Ihr Start als Kindergartenleitung hätte nicht turbulenter sein können. Seit Januar ist Imke Lupfer Leiterin der Kindertagesstätte Froschberg. Ein gutes halbes Jahr ist inzwischen vergangen, doch von Normalität keine Spur. „Erst kam der Sturm Sabine und dann Corona„, erzählt die 30-Jährige. „Ein aufregender Start“, sagt sie und lacht. Ihren Mund und ihre Nase hat sie mit einer Maske bedeckt. Wie immer, wenn sie im Gespräch mit Erwachsenen ist, die nicht zum Team der Tagesstätte gehören. Bei den Kindern nimmt sie die Maske ab: „Es ist wichtig, dass Kinder die Mimik erkennen können.“

Imke Lupfer, Kindergartenleitung
Imke Lupfer, Kindergartenleitung | Bild: Hanna Mayer

Vor der Tür auf dem Flur sind Kinderstimmen zu hören. Nach drei Wochen Sommerpause hat der Kindergarten vor einer Woche wieder begonnen. Für Kinder, Eltern und Erzieher heißt das: Endlich wieder so etwas wie Alltag, wenn auch unter Pandemie-Bedingungen.

„Die Kinder sind reinspaziert, als ob es nie anders gewesen wäre.“
Imke Lupfer, Kindergartenleitung
Gleich geht es raus zum Spielen: Die Krippenkinder stehen schon in den Startlöchern.
Gleich geht es raus zum Spielen: Die Krippenkinder stehen schon in den Startlöchern. | Bild: Hanna Mayer

„Das Haus ist proppenvoll“, sagt Lupfer. Alle Kinder, die nicht etwa noch in den Ferien seien, seien da. Besorgt oder verunsichert seien die Eltern nicht. „Die Eltern freuen sich eher, dass die Zeit ohne Kindergarten vorbei ist.“ Viele Eltern, so Lupfer, hätten berichtet, dass die sozialen Kontakte den Kindern sehr gefehlt hätten. Seitdem sie wieder in die Tagesstätte kommen dürften, seien sie viel ausgeglichener.

Langer Weg zurück zum Alltag

Bis die Tagesstätte wieder zum Regelbetrieb zurückkehren konnte, war es ein langer Weg. Froh ist Lupfer vor allem um eines: ihr Team, das die Ausnahmesituation „grandios gemanagt“ hat. Denn zu managen gab es in den vergangenen Monaten in der Tat so einiges. Der Beginn der Coronakrise habe alles auf den Kopf gestellt, sagt Lupfer. „Am Anfang konnten wir es gar nicht glauben. Wir dachten, das dauert vielleicht drei Wochen.“ Bald schon stellte sich heraus, dass drei Wochen wohl zu optimistisch gedacht waren.

Ein Hinweis für die Eltern.
Ein Hinweis für die Eltern. | Bild: Hanna Mayer

Und so hieß es für die 20 Mitarbeiter: ein Konzept ausarbeiten. Erst für die Notbetreuung, also für alle Kinder, deren Eltern in einem systemrelevanten Beruf arbeiten – eine sehr überschaubare Gruppe, so Lupfer. Dann die erweiterte Notgruppe. Da waren es schon um die 35 Kinder. „Man musste sehr flexibel sein und sich Woche für Woche auf eine neue Situation einstellen“, berichtet die Erzieherin Annette Riesle. Und schließlich, in der letzten Juniwoche, die Wiedereröffnung des Kindergartens – mit 100 Kindern. Ein Kraftakt für das gesamte Team.

Endlich wieder zusammen spielen: Imke Lupfer mit den Kindern draußen im Garten.
Endlich wieder zusammen spielen: Imke Lupfer mit den Kindern draußen im Garten. | Bild: Hanna Mayer

Neue Gruppenkonstellationen

Es musste „eine komplett neue Strukturierung“ her, erzählt Lupfer. Vor Corona seien die sechs Gruppen – drei Krippengruppen und drei Gruppen für Drei- bis Sechsjährige – oft durchgemischt worden. Jetzt wird strikt getrennt. Und: „Die Gruppen setzen sich jetzt anders zusammen“, informiert Lupfer. Und zwar nach den Zeiten, wie lange sich die Kinder in der Einrichtung aufhalten: beispielsweise eine Ganztagesgruppe, eine Gruppe, die von 7.30 Uhr bis 13.30 Uhr da ist oder eine Gruppe, die zum Mittagessen nach Hause geht. Für die Kinder heißt das also: sich umgewöhnen. „Kinder, die zuvor in einer Gruppe waren, dürfen sich jetzt nicht mehr sehen“, sagt Lupfer. „Das ist eine Herausforderung. Es gibt Freundschaften, die daran zerbrechen.“ Auch für die Eltern sei es anfangs ein Schock gewesen, aber „sie machen toll mit“, findet die Leitung.

Die Gesundheitsbestätigung ist von den Eltern vorzulegen.
Die Gesundheitsbestätigung ist von den Eltern vorzulegen. | Bild: Hanna Mayer

Die neuen Gruppen seien bereits vor den Sommerferien zusammengestellt worden. Inzwischen haben sich sowohl Eltern als auch Kinder an die neue Regelung gewöhnt. „Es hat Zeit gebraucht, bis sich die neuen Gruppen gefunden haben. Doch jetzt sind neue Freundschaften entstanden“, schildert Lupfer die Situation.

Als großes Glück bezeichnet Lupfer die Tatsachen, dass die Tagesstätte groß genug sei, keiner der Mitarbeiter der Risikogruppe angehöre und die Erzieherinnen sehr flexibel seien. Diese Umstände gebe es nicht überall.

Abstand halten bei Kindern? Geht nicht. Für Kinder ist es wichtig, die Mimik der Erwachsenen zu erkennen.
Abstand halten bei Kindern? Geht nicht. Für Kinder ist es wichtig, die Mimik der Erwachsenen zu erkennen. | Bild: Hanna Mayer

Das sind nur einige der Regeln

Zu den neuen Gruppenkonstellationen kommen weitere Regeln hinzu: Der Garten musste in verschiedene Bereiche abgetrennt werden, Mittagessen gibt es nur noch für Kinder der Ganztagesgruppe, beim Essen dürfen die Kinder nicht mehr selbst schöpfen. Eltern dürfen ihre Kinder zwar bis zur Garderobe bringen, aber mit Mundschutz und vorigem Händedesinfizieren. An Geburtstagen darf kein Kuchen mehr mitgebracht werden, sondern nur Verpacktes. Geturnt werden darf nur noch draußen.

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Kinder meistern es toll

Wie gehen die Kinder mit all den Veränderungen um? „Bei den Kindern ist es kein Thema mehr“, sagt Lupfer. Das Thema Corona sei von Anfang an gemeinsam mit den Erziehern bearbeitet worden. „Die Kinder niesen sogar in die Armbeuge.“ Der Mundschutz würde den Kindern keine Angst machen, auch nicht den Krippenkindern. „Da machen sich die Erwachsenen mehr Sorgen“, weiß Lupfer. Für die Erzieherin Annette Riesle ist es manchmal „eine schwierige Diskrepanz“: In ihrem Alltag hält sie sich an den Abstand und den Mund-Nasen-Schutz, bei ihrer Arbeit mit den Kleinkindern ist Distanz unmöglich. „Das fühlt sich komisch an. Aber die Arbeit erfordert die Nähe. Und die Kinder lernen viel über die Mimik.“

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