Neuerdings sieht man am Feldrand allenthalben grüne Kreuze. So mancher fragt sich, was es damit auf sich hat. Die Landwirte Stefan Mink, Vorsitzender der BLHV-Ortsgruppe Brigachtal-Marbach, und Thomas Hettich haben es uns erklärt.

Protestaktion „Grüne Kreuze“ in Brigachtal. Links Stefan Mink, Vorsitzender des BLHV Ortsverbands Brigachtal-Marbach, rechts (Beisitzer) Thomas Hettich.
Protestaktion „Grüne Kreuze“ in Brigachtal. Links Stefan Mink, Vorsitzender des BLHV Ortsverbands Brigachtal-Marbach, rechts (Beisitzer) Thomas Hettich. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Im Kern ist dies ein Aufruf des Badisch-Landwirtschaftlichen Hauptverbands, sich nicht am derzeit laufenden Volksbegehren „Artenschutz“ zu beteiligen. Bei dem Volksbegehren zur Rettung der Insekten werden seit dem 24. September bis zum 23. März 2020 Unterschriften von Wahlberechtigten gesammelt. „Nicht, weil wir gegen den Artenschutz sind, auch wir brauchen die Bienen, keine Frage“, erläutert Stefan Mink, „aber es geht schlichtweg um die Existenz von vielen Landwirten und die gesicherte Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln.“

Protestaktion „Grüne Kreuze“ in Brigachtal.
Protestaktion „Grüne Kreuze“ in Brigachtal. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Aus Sicht der Landwirte wird weit über das Ziel hinaus geschossen. Vor allem die Forderung eines kompletten Verbots von Pestiziden und Bioziden in Schutzgebieten sieht Thomas Hettich für viele Betriebe als existenzbedrohend an. „Die Felder der Brigachtaler Landwirte liegen fast komplett in einem Schutzgebiet“, erläutert er. „Selbst Bio-Anbau wird hier nicht mehr möglich sein, denn der ist ohne einen streng kontrollierten Einsatz von biologischen Bioziden und Pestiziden wirtschaftlich nicht möglich.“

Stefan Mink, Vorsitzender des BLHV-Ortsverband Brigachtal-Marbach.
Stefan Mink, Vorsitzender des BLHV-Ortsverband Brigachtal-Marbach. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Zu den Schutzgebieten zählten nicht nur Naturschutzgebiete, sondern eben auch alle Landschaftsschutzgebiete, und die umfassten inzwischen schon gut 30 Prozent der Landesfläche. Die Brigachtaler Gemarkung und viele Flächen auf der Baar zählten seit einigen Jahren zu einem Vogelschutzgebiet: „Wollte man auf diesen Flächen eine Bio-Landwirtschaft ganz ohne die dafür erlaubten Substanzen betreiben, würde die Qualität der Erzeugnisse leiden und damit der Ertrag und die Kosten in keinem wirtschaftlich vertretbaren Verhältnis mehr stehen.“

Thomas Hettich übt Kritik am Volksbegehren zum Artenschutz.
Thomas Hettich übt Kritik am Volksbegehren zum Artenschutz. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Die Folge sei noch mehr Monokultur, etwa nur noch Wiesen, und das Ende vieler landwirtschaftlicher Betriebe. Selbst Nebenerwerbslandwirte, die heute noch die lokalen Märkte mit Kartoffeln und anderen Produkten beliefern, müssten dann aufgeben. „Eine gepflegte und bewirtschaftete Kulturlandschaft, wie wir sie heute kennen, dürfte dann auch bald Geschichte sein. Und das wäre wiederum kontraproduktiv zu der gewünschten Artenvielfalt“, meint Mink.

Sonnenblumen sind ein Festschmauß für Insekten aller Art..
Sonnenblumen sind ein Festschmauß für Insekten aller Art.. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Bereits heute seien die Landwirte dazu verpflichtet, mindestens fünf Prozent ihrer Fläche als sogenannte Grünflächen zu bewirtschaften. Viele machten auch noch mehr und legten unter anderem kleine Blütenstreifen an. Von Monokulturen halten die beiden Brigachtaler nichts. Für eine nachhaltige Landwirtschaft sei es viel wichtiger, die jeweils beste Fruchtfolge umzusetzen. So ließen selbst die Biogas-Landwirte nach der Ernte ihre Felder nicht einfach brachliegen, sondern pflanzten im Spätsommer dort Sonnenblumen an.

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Die Landwirte sehen den Artenschutz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe: Wo es früher kleine Gärten gegeben habe, seien heute Parkplätze oder Schotter zu finden.

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