Brigachtal – Der Countdown zum 57. Kreiserntedankfest läuft, so langsam werden die Wagenbauer der 1986 gegründeten Brigachtaler Landjugend doch ein bisschen nervös. Denn schon am Wochenende vom 5. bis 8. Oktober steht in Köngisfeld-Weiler dieses landwirtschaftlich geprägte Topevent an. Dann muss alles fertig sein.

Sara Faller klebt hier winzig kleine Pfeffer-Körner auf. Eine echte Sisyphusarbeit, aber es macht natürlich auch Spaß.
Sara Faller klebt hier winzig kleine Pfeffer-Körner auf. Eine echte Sisyphusarbeit, aber es macht natürlich auch Spaß.

„Gut, dass nächste Woche ein Feiertag ist, den werden wir noch für die Restarbeiten an unserem Wagen nutzen“, berichtet Landjugend-Vorsitzende Sabrina Käfer. Dass so ein mit Obst und Gemüse sowie Sämereien geschmückter Wagen immer der Hingucker jedes Kreiserntedankfestes ist, darüber sind sich wohl alle einig. Und dass das Hauptaugenmerk von Publikum und Jury dann auf der Prämierung der teilnehmenden Erntedankwagen liegt, ist ebenfalls kein Geheimnis. Geheim ist hingegen, wie diese Wagen aussehen werden. Verraten wird natürlich nichts. Kein Fremder darf einen der Wagen vorher zu Gesicht bekommen. Alle Neugierigen müssen also noch bis zum großen Umzug warten.

Nicht alle der insgesamt 17 Landjugendvereine stellen einen geschmückten Wagen, der dann beim Umzug von Musikkapellen, Fußgruppen oder Pferdegespannen flankiert durch die Straßen von Weiler ziehen wird. Mit dabei ist aber die Brigachtaler Landjugend: Schon seit längerem haben die fast 50 Mitglieder mit dem Wagenbau und der Gestaltung der Schilder begonnen.

Das ist der fertige Erntedankwagen der Brigachtaler Landjugend, wie er am 1. Oktober des letzten Jahres durch die Straßen von Dauchingen zieht. Ein Däfelebub darf nicht fehlen. Bilder: Klaus Dorer
Das ist der fertige Erntedankwagen der Brigachtaler Landjugend, wie er am 1. Oktober des letzten Jahres durch die Straßen von Dauchingen zieht. Ein Däfelebub darf nicht fehlen. Bilder: Klaus Dorer

Während der Wagenbau fast ausschließlich in den Händen der männlichen Mitglieder liegt, haben zahlreiche junge Damen ebenfalls schon länger damit begonnen, die aussagekräftigen Schilder und das ganze Drumherum zu gestalten. In diesem Jahr lautet das Motto „Schwarzwald-Baar – unsere Heimat“. Ein Thema das natürlich ziemlich viel Spielraum lässt. "Da geht es um uns und natürlich ums Wir-Gefühl“, denken alle. Genauso wie bei der Brigachtaler Landjugend: Der Zusammenhalt in der Gruppe sei über Jahre hinweg gewachsen, sagt die Vorsitzende Käfer, die schon Jahre dabei ist. „Wir nehmen gerne neue Mitglieder auf, die auch nicht unbedingt aus Brigachtal kommen müssen“, sagt sie.

Warum sich die Gemeinschaft Landjugend so gut entwickelt hat, berichtet Sara Faller: „Man sieht sich regelmäßig, lernt sich immer besser kennen, unterstützt einander gegenseitig, arbeitet im Team zusammen, da entstehen auch Freundschaften.“ Das denkt auch Jasmin Käfer, denn man schaue automatisch durch die Kreisveranstaltungen über den eigenen Tellerrand hinaus und lerne dadurch jede Menge neue Leute, auch aus anderen Orten, kennen. Weitere regionale Termine aus dem Kreis der Landjugenden Schwarzwald-Baar wie Kreisfasnachtsball, die Sonnwendfeier, das Kreisfußballturnier oder der Kreislandjugendtag tun ihr übriges.

Wieso jedes Jahr derselbe Stress mit dem Erntewagenbau? „Für uns ist ein Erntedank ohne Wagen irgendwie einfach kein richtiges Erntedankfest“, sagt Bianca Rist. Dazu muss man sagen, dass unter den Landjugenden schon ein gewisser Ehrgeiz im Kampf um einen Platz auf dem Podest besteht, so die einhellige Meinung. Ganz oben standen auch die Brigachtaler schon öfter. So anno 1995 und 2010, als die Brigachtaler den Sieg holten.

Also schmeißen sich die jungen Brigachtaler mit allem, was sie haben, erneut mächtig ins Zeug. Kreativität, Ausdauer und Fingerspitzengefühl sind Voraussetzungen für perfekte Schilder. Die Schaubilder mit bunten und ebenso aussagekräftigen Motiven werden ausschließlich mit natürlichen Materialien wie beispielsweise Mais, Senf- und Pfefferkörnern, Weizen, Leinsamen, Gries, aber auch mit diversen Gewürzen ausgestaltet. Zunächst werden die geplanten Bilder per Beamer auf die Schilder projiziert. Auf diese Weise kann das Motiv relativ einfach auf das Schild vorgezeichnet werden. Per Holzleim werden die Materialien dann auf die vorgefertigten Spanplatten aufgebracht. Mohn beispielsweise kann geschüttet werden, Beeren oder Linsen müssen jedoch Stück für Stück aufgeklebt werden, eine echte Sisyphusarbeit, berichtet Simone Rist.

„Jede Landjugend hat bei der Gestaltung so ihre eigenen Tricks parat“, verrät Käfer. So richtig spannend wird es nach dem Umzug, wenn die Festwagen bewertet werden. Jede Landjugend hat Stimmrecht und bewertet alle Wagen der Reihe nach. Am Ende hat die Landjugend mit den meisten Punkten die Nase vorn. Als Preis winkt ein riesiger Siegerpokal.