Herr Rottler, sie haben eine lange Karriere als Bundesliga-Torhüter hinter sich. Wie sind sie eigentlich zum Fußball gekommen und wo haben sie überall gespielt?

Mit sieben Jahren habe ich beim SV Obereschach mit dem Fußball angefangen und habe dort die gesamte Jugendzeit aktiv gespielt. Zuerst als Feldspieler und später im Tor. Im Jahr 1988 wechselte ich für drei Jahre zum BSV 07 Schwenningen. Von dort schaffte ich 1991 den Sprung in die Fußball-Bundesliga und spielte für FC Bayer 05 Uerdingen. Mit dem Verein vom Niederrhein gelang der zweimalige Aufstieg in die 1. Bundesliga. Danach folgten zwei Stationen mit SSV Reutlingen und SK Vorwärts Steyr in Österreich. Im Jahr 1996 wechselte ich für drei Jahre zum FC Energie Cottbus, wo ich mit der Mannschaft in die zweite Bundesliga aufstieg. Als Höhepunkt möchte ich das DFB-Pokalendspiel 1997 gegen den VfB Stuttgart erwähnen. Danach kehrte ich in unsere Heimat zum FV 08 Rottweil zurück und spielte noch bis 2004 aktiv Fußball. Danach hatte ich für vier Jahre das Zepter als Trainer beim damaligen Verbandsligisten in der Hand.

Und wie sind sie auf die Idee gekommen, eine Fußballschule zu eröffnen?

Da ich bereits vor der Gründung der Fußballschule, von vielen Bekannten immer wieder auf dieses Thema angesprochen wurde, habe ich mir immer wieder Gedanken dazu gemacht.

Was ist das besondere an ihrer Fußballschule?

Wie der Name „Schule“ bereits sagt, möchte ich den Kindern neben Spaß und Freude bereiten, auch intensiv mit verschiedenen Übungen, den Fußballsport näher bringen. Bei den Camps werden den Teilnehmern alle Schwerpunkte unseres Sports aufgezeigt. Stärkung der Sozialkompetenz untereinander und die Wertschätzung jedes Einzelnen gilt als weiteres Ziel. Wichtig ist mir auch, dass diese Camps bezahlbar sind und darüber hinaus bieten wir eine Mittagspausenbetreuung, was einzigartig in der Region ist. Auch das alljährliche kostenlose EDRO- Magazin ist für die Kinder und Jugendlichen eine große Bereicherung. Zudem achte ich bei der Auswahl des Betreuerstabs, dass die Trainer auch eine lizenzierte Ausbildung besitzen und bereits Erfahrungen mit Kindern haben.

Sie bieten ja seit gut einem Jahrzehnt in Abstimmung mit dem Brigachtaler FC ein gut frequentiertes Fußballcamp im Höhenstadion in Klengen an. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Grundgedanke war hierbei sicherlich ein flächendeckendes Angebot in meiner Heimat für Fußballcamps. Da meine Frau aus Brigachtal und aus einer Fußballerfamilie stammt, war es für mich deshalb auch ein Herzenswunsch, dort auf dieser tollen Sportanlage ein solches Camp in den Ferien anzubieten. Zudem war vom ersten Tage an, ein hervorragendes Miteinander, mit allen Verantwortlichen des FC gegeben. Dafür gilt mein großer Dank und Anerkennung.

Die Bälle fliegen hoch beim Fußball-Camp im Juni 2019. Edmund Rottler (hinten links), bietet seit über einem Jahrzehnt in Brigachtal ein Fußballcamp an. Auf diese Weise hilft er zusammen mit den Co-Trainern Dominik Beha und Patrick Detta (hinten, von links) dem Nachwuchs in Sachen Fußball auf die Sprünge.
Die Bälle fliegen hoch beim Fußball-Camp im Juni 2019. Edmund Rottler (hinten links), bietet seit über einem Jahrzehnt in Brigachtal ein Fußballcamp an. Auf diese Weise hilft er zusammen mit den Co-Trainern Dominik Beha und Patrick Detta (hinten, von links) dem Nachwuchs in Sachen Fußball auf die Sprünge. | Bild: Klaus Dorer

Gibt es besondere Erfolge oder haben sie Beispiele von Spielern, die einen besonders erfolgreichen Weg eingeschlagen haben?

