Brigachtal – Die gute alte Zeit, wie man das ausgehende 19. Jahrhundert auch gerne nannte, war für viele Klengner geprägt durch die Brandkatastrophe, die sich nun zum 125. Mal jährt. Die meisten Bewohner hatten durch die Feuersbrunst ihr ganzes Hab und Gut verloren. Vieles hatten nur noch das, was sie an diesem verhängnisvollen Tag am Leib trugen. Das Villinger Volksblatt berichtete folgendes: "Im dreißigjährigen Krieg wurde die Hälfte des Ortes durch die Schweden angezündet. Jener Brand mag Ähnlichkeit mit diesem haben." Umfassende Hilfe war nötig, um den vielen Obdachlosen Unterschlupf zu gewähren oder sie mit Nahrungsmittel und Kleidung zu versorgen.

"Die Abgebrannten sind in Kirchdorf, Überauchen, Grüningen, Beckhofen, Villingen und Donaueschingen untergebracht worden", wie die Zeitung berichtete. Manche sind bei Verwandten untergekommen, andere auch bei Mildtätigen, die Wohnraum übrig hatten und diesen dann auch zur Verfügung stellten. Im Villinger Volksblatt heißt es: "Wir appellieren dringend an den Wohltätigkeitssinn unserer Leser und bitten sie, diese armen Menschen recht kräftig zu unterstützen und zwar durch Abgabe von Geld, Inventarstücken oder Kleider." Weiter heißt es: Der Fürst zu Fürstenberg habe bereits 1000 Mark gesandt und 450 Zentner Heu zur Verfügung gestellt und auch Kaiser Wilhelm hatte sich bereits eingehend über das schreckliche Unglück erkundigt. Von Fabrikant Hauschel sei eine große Anzahl Kleidungsstücke eingetroffen. Die Gemeinde Obereschach gab 500 Mark und Pfohren 120 Mark. Vom Großherzog sind 1000 Mark als einstweilige Gabe eingetroffen und das Ministerium des Inneren stellte 2000 Mark aus Staatsmitteln zur Verfügung.

"Hilfe kommt von allen Seiten, aber doppelt gibt, wer schnell gibt", titelt die Presse. "Es steht fast außer Zweifel, dass eine große Anzahl Baracken errichtet werden muss, um die Leute in die Nähe ihrer Grundstücke zu bringen, damit sie wenigstens den Feldbau besorgen können." Und auch die Wirte der beiden Gasthäuser Kreuz und Sternen wollten zunächst vorläufig Baracken errichten, um ihren Betrieb aufrecht erhalten zu können. Auch ein Kaufladen soll eingerichtet werden, schreibt das Volksblatt. Davon wurde jedoch aufgrund ausdrücklicher Anordnung des Landeskommissärs Engelhorn aus Konstanz erst einmal Abstand genommen. Dafür wurde schnelle Hilfe zugesichert.

Bereits am 28. April gab das Rathaus eine Liste an die Geschädigten mit den vorläufigen Summen heraus: "Der Versicherungsanschlag aller 110 Häuser unseres Dorfes, ohne Inventar, beträgt 646 000 Mark", hieß es dort. Dass es auch damals schon Gaffer gab, zeigt folgender Zeitungsbericht: Aus dem Brigachtale, den 30. April: "Am gestrigen Sonntag mögen wohl gegen 10 000 Menschen die Brandstätte besichtigt haben. Eine große Menge durchwogte heute den Brandplatz, welche teils auf der Eisenbahn aus weiter Ferne, teils zu Fuß herbeiströmten, um die Unglücksstätte zu besichtigen. Wenn sie heim kommen, werden diese hoffentlich nicht verfehlen, den Jammer, der armen Abgebrannten zu schildern und der Geist der Opferwilligkeit wird dann umso reichlicher sich betätigen".

Inwieweit im Anschluss Privatleute spendeten, ist nicht überliefert. Schon bald nach dem Großbrand von 1893 wurden Stimmen laut, Klengen nach modernen Gesichtspunkten wieder zu errichten. Durch fleißige Hände vieler gelang es in den Folgejahren, dieses Großprojekt zu stemmen. Viele neue Häuser entstanden. Genauso, wie es historische Aufzeichnungen vorhergesehen hatten: "Neues Leben spross aus den Ruinen und möge baldigst mit Gottes Hilfe, Klengen sich neu verjüngen und seine Bewohner nur glückliche Tage sehen, als Entgelt für diesen erlittenen Schaden."

Gedenkfeier

Anlässlich der 125. Wiederkehr des Großbands in Klengen findet am 26. April 2018, um 18 Uhr in der Allerheiligenkirche ein Gedenkgottesdienst statt. Anschließend ist auf dem Rathausvorplatz eine etwa 30-minütige Gedenkfeier. Bürgermeister Michael Schmitt wird an die Brandkatastrophe in einer Ansprache erinnern. Redner werden über die Geschehnisse jenes Unglückstags, der seinerzeit die Einwohner in Atem hielt, referieren. An der Feier nimmt auch die Feuerwehr mit einer Abordnung teil und Musikverein sorgt für die musikalische Umrahmung. (kd)