Anfang der 1980-er Jahre wurde ein neues Brigachtaler Gemeindezentrum geplant. Wie aus dem Nichts entstand zunächst in den Jahren 1982/83 die Allerheiligen-Kirche und anno 1987 dann das neue Rathaus. Seither bildet das Ensemble den Ortsmittelpunkt im zirka 5000 Einwohner zählenden Brigachtal.

Es wird immer enger in den Rathäusern

Nach der Gemeindereform Mitte der 1970er-Jahre und dem Zusammenschluss der drei ehemals eigenständigen Gemeinden Klengen, Kirchdorf und Überauchen wurden die Verhältnisse in den alten Rathäusern der Teilorte immer beengter.

Zunächst zögerte die Gemeindeverwaltung noch. Vor allem wegen der Finanzierbarkeit eines neuen großen Brigachtaler Rathauses hatten viele Bedenken. Schließlich wurde aber der lang gehegte Wunsch, einen Neubau zu errichten, umgesetzt.

4. September 1987: Das neue Rathaus wird eingeweiht. Auf dieser Aufnahme sind einige offizielle Gäste und Gemeinderatsmitglieder mit dem ...
4. September 1987: Das neue Rathaus wird eingeweiht. Auf dieser Aufnahme sind einige offizielle Gäste und Gemeinderatsmitglieder mit dem damaligen Brigachtaler Bürgermeister Meinrad Belle (vorne rechts) zu sehen. | Bild: Gemeinde

Sommer 1987

Die Fertigstellung des neuen Rathauses einschließlich Postamt, Polizeidienststelle und Sparkassenzweigstelle war gerade abgeschlossen. „In diesen Tagen wird eine neue Seite in der Geschichte unserer Gemeinde Brigachtal aufgeschlagen“, richtete sich der damalige Brigachtaler Bürgermeister Meinrad Belle fast staatsmännisch direkt an seine Bürger.

1987: Das neu erstellte Brigachtaler Rathaus ist fast fertig. Der Außenputz fehlt noch und auch im Außenbereich gibt es noch viel zu ...
1987: Das neu erstellte Brigachtaler Rathaus ist fast fertig. Der Außenputz fehlt noch und auch im Außenbereich gibt es noch viel zu tun. Die Bagger sind noch in Startposition. | Bild: Gemeinde

Damals wünschte sich Belle für das neue Gebäude an der St. Gallus-Straße, es möge nicht nur ein „Rat-Haus“ werden, sondern sich zu einem Mittelpunkt und einer Begegnungsstätte für alle Bürger der Gemeinde entwickeln. Die feierliche Einweihung des neuen Rathauses erfolgte dann unter großer Beteiligung der Bevölkerung und mit ausgiebigen Feierlichkeiten am 4. September 1987.

Rückblende

Bereits am 1. Oktober 1974 wurden mit der Gemeindereform die Orte Klengen, Kirchdorf und Überauchen zur neuen Gemeinde Brigachtal zusammengefasst. Dass dieser Zusammenschluss wesentlich besser funktionieren würde, wenn auch ein neues politisches Zentrum vorhanden wäre, war die Hoffnung vieler.

Doch ein neuer Ortsmittelpunkt war aufgrund der finanziellen Verhältnisse lange mit einem dicken Fragezeichen versehen. Entscheidend für eine Wende zugunsten eines Neubaus war die Tatsache, dass der geplante Abriss der historischen Pfarrkirche St. Martin aufgrund denkmalschutzrechtlicher Gründe von einem Tag auf den anderen abgewendet wurde. Damit verbunden war ein Beschluss des Erzbischöflichen Ordinariats im Dezember 1978, dass nun eine neue Kirche an anderer Stelle in Brigachtal gebaut werden sollte.

Das ist der repräsentative Raum im Brigachtaler Rathaus, in dem Sitzungen und Empfänge stattfinden können, der aber auch als ...
Das ist der repräsentative Raum im Brigachtaler Rathaus, in dem Sitzungen und Empfänge stattfinden können, der aber auch als Versammlungsraum genutzt wird. Noch heute wirkt er recht modern. Seit Beginn der Pandemie ist er allerdings verwaist. | Bild: Gemeinde

Nachdem mit den Grundstückseigentümer gesprochen worden war, beschloss die Gemeinde, noch im selben Jahr einen Ideenwettbewerb auszuschreiben. Erster Preisträger wurde schließlich das Architekturbüro Georg Birkle aus Konstanz, das nun einen Bebauungsplan zur Erschließung für den Bereich „Zwischen den Dörfern“ vorlegte. Die Allerheiligenkirche mit Pfarrzentrum wurden im ersten Schritt realisiert und am 5. Juni 1983 feierlich eingeweiht.

Ein neues Ortszentrum der Gemeinde muss nun unter allen Umständen vorangetrieben werden, heißt es in Aufzeichnungen aus dem Jahr 1984. Viele Sitzungen am Ratstisch folgten. Optimistisch stimmte die Tatsache, dass das Ortszentrum ins Landessanierungsprogramm aufgenommen werden konnte.

Nach einigen schwierigen Verhandlungen mit Land und Bund lagen schließlich die Förderzusagen für einen Zuschuss von circa 30 Prozent auf dem Tisch und die Verwirklichung der Bauabsichten „Neues Ortszentrum“ konnten ernsthaft in Erwägung gezogen werden. Dem abschließenden Baubeschluss erteilte der Gemeinderat dann grünes Licht.

Die Planung

Die Grundidee war, Rathaus und Kirche an einem zentralen Platz zu errichten, von dem die Wege in alle drei Ortsteile führen. Viel Mühe gaben sich die Planer auch bei der Gestaltung eines repräsentativen Raums, in dem Sitzungen und Empfänge stattfinden können und der zudem als Versammlungsraum genutzt werden kann.

Postagentur, Polizeidienststelle und Sparkasse

Um das Angebot zu vervollständigen, wurde im neuen Rathaus eine Postagentur eingerichtet. Schon 1872 hatte Klengen über eine eigene Reichspost mit verschiedenen Standorten verfügt. So war die Poststelle ab 1934 an der Hauptstraße 6, sie wurde vom „Postphillip“ (Phillip Hirt), wie der Posthalter überall genannt wurde, geführt. Erst 1975 erfolgte der Umzug in die Hauptstraße 21, wo die Post bis zum Umzug ins neue Rathaus untergebracht war. Auch eine neue Polizeidienststelle war direkt im neuen Rathaus untergebracht.

Die Post war ursprünglich dort, wo heute die Sparkasse ist. Im hinteren Bereich war auch ein Polizeiposten. Die Sparkasse war damals auf der rechten Seite, wo sich heute das Bürgerbüro befindet. Die Poststelle wurde 1997 im Zuge der Privatisierung geschlossen. Daraufhin war die Sparkasse in die Räume der Post eingezogen und das Steuerbüro Neumann in die ehemalige Sparkassenräume. Die Polizeidienststelle ist schließlich im Jahr 2008 ausgezogen.