Erfolg ist für mich ein Wort, welches ich nicht sehr gerne, im Bezug auf meine Fußballschule benütze. Ich denke jeder einzelne Sportler hat sich bei den Camps auf seine Art weiterentwickelt und konnte persönliche Glanzlichter setzen. Für mich ist es im Nachgang immer sehr schön zu sehen, wenn die Kids durchgängig dem Fußball treu geblieben sind und auch noch im aktiven Bereich, dem runden Leder nachjagen. Auf jeden Fall möchte ich aber den Weltklasse- und Nationalspieler, Joshua Kimmich vom FC Bayern München erwähnen, welcher uns in seinen ganz jungen Jahren bei vielen Camps sehr viel Freude bereitet hat.

Apropos Erfolg. Sie hatten vor zwei Jahren eine nicht besonders erfolgreiche Fußball-WM für die deutsche Mannschaft vorhergesagt, was ja auch eintraf. Und wie ist die deutsche Elf derzeit in Form?

Nicht nur im deutschen Fußball gibt es Leistungsschwankungen. Seit längerem wird nach Lösungen der Probleme – bekannt auch als Königsweg – im deutschen Fußball gesucht. Um diese zu finden haben sich sogar Arbeitsgruppen beim DFB gebildet, die nun etliche Ansätze gefunden haben, welche es jetzt umzusetzen gilt. Wenn ich sehe, welch hohe Qualität aus den Nachwuchsleistungszentren kommt, müsste es eigentlich bald wieder deutlich aufwärts gehen.

Corona„ ist in aller Munde – welchen Stellenwert hat der Fußball zu Zeiten der Corona-Krise für sie?

Der Fußball spielt im Moment sicher keine Hauptrolle, aber dennoch hat er seine Bedeutung nicht verloren. Der Fußball ist ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft und des öffentlichen Lebens, die Entwicklungen in den letzten Jahren waren richtig toll. Denken wir nur an die vollen Stadien, das Interesse der Bevölkerung an diesem Sport. Auffällig ist aus meiner Sicht auch die Anzahl der weiblichen Besucher in den Stadien sowie die immer größer werdende Identifikation von Kindern und Jugendlichen mit ihrem Verein. Ich gehe davon aus, dass auch nach Corona das Interesse ungebremst ist. Und das ist auch gut so.

Finden sie es richtig, dass große Sportveranstaltungen wie Olympia und die Fußball-Europameisterschaften oder große Tennisturniere abgesagt wurden?

Diese Entscheidungen waren schmerzhaft, aber in der aktuellen Situation leider alternativlos. Wir wissen, dass wir alle in einem Boot sitzen und dass wir eine gemeinsame Verantwortung für den Sport haben.

Und wie sieht es mit dem Fußballcamp 2020 aus. Es findet ja immer in den Pfingstferien, Anfang Juni, statt. Wurde der Termin schon abgesagt oder verschoben?

Nach derzeitigem Stand werden die Camps alle wie geplant durchgeführt, wobei ich natürlich die aktuelle Entwicklung, täglich aufs Neue abwarten muss.

Wird die Corona-Krise den Fußball in irgendeiner Weise verändern? Und geht danach alles ganz normal weiter?

Ich erlebe einen Fußball, der sich, wie unsere gesamte Gesellschaft, in einer unsicheren Situation befindet. Wir erleben, dass die ganze Welt vor einer bislang unbekannten Herausforderung steht. Und die heißt: Wie bekämpfen wir das Coronavirus? Das hat Auswirkungen auf unser aller Leben, entsprechend auch auf den Fußball. Gleichzeitig sollten wir aber auch vorbereitet sein für den Zeitpunkt, an dem der Ball wieder rollt. Im Profisport wird es sehr wahrscheinlich eine neue Fußballwelt durch die Corona-Krise geben. Transfersummen und Gehälter werden sicherlich neu bewertet und angepasst.

Gehen die Gehältern und Transfersummen nach unten oder oben?

Ablösen im dreistelligen Millionenbereich, wie sie beispielsweise bei Jadon Sancho erwartet wurden, sind, denke ich, vorbei. Die überfällige Erdung was Gehälter und Transfersummen angeht, wird wegen dem drohenden Einbruch einiger Geschäftszweige eindeutig nach unten gehen. Damit könnte ich der aktuellen Situation sogar etwas positives abgewinnen.

Und was planen sie als Erstes, wenn die Krise mal vorbei ist?

Auf diesen Tag X werde ich mich, wie sicherlich alle Mitbürger sehr freuen, da ich dann wieder mit meinen netten Kunden in meinem Sportgeschäft Gespräche führen und verkaufen kann. Da ich mich komplett auf die beiden Teamsportarten Fußball und Handball spezialisiert habe und aktuell keine Events durchgeführt werden können ist dieser Tag für mich sogar überlebensnotwendig.

Noch eine abschließende Frage. Was machen sie, wenn sie nicht gerade in Sachen Fußball unterwegs sind?

Skifahren, Wandern und Sauna.