen auch eigene, große Mostfässer befüllen, um in diesen den Gärungsprozess abzuwarten. Innerhalb von etwa vier Wochen kippt der Apfelsaft nämlich, wird so zu Most mit Alkoholgehalt und dem typisch rustikalen Geschmack. Wird der Saft nicht erhitzt, vergärt er durch den Fruchtzucker zu Alkohol.
  • Termine: Es gibt noch freie Termine, die unter 07721/6 97 47 62 bei Dieter Hirt gebucht werden können. Eine Terminvereinbarung ist unbedingt erforderlich. Gemostet wird jeweils freitags und samstags. Wer keine eigenen Äpfel hat, kann in der Mosterei auch jederzeit Apfelsaft zu günstigen Preisen kaufen.

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