Die Diskussion um das von der Brigachtaler Gemeindeverwaltung angestrebte Gewerbegebiet Kreuzäcker in Kirchdorf sorgt noch immer für Gesprächsstoff in der Bevölkerung. Nun wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen: Auf Einladung einer Interessengemeinschaft, die das Gewerbegebiet an dieser Stelle verhindern möchte, besuchte die Grünen-Landtagsabgeordnete Martina Braun Brigachtal und informierte sich vor Ort über die Anliegen der betroffenen Bürger.

Der Landwirt Markus Hirt hatte die Landtagsabgeordnete eingeladen. "Ich bin durch die Straße am meisten betroffen", sagte er. Gemeint ist die Umgehungsstraße, mit der das neue Gewerbegebiet von Bad Dürrheim aus erschlossen werden soll. Etwa sieben Hektar landwirtschaftliche Fläche würden ihm verloren gehen. Fläche, die in Privateigentum ist, die die Gemeinde also kaufen müsste. "Oder enteignet", sagte der Landwirt und lächelnd dabei müde. "Wir reden hier von einer Trasse von 13 bis 15 Metern Breite", sagte Andreas Thomma, der ebenfalls der Interessengemeinschaft angehört. "Das sind massive Eingriffe."

Andreas Thomma ist einer der Gegner des Gewerbegebiets Kreuzäcker. Er beschreibt, wie viel Fläche durch die Pläne der Gemeinde verloren gehen würden.
Andreas Thomma ist einer der Gegner des Gewerbegebiets Kreuzäcker. Er beschreibt, wie viel Fläche durch die Pläne der Gemeinde verloren gehen würden.

Besonders ärgert es die Gegner des Gewerbegebiets, dass aus ihrer Sicht nicht ausreichend über Alternativen nachgedacht wurde. Es gebe andere Möglichkeiten, an denen ein Gewerbegebiet realisierbar sei, sagte Barbara Thomma. Beispielsweise könne das Steinbruchgelände dafür genutzt werden, das bereits erschlossen sei, meinte Andreas Thomma. Auf dem geplanten Areal sei hingegen nichts vorhanden, Wasser- und Abwasserkanäle sowie Breitbandkabel müssten erst verlegt werden. "So was kann man nicht auf Pump machen", sagte Andreas Thomma. "Wir reden über zig Millionen." Die Gemeinde habe ohnehin vor, die Grube des Steinbruchs zuzuschütten, um Fläche für die Landwirtschaft zu gewinnen, erzählte er. "Dafür machen wir hier 20 Hektar kaputt."

Kreuzäcker hingegen eigne sich vielmehr als Wohngebiet, sind sich die Mitglieder der Interessengemeinschaft sicher. "Es sei ein Filetstück für Wohngebiet", sagte Andreas Thomma. Auch weil bereits in direkter Nachbarschaft gewohnt wird. Und Gewerbegebiet und Wohngebiet nebeneinander? "Das beißt sich", sagte er. Zum einen, weil durch ein Gewerbe die gesamte Umgebung beschallt würde und zum anderen, weil es einen Wertverlust für die Immobilien bedeuten würde.

Martina Braun zeigte Verständnis für die Sorge der Interessengemeinschaft. "Ich sehe die Schwierigkeit für die Landwirtschaft", sagte sie. Die Zerteilung der bewirtschafteten Fläche in immer kleinere Teile führe aus ihrer Sicht dazu, dass diese irgendwann nicht mehr bewirtschaftet werden. Auch verstehe sie, dass der Eingriff in die Natur und die Ungewissheit, welche Gewerbe angesiedelt werden sollen, kritisiert wird. "Es wäre wichtig zu wissen, welche Gewerbe kommen." Gleichzeitig machte sie aber klar, dass sie sich keine Meinung bilden werde, bevor sie nicht beide Seiten gehört habe. "Ich werde mit Bürgermeister Schmitt einen Termin vereinbaren und reden", kündigte die Landtagsabgeordnete an.

Große Hoffnung, dass eine kommunalpolitische Entscheidung aus der Landeshauptstadt heraus gestoppt wird, konnte Martina Braun am Ende nicht machen. Vielmehr liege das Ziel darin, durch Gespräche eine gangbare Lösung zu finden. Man wolle die Gemeinderäte einladen und das Gespräch suchen, versicherte Barbara Thomma. Ein Schritt, der auch von der Landtagsabgeordneten unterstützt wird: "Es ist wichtig, dass man den Gemeinderat in die Pflicht nimmt."

Kreuzäcker

Für das Gewerbegebiet will die Gemeinde Brigachtal ein zehn Hektar großes Areal nordlich des Steinbruchs erschließen. Damit würde auch der Sportplatz in Kirchdorf überbaut. Die Maßnahme ist aus Sicht der Verwaltung nötig, um heimischen Betrieben die Möglichkeit zu bieten, sich zu erweitern. Gegen das Gewerbegebiet hat sich eine Interessensgruppe gebildet, die derzeit 15 Personen umfasst. (tol)