Wenn es um die Ausweisung neuer Wohngebiete geht, dann sprechen Kommunen in der Regel von Ein- oder Mehrfamilienhäuser. Was hingegen oft weniger Beachtung findet, sind Wohnungen. Im Gemeinderat wurden nun die Weichen gestellt, um beide Wohnarten zu berücksichtigen. Auf dem Neubaugebiet Bromenäcker II sollen Häuslebauer zum Zuge kommen, für die innerörtliche Baulücke in der Hauptstraße 54 wird eine Bebauung mit Wohnungen angestrebt.

Die Erweiterung des Gebiets Bromenäcker solle möglichst zügig angegangen werden, sagte Hauptamtsleiter Martin Weißhaar. Grund dafür ist, dass bei dieser der Paragraf 13b des Baugesetzbuchs zum Tragen komme, der ein vereinfachtes Verfahren ermöglicht. Diese Möglichkeit ist aber zeitlich begrenzt. Das Bebauungsplanverfahren müsse bis Ende 2019 eingeleitet werden, der Satzungsbeschluss müsse bis Ende 2021 gefasst werden, erläuterte Henner Lamm vom Stadtplanungsbüro Kommunalplan.

"Der große Vorteil liegt darin, dass wir keinen Umweltbericht und keine Ausgleichsbilanz machen müssen", sagte der Stadtplaner. Verpflichtend sei aber weiterhin eine artenschutzrechtliche Untersuchung, bei der auch das angrenzende Vogelschutzgebiet berücksichtigt wird. Diese soll im Frühjahr stattfinden. Sollten bei dieser Untersuchung Brutpaare geschützter Vogelarten auf dem Gebiet festgestellt werden, müsse über entsprechende Maßnahmen, beispielsweise das Aufstellen von Brutkästen, nachgedacht werden.

Geplant sind laut dem vom Gemeinderat vorgestellten Plan 13 Grundstücke mit je rund 630 Quadratmeter für Einfamilienhäuser und ein Grundstück mit rund 800 Quadratmetern für ein Mehrfamilienhaus. Östlich des Neubaugebiets ist ein drei Meter breiter Graben geplant, mit dem Hangwasser abgefangen werden soll. Ziel sei es, die Bauplätze bereits im Herbst 2019 am Markt anbieten zu können, sagte Martin Weißhaar.

Für die Baulücke in der Hauptstraße 54 plädierte Stadtplaner Henner Lamm für Wohnungen. Denkbar sei es, das Grundstück aufzuteilen sodass zwei Gebäude mit jeweils vier bis fünf Wohneinheiten errichtet werden können. "Das Grundstück lässt sich gut bebauen", versicherte er. Die Idee von Wohnungsbau, insbesondere Mietwohnungsbau, fand im Gemeinderat breite Unterstützung. "Wir brauchen auch mietbaren Wohnraum", sagte Gemeinderat Josef Vogt von Pro Brigachtal.

Auch Gemeinderat Olaf Faller von der Bürgerinitiative Brigachtal sprach sich für Wohnungen aus. "Wir denken immer nur an Häuslebauer", beklagte er. SPD-Gemeinderat Jens Löw forderte in der Sache nicht zu zurückhaltend vorzugehen. "Man sollte nicht gleich einen Rückzieher machen", sagte er. "Es gibt zu wenige Wohnungen für Familien." Gegen den Wohnungsbau sprach sich Gemeinderat Markus Rist von der Bürgerinitiative aus. Er bevorzuge stattdessen eine Bebauung mit Einfamilienhäusern, sagte er.

Ob am Ende tatsächlich Mietwohnungen, eventuell sogar günstige Mietwohnungen, oder doch Eigentumswohnungen entstehen, hänge vom Bauträger ab, sagte Henner Lamm. Er machte aber gleich einen Vorschlag: "Reden Sie zum Beispiel mit der FWD. Mit der bauen wir gerade in Tuttlingen." Gemeinderat Rainer Bertsche von den Unabhängigen Bürgern betonte, dass die Gemeinde hier nicht im Zeitdruck sei und nichts überstürzen müsse. "Wenn es keinen Bauträger gibt, der das machen will, dann warten wir halt noch", sagte er.

Wohnbebauung

Die Gemeinde verfügt derzeit über keine freien kommunalen Bauplätze. Im Neubaugebiet Bromenäcker I wurden 23 Bauplätze geschaffen, die allesamt vergeben sind. Zuletzt gab es auf der Warteliste 16 Interessenten. Die Erschließung von Bromenäcker II ist zwischen Herbst 2018 und Frühjahr 2019 vorgesehen. Absehbare Wohnbebauung im Innenbereich der Gemeinde ist auf den Grundstücken Hauptstraße 54 und Siedlerstraße 7 im Ortsteil Klengen und auf dem Kranz Areal in Überauchen möglich. (tol)