Herr Doser, die Reise quer durch Europa bis Asien liegt nun schon eine ganze Weile zurück. Wie sehen sie das Projekt mit etwas Abstand?

Manuel Doser: Ich habe die Reise nach wie vor in aller besten Erinnerung und würde am liebsten gleich wieder losradeln. Ich habe da wirklich nichts zu bereuen und würde es genau so wieder angehen, wie ich es gemacht habe. Wichtig war mir, dass genügend Zeit für Land und Leute bleibt. Das habe ich dann auch ganz gut hinbekommen.

Wie lange waren sie eigentlich unterwegs und reisten sie ganz alleine?

Die Reise dauerte insgesamt mehr als 16 Monate. Los ging es Anfang August 2015. Am 17. Dezember 2016 bin ich nach Überauchen zurückgekehrt. Mit dabei war am Anfang meine jetzige Lebensgefährtin, Lorena Mende. Über Facebook hatte ich zudem den Fotografen Patrick Scholz aus Friedrichshafen kennengelernt. Wir haben uns vor der Reise dann ein paar Mal getroffen und fanden uns auf Anhieb sympathisch. Es passte einfach perfekt, auch von den Wertvorstellungen und auch von der ungefähren Reiseroute, die wir dann in Angriff nehmen wollten. Außerdem sind wir beide Vegetarier.

Dann sind wir schon bei der Reiseroute. Wie sah die im Detail aus?

Zunächst fuhr ich mit meiner Freundin Richtung Bodensee. Dort nahmen wir dann Patrick auf. Dann ging es gleich Richtung Österreich und über die Alpen bis zu den Balkanstaaten, wo als erster größerer Zielpunkt Kroatien angesteuert wurde. Da hatten wir innerhalb von vier Wochen schon die ersten 1000 Kilometer zurückgelegt. Von Split aus flog dann meine Freundin übrigens zurück nach Deutschland. Als nächstes Ziel stand Süd-Osteuropa auf unserem Plan. Über Albanien und Montenegro erreichten wir dann Griechenland sowie die griechische Insel Kreta, die wir per Fähre erreichten. Dann ging es weiter durch Osteuropa, bis in die Türkei wo wir drei Monate überwintert haben.

Und was macht man im Winter in der Türkei?

(lacht) Wir haben die Zeit genutzt, um Geld zu verdienen. Teils haben wir auch als Straßenmusiker gearbeitet.

Und wie ging es dann weiter?

Als es dann im Februar wieder wärmer wurde, ging es über den Landweg nach Georgien, Armenien und in den Iran.

Das war sicher eine Herausforderung, auch wegen der Sprache?

Ja, klar, in Tadschikistan haben wir das Pamir-Gebirge, das ist die zweithöchste Bergkette der Erde mit dem Fahrrad erklommen. Auf über 4600 Meter wurde die Luft schon ganz schön dünn. Über Kirgistan und Kasachstan erreichten wir dann schließlich den Zielpunkt China. Dort war es in der Tat ein wenig schwierig; auch mit gutem Englisch kommt man da nicht weit.

Dann hatten sie aber schon mehrere Monate und tausende Kilometer mit ihrem Tour-Partner auf dem Buckel. Gab auch mal persönlichen Stress?

Probleme mit Patrick gab es zu keiner Zeit. Mit dem allerbesten Kumpel hätte es nicht besser laufen können. Bei Problemen hatten wir irgendwie immer die selbe Meinung und wenn nicht konnte man die andere Meinung mittragen.

Dann haben sie auch nie ans Aufgeben gedacht? Das ist doch sicherlich auch körperlich sehr anstrengend?

Nein, ans Aufgeben haben wir wirklich zu keiner Zeit gedacht. Es war schon immer mein Traum, mit dem Bike eine große Reise zu machen. Ich wollte aber nicht die typischen Urlaubsziele ansteuern, wo jeder hingeht. Mir war neben dem Land auch der direkte Kontakt mit den Menschen sehr wichtig. Das mit der Fitness war kein Problem, ich habe schon immer viel Sport gemacht und bin auch regelmäßig in ein Fitness-Studio gegangen.

Und haben sie viele Menschen kennengelernt?

Ja, sehr viele. Und ich muss sagen, die Menschheit ist besser als man glaubt. Ich war diesbezüglich wirklich beeindruckt. Wir sind auch nie irgendwie ausgeraubt oder gar überfallen worden. Im Gegenteil, es gab sehr viele hilfsbereite Leute. Wir haben dann entschieden, etwas davon an Hilfsbedürftige zurückzugeben. Mit zwei Straßenmusikern haben wir mit einem kleinen Aufnahmegerät einige Lieder aufgenommen und auf CD gebrannt. Durch unser Projekt „Social Cycling“ kam ein wenig Geld für ein Waisenhaus in Afrika zusammen.

Gibt es das Projekt auch weiterhin?

Ja, durch einige Vorträge, die ich zusammen mit Patrick über unsere Tour bereits gehalten habe, konnten wir sogar schon das Grundstück für das Waisenhaus in Afrika komplett finanzieren.

Einen solchen Vortrag werden Sie am kommenden Samstag auch im Brigachtaler Pfarrzentrum halten. Wie kam es dazu?

Ja, genau, Frau Kneißle vom Bildungswerk hat mich gefragt, ob wir einen Vortrag machen würden. Patrick und ich haben spontan zugesagt. Ich freue mich natürlich sehr, über die Reise nun auch Brigachtal berichten zu können. Schön wäre es, wenn viele, die mich kennen und die ich kenne, vorbeischauen würden. Es kostet keinen Eintritt. Man kann Spenden, die kommen dann unserem Hilfsprojekt zu Gute.

Und wie wird dieser Vortrag aussehen?

Gut, zu viel möchte ich vorab natürlich nicht verraten. Es sind auf jeden Fall viele, schöne Bilder von unserer Reise zu sehen. Auch musikalisch unterlegt, wir planen eine Multivisions-Show.

FRAGEN: KLAUS DORER

Zur Person

Manuel Doser (24) ist in Überauchen mit zwei Geschwistern aufgewachsen. Nach dem Realschulabschluss an der Karl-Brachat-Schule, begann er in einer Tannheimer Schreinerei eine Ausbildung zum Schreiner. Später arbeitete er noch in Friedrichshafen. Derzeit macht Doser eine Fortbildung zum Energieberater. Neben reisen nennt der 24-Jährige das Klettern als sein größtes Hobby. Zwischenzeitlich nimmt er sogar an Wettkämpfen teil. Am Samstag, ab 20 Uhr, hält er mit Patrick Scholz im Brigachtaler Pfarrzentrum einen Vortrag über seine Reise. (kd)