„Schon irgendwie ein erhebendes Gefühl“, sagt SÜDKURIER-Mitarbeiter Klaus Dorer, der im Rahmen der Vorbereitungsaktion für „Der Nikolaus besucht Kinder“ ein echtes Nikolaus-Gewand anprobieren durfte. „Wir sind ungefähr gleich groß und von der Figur her müsste das doch eigentlich gut passen“, so Andreas Berger, seit über 30 Jahren federführende Nikolaus der Kolping-Familie.

  • Die Anprobe: Dann kann‘s losgehen mit der Anprobe: Tobias Ehrle, der ebenfalls seit Jahrzehnten bei der Nikolaus-Aktion dabei ist, hilft mir beim Anziehen. Zunächst muss die Albe angezogen werden, das ist eine bodenlange, naturfarbene Tunika. Ist mir ein bisschen zu lang. Mit einer goldenen Kordel, im Fachjargon „Cingulum“ genannt, die um die Taille gebunden wird, kann ich jedoch die Länge des Rocks ein wenig variieren. Dann kramt Berger als Paradestück den roten Nikolaus-Rauchmantel im schlichten Rautendekor aus seinem Fundus hervor. Das Anziehen ist gar nicht so leicht, doch mit Hilfe von Knecht Ruprecht gelingt es ganz gut, die Sachen anzuziehen. Dann kommt das wohl wichtigste Accessoires eines Nikolauses zum Vorschein, genannt „Mitra“, die traditionelle liturgische Kopfbedeckung für Bischöfe. „Das ist ein ganz neu angeschafftes Einzelstück“, erklärt Berger. Man könne diese bei einem Schneider machen lassen, ergänzt Ehrle. Auch einen weißen Rauschebart holt Berger hervor. Das sei nicht etwa Watte, sondern Tierhaar und stamme von einem Tibet-Rind, erklärt der ehrenamtliche Nikolaus. Weitere Ausstattungsgegenstände sind das Goldene Buch und natürlich der goldene Bischofsstab oder auch Krummstab genannt, der sich im Übrigen überraschend leicht anfühlt. Fertig ist der Nikolaus und es könnte eigentlich schon losgehen.
  • Die Nikolaus-Aktion: Doch noch ist ein wenig Zeit. Die Nikolaus-Aktion ist immer am 5. und 6. Dezember terminiert, wobei die ganze Woche über auch Kindergärten und Vereine besucht werden. „Wir organisieren uns in fünf Paaren, was über den Nikolaustag natürlich eine echte logistische Herausforderung darstellt“, so Berger. Der Besuch des Nikolauses ist für Familien kostenlos, man freue sich aber über Spenden. Im vergangenen Jahr haben die fünf Gruppen insgesamt 47 Familien mit 143 Kindern sowie sechs Kindertagesstätten und sechs Vereine besucht.
  • Die Historie: Bereits seit über 50 Jahren laufe die Nikolaus-Aktion der Brigachtaler Kolpingfamilie Brigachtal mit dem Ziel, den Brauch um Nikolaus und Knecht Ruprecht aufrecht zu erhalten und natürlich viele Kinderaugen zum Leuchten zu bringen. Als die beiden Organisatoren selber klein waren, war einiges noch anders, erinnert sich Berger. Denn wenn der stattliche Nikolaus in den Stuben aufkreuzte, versteckten sich die Kinder und man hatte echt „Mores“ vorm allzu strengen Kirchenmann. Berger habe sich daher zum Ziel gemacht, das zu ändern. Er selbst will den Nikolaus eher als Ratgeber und guten Freund sehen und das Vertrauen der Kinder gewinnen.
  • Das Fachwissen: Natürlich müsse ein Nikolaus auch einiges an Können mitbringen. Er sollte Hintergrundwissen zum echten Sankt Nikolaus haben und bei den Gesprächen und Situationen in den Familien viel Fingerspitzengefühl beweisen, ergänzt der Sozialversicherungsangestellte. Denn es soll ja vor allem für die Kinder eine schöne Nikolaus-Feier werden. Es könne gerne auch was vorgesungen werden, sagt Ehrle. Manche Familien präsentieren sogar ein Musikstück, so Berger. Er selbst hat in den 1990-er-Jahren als Nikolaus angefangen. Tobias Ehrle startete 1985 mit 13 Jahren als Knecht Ruprecht, als er in der Jungkolping-Gruppe als großgewachsener Junge ausgesucht wurde. „Am Anfang war man ganz schön nervös“, so Ehrle. Zwischenzeitlich habe sich das aber gelegt und es macht jedes Jahr viel Spaß. Von einem schönen Nebeneffekt berichtet noch Ober-Nikolaus Berger: 2018 kamen 1800 Euro zusammen, unterstützt wurden das Kinder- und Jugendhospiz Sternschnuppe, die Stiftung Off-Road-Kids und die Madagaskar-Hilfe.