Mit einer echten Hiobsbotschaft wartete der Planer des Überauchener Dorfhauses, Johannes Göpel vom Landschaftsarchitekturbüro Freiraumwerkstadt aus Überlingen, in der jüngsten öffentlichen Gemeinderatssitzung auf: „In nahezu allen Bereichen im Außenbereich des Neubaus weisen die Bodenproben zum Teil schwere Belastungen des vorhandenen Belags und des Bodens auf“, so Göpel. Und das, obwohl vorherige Bodenuntersuchungen völlig unauffällig waren.

Neue Bodenproben bringen neue Probleme

Im Frühjahr 2020 wurden allerdings im gesamten Areal der neuen Freianlage erneut Proben genommen. Laut dieser Analyseergebnisse wurden für das restliche Areal der neuen Ortsmitte eine überhöhte Öl-/Teer-Belastung sowie natürliche Giftstoffe wie Arsen nachgewiesen.

Herkunft der Teerbelastung ist unklar

Woher diese Teerbelastung komme, blieb indes unklar. Gemeinderat Joachim Eichkorn, wies auf einen Ölunfall bei der Mehrzweckhalle vor einigen Jahren hin: „Möglicherweise wurde dieser Schaden damals nicht ordnungsgemäß behoben“, mutmaßte Eichkorn.

Selten sind so viele Bürger bei einer öffentlichen Gemeinderatssitzung dabei: Die Themen Überauchener Dorfhaus, finanzielle Situation der Gemeinde und Kinderbetreuung stößt offenbar auf großes Interesse. Der Gemeinderat tagt erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie öffentlich. Um die Hygiene- Vorschriften und das Abstandsgebot besser zu realisieren zu können, wird in der Kirchdorfer Halle getagt. Aufgrund des eingehaltenen Mindestabstands von 1,5 Metern ist das Tragen eines Mundschutzes freiwillig.
Selten sind so viele Bürger bei einer öffentlichen Gemeinderatssitzung dabei: Die Themen Überauchener Dorfhaus, finanzielle Situation der Gemeinde und Kinderbetreuung stößt offenbar auf großes Interesse. Der Gemeinderat tagt erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie öffentlich. Um die Hygiene- Vorschriften und das Abstandsgebot besser zu realisieren zu können, wird in der Kirchdorfer Halle getagt. Aufgrund des eingehaltenen Mindestabstands von 1,5 Metern ist das Tragen eines Mundschutzes freiwillig. | Bild: Klaus Dorer
  • Mehrkosten: Das Ganze bedeutet einen enormen Kostenaufwand von insgesamt 475 000 Euro, hieß es. Dieser Betrag wurde für die Entsorgung und Verwertung des belasteten Materials errechnet. Welche Bodenverhältnisse letztlich bestehen, kann erst im Zuge der Baumaßnahme endgültig festgestellt werden. Baubegleitend ist es daher vorgesehen, mit einem Geologen zusammenzuarbeiten, damit auf die inhomogenen Bodenverhältnisse schnellstmöglich reagiert werden könne, so Göpel.
  • Einsparmöglichkeiten: Erste Einsparpotenziale von zirka 332 000 Euro wurden mit Bekanntwerden der einzelnen Beprobungsergebnisse von der Gemeinde bereits erarbeitet. Diese setzten sich aus folgenden Bausteinen zusammen: Reduzierungen der Ausstattung bei der Halle ergeben einen Betrag von zirka 82 000 Euro. Betroffen ist vor allem die Außenausstattung, beispielsweise durch kostengünstigere Außenbänke. Zirka 250 000 Euro Einsparungen sollen bei der Gestaltung im Außenbereich, beispielsweise mit dem Wegfall neuer Bordkanten oder das Weglassen von Rinnsteinen erfolgen, hieß es in der Sitzung. Sollten sich die Mehrkosten nachträglich durch positive Submissionsergebnisse der ersten beiden Bauabschnitte reduzieren, könne über eine Ausführung des dritten Bauabschnitts erneut beraten werden, sagte Bürgermeister Michael Schmitt. Mehrheitlich beschlossen wurde die Zurückstellung des dritten Bauabschnitts. Ob, wann und in welcher Ausführungsvariante der finale Bauabschnitt dann realisiert werden kann, bleibt damit erst einmal offen.
  • Baufortschritt: Trotz der Einschränkungen durch Corona läuft der deutlich sichtbare Baufortschritt beim Dorfhaus im Großen und Ganzen voll nach Plan. Der Keller, die Bodenplatte und Teilbereiche der Wände im Erdgeschoss sind bereits betoniert. Beim momentanen Baufortschritt wird davon ausgegangen, dass die erste Decke Anfang Juni betoniert sein wird. Zum aktuellen Baustand bei den Einbauten für den Sport- und Veranstaltungsbetrieb informierte in der Sitzung Architekt Christian Kuberczyk aus Konstanz. Es sei erforderlich, bereits jetzt mit den Rohbauarbeiten die erforderlich Aussparungen im Beton vorzunehmen. Dies betrifft beispielsweise Bodenhülsen für Sportgeräte. In der Bodenplatte sind nach der Kostenberechnung Bodenhülsen etwa für Handballtore, Volleyballpfosten oder eine rollbare Sprossenwand vorzusehen.
  • Weitere Ausstattung: In der Kostenberechnung ist ebenfalls eine elektrische Traverse zur Montage von Licht und Lautsprechern vorgesehen. Auch über weitere Ausstattungsgegenstände wie eine Leinwand, weitere Traversen, neue Bühnenelemente oder einen Bühnenvorhang wurde in der Sitzung diskutiert. Gemeinderat Olaf Gißler hielt einen kostspieligen Vorhang, der immerhin 21 000 Euro kosten würde, für nicht unbedingt erforderlich. Ein Einwand kam auch von Gemeinderat Thomas Huber, der sich fragt, ob die Vereine alle diese Dinge überhaupt benötigen. Letztlich hielten die Räte die geplanten Ausstattungsgegenstände mehrzeitlich für notwendig.
  • Hochwasserschutz: Kritik am Höhenniveau der Halle gab es erneut von Rat Albert Sieber, der den Hochwasserschutz nicht genug gewürdigt sieht. „Warum stellt man eine Halle an den tiefsten Punkt von Überauchen?“, fragte sich Sieber. Planer Göbel beschwichtigte, das Thema Hochwasserschutz sei eingehend geprüft worden, Probleme sehe er eigentlich keine, so Göbel.
  • Kriegerdenkmal: Kontrovers diskutiert wurde noch der Standort des Obelisken beim Kriegerdenkmal, der an den siegreichen Krieg von 1870/71 erinnert. Trotz umfassender Unterschriftensammlung durch Gemeinderat Josef Vogt zum Verbleib am jetzigen Standort soll dieses Denkmal nun laut Mehrheitsbeschluss in nordwestliche Richtung, also ans andere Ende der Halle, versetzt werden. Das sei ein schwerer Fehler, meinte Vogt.
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