Brigachtal – Im Winter ruhen viele Baustellen – es ist zu kalt zum Bauen. Für Auszubildende in der Baubranche bedeutet das aber nicht Freizeit. Ihre Ausbildung geht weiter, in Theorie und Praxis.

Schotterwerk Klengen, 8 Uhr 30. Die Sonne scheint, aber es ist kalt. Draußen frieren drei Azubis zwischen Radlader und Minibagger, drinnen schwitzen vier weitere über Prüfungsaufgaben. Wer es da wohl besser hat? Polier Stefan Lehrmayer grinst: „Winterausbildung. Wenn auf den Baustellen nichts geht – hier geht was!“

  • Geduld und Talent gefragt: In der Tat wird den Dreien draußen recht schnell warm. Sie üben auf den Maschinen, besonders auf dem Minibagger; die Koordination in der Bedienung von Löffel, Ausleger, Drehkranz und Fahrwerk will gelernt sein. Dazu braucht man Geduld, am besten auch Talent. Miguel Angelo Campanico Dos Santos, Sohn portugiesischer Eltern, hat Spaß an seiner Ausbildung zum Straßenbauer. Der 21-Jährige aus Rielasingen ist im zweiten Lehrjahr: „Wir sind hier eine international gemischte Truppe, die sich richtig gut versteht.“ Dabei blickt er auf Omar Manjang (23), der aus Gambia geflohen ist und sich ebenfalls im zweiten Lehrjahr befindet. Der wiederum kommentiert in einwandfreiem Deutsch: „Stimmt. Und deshalb würde ich gerne hier in Deutschland bleiben und weiter bei Storz arbeiten.“
  • Polier ist soweit zufrieden: Der Dritte draußen ist Jannik Braun (17) aus Steißlingen, der inzwischen einen großen Trennschleifer besorgt hat. Sie alle wollen Straßenbauer werden.
    Dass sie es auch praktisch schaffen, dafür sorgt Stefan Lehrmayer, ihr Polier und Leiter des praktischen Teils der Winterausbildung. Er sagt nur: „Eine gute Truppe.“ Sie werden rund fünf Wochen lang üben: Maschinen fahren, vor allem aber Pflastern und Randsteine setzen. Gesellenstücke im Team. Lehrmayer: „Das wird bestimmt toll!“ Dafür der Trennschleifer.
  • Kollege auf der Schulbank: Drinnen ist es deutlich wärmer, und Polier-Kollege Gerhard Ochs sorgt durchaus für zusätzliche Schweißperlen auf der Stirn bei vier weiteren Azubis. Ochs unterrichtet Theorie, und das heißt „Schulbank drücken“. Nicht gerade das, was etwa Haiko Binkert (20) suchte nach seinem Schulabschluss. Genauso wie sein Kollege Dominic Preis (19) neben ihm würde er sich nicht gerade als Mathe-Genie bezeichnen, aber die beiden wissen: "Unsere Ausbilder werden alles tun, damit wir unsere Prüfungen bestehen." Die vier im Warmen befinden sich allesamt im dritten Lehrjahr zum Baugeräteführer. Mit der Praxis hat keiner von ihnen Probleme. Wäre da nicht die Theorie… Ochs: „Macht nichts. Das kriegen wir hin. Bei uns bleibt keiner zurück!“ Auch Nils Pfrang (20) und Jan Handler (19) verströmen Optimismus. Sie wissen: Wenn alles klappt mit der Prüfung, dann haben sie beste Chancen auf einen guten Job in einem Unternehmen, das ihnen bislang sehr gut gefallen hat. Was will man mehr am Beginn einer beruflichen Laufbahn?
  • Von solider Ausbildung überzeugt: Die beiden Poliere sind sich einig: „Wer im Leben vorankommen will, braucht eine solide Ausbildung. Und die bekommt man hier.“ Stefan Lehrmayer und Gerhard Ochs leiten seit vielen Jahren die praktische und die theoretische Winterausbildung, und so mancher, der heute seinen Mann steht auf den Storz-Baustellen, ist durch ihre Schule gegangen. Und alle ihre Schützlinge – die von heute und die von damals – scheinen ihnen ans Herz gewachsen zu sein. Nicht nur Theorie und die richtige Bedienung der Maschinen und Geräte lernen und üben Azubis im Schotterwerk. Zum Ende ihrer Winterausbildung fertigen sie auch Werkstücke an, wie sie sie später im Berufsalltag herstellen werden: Pflaster und Randsteine. Und auch hier scheint Arbeit Spaß zu machen.