Eine deutliche Mehrheit stimmt für eine Fusion des SV Überauchen, und trotzdem bleibt alles, wie es ist. Das erlebten die Mitglieder des SV Überauchen am Freitagabend bei der Jahreshauptversammlung des Sportvereins. Die Zahl 13 brachte den Fusionsfürsprechern kein Glück an diesem Abend. Abgestimmt wurde unter diesem Punkt der Tagesordnung über eine mögliche Fusion des SV Überauchen mit dem FC Brigachtal. Doch dazu kommt es nicht, die Zustimmungsquote reichte nicht.

Kontra: Ein feuriges Gegenplädoyer tragen die beiden Sprecher der Fusionsgegner Dennis Lukaschewski (links) und Waldemar Folwaczny vor.
Kontra: Ein feuriges Gegenplädoyer tragen die beiden Sprecher der Fusionsgegner Dennis Lukaschewski (links) und Waldemar Folwaczny vor.

Gespräche zu einer geplanten Fusion gab es schon seit Jahren. Zwei Informationsveranstaltungen fanden dazu allein im letzten halben Jahr statt. Für den Vorsitzenden des SV Überauchen, Otmar Fehrenbacher, und viele weitere Unterstützer der Vereinsverschmelzung stand fest: "So geht es nicht weiter!". Stetiger Mitgliederschwund, mangelnde Identifikation der aktiven Spieler mit dem Verein sowie der schmerzhafte Abstieg in der vergangenen Saison seien schließlich ausreichende Anzeichen für eine einschneidende Veränderung. Auch im Jugendbereich könne der Verein keinen eigenen Jugendtrainer mehr stellen. Immer mehr Jugendliche wandern zu gegnerischen Vereinen ab. Auch die aktiven Spieler hatten seit dem Abstieg mit elf Abgängen zu kämpfen. Spielberechtigt seien zwar 42 Spieler, der Trainingsbesuch sei jedoch ebenfalls überschaubar.

Spannung herrscht unter den zahlreichen Mitgliedern in der Überauchener Festhalle während der Abstimmung über die Verschmelzung der beiden Fußballvereine. Vorstandsmitglieder des SV Überauchen sammeln die Stimmzettel ein.
Spannung herrscht unter den zahlreichen Mitgliedern in der Überauchener Festhalle während der Abstimmung über die Verschmelzung der beiden Fußballvereine. Vorstandsmitglieder des SV Überauchen sammeln die Stimmzettel ein.

Die Altersstruktur des Vereins sei total überaltert und zwischen den Altersstufen 35 und 70 fehle eine ganze Generation, so Fehrenbacher. Zu der personellen Situation kämen aber auch noch die Sanierungsbedürftigkeit des Vereinsheims sowie die regelmäßige Platzpflege, die nicht nur viel Geld verschlinge, so Vorstand Fehrenbacher, es sei auch hier nicht genug "Manpower" vorhanden, um die Arbeiten noch aus eigener Kraft kostengünstig stemmen zu können. Fehrenbacher zweifele stark daran, dass ohne eine Fusion mit dem anderen Verein die Überauchener Fußballer den geregelten Spielbetrieb auf lange Sicht aufrecht erhalten könnten. Auch ihm falle dieser Schritt nicht leicht.

Auch Bürgermeister Schmitt plädierte dafür, die Kräfte zu bündeln und durch Synergieeffekte gemeinsam vorwärtszukommen. Er führte am Beispiel des ehemaligen FV Donaueschingen an, was passieren kann, wenn Vereinsspitzen wichtige Schritte nicht gehen oder gehen wollen. Außerdem sollten die Mitglieder die Fusion nicht als Begräbnis des SV Überauchens sehen, sondern als Beginn eines neuen Kapitels unter dem Dach des FC Brigachtal. Ausdrücklich richtete er seinen Appell an die aktiven Spieler, die hauptsächlich zu den Fusionsgegnern gehörten.

Die beiden Spielersprecher, Dennis Lukaschewski und Waldemar Folwaczny, teilten der Versammlung mit, dass sie sich bereits Gedanken zu der Neubesetzung der vakanten Ämter gemacht und Kandidaten für die jeweiligen Positionen parat stünden. Auch einen Jugendtrainer hätten sie mit Kilian Held in der Hinterhand. Dass der Verein Probleme habe, das sei kein Geheimnis, so Folwaczny. Da müsse man über die Bücher und nach Lösungen suchen, jedoch keine Fusion mit einem anderen Verein anstreben. Die aktiven Spieler und einige Unterstützer plädierten klar zur Ablehnung der Verschmelzung, das sie darin das Begräbnis des über Jahrzehnte gewachsenen Vereins sähen. Ein wichtiger Punkt, den die Kritiker ebenfalls ins Feld führten, war die Möglichkeit der Spieler zum Einsatz zu kommen. "Der FC Brigachtal hat zwei Mannschaften, da können nicht alle Spieler zum Einsatz kommen." Es müssten weitere Mannschaften entstehen und dazu würden dann wiederum die Trainingskapazitäten nicht ausreichen. Schließlich sei absehbar, dass der Sportplatz in Überauchen nach einer Fusion wegfalle.

Spontan meldete sich auch der FC Brigachtal-Vorsitzende, Frank Ritzmann, zu Wort und trug seine Sicht der Dinge vor. Die Türen würden jetzt so weit offen stehen, wie nie zuvor. Auf Augenhöhe wolle man alle Fußballerkollegen aus Überauchen beim FC Brigachtal willkommen heißen. Ganz nach dem Motto "Eine Gemeinde – ein Verein" würde er klar die Fusion empfehlen. Alles andere sei nur ein Aufschub des Begräbnisses des Vereins.

Sachlich und mit Zahlen unterlegt äußerte sich auch Fördervereinsvorsitzender Jürgen Effinger in seinem Jahresbericht motivierend zu einer Fusion. Allein der Blick auf die desolate Jugendsituation sollte allen Mitgliedern die Entscheidung erleichtern. So könne der SV Überauchen aktuell keinen einzigen Jugendtrainer stellen. Die im Jugendbereich bestehende SG Brigachtal, die sich aus SV Überauchen und FC Brigachtal zusammensetzt, betreut zusammen rund 150 Kinder, 18 davon kommen aus Überauchen. Eine Situation, die nicht auf genügend Nachwuchs aus den eigenen Reihen hoffen lasse. Bei den Aktiven mussten Spiele abgesagt werden, obwohl der Kader aus 42 Spielberechtigten bestehe. Er habe sich seit Jahrzehnten um den Verein gekümmert, doch er kündigte an, sein Amt als Vorsitzender des Fördervereins bei der nächsten Jahreshauptversammlung niederzulegen.