20 Jahre ist sie alt und kein bisschen leise – das könnte man fast sagen, wenn man die Orgel in der Brigachtaler Allerheiligenkirche hört. Dennoch ist es jetzt Zeit für eine gründliche Überprüfung geworden. Das übernimmt ein erfahrenes Team mit dem renommierten Orgelbauer Mathis aus der Schweiz an der Spitze. „Drei Wochen benötigen wir allein, um jede der 1382 Pfeifen und das gesamte Innere der Orgel intensiv zu reinigen, gefolgt von zwei Wochen für die Neu-Intonierung“, erklärt Orgelbauerin Stefanie Munz.

Orgel-Experte Vitzslav Slavik beim Abstimmen der Pfeifen.
Orgel-Experte Vitzslav Slavik beim Abstimmen der Pfeifen. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Vögel und Fledermäuse wie in anderen Kirchen haben sie dabei in Brigachtal noch nicht gefunden, wohl aber jede Menge toter Fliegen und Spinnen, nebst dem üblichen Staub. Die Orgelbauer kommen in der ganzen Welt herum, Mathis-Orgeln finden sich unter anderem im Regensburger Dom, in der Sixtinischen Kapelle aber auch in Japan und vielen anderen Ländern.

200 000 Mark in zwei Jahren

Dabei hatte der Kirchengemeinderat die Anschaffung einer Orgel im Jahr 1993 ursprünglich aus Kostengründen abgelehnt. Das ließ aber damals Max Hirt keine Ruhe und so gründete er einen Förderverein mit dem Ziel, genügend Spenden für eine Orgel einzusammeln. Die Hoffnung war damals, dass man so in zehn Jahren vielleicht 250 000 Mark zusammenbringen könnte. Da hatte er aber nicht mit Spendenfreudigkeit der Gemeindemitglieder gerechnet, denn bereits nach nur zwei Jahren hatten sie 200 000 Mark zusammen. So mancher erinnert sich in Brigachtal noch heute gerne an die eine oder andere spektakuläre Sammel-Aktion wie etwa das „Riesen-Bingo“ mit echten Fußbällen auf dem Dorffest oder an die 750 Glaskugeln, alle von Max Hirt persönlich mit unterschiedlichen Kirchen-Motiven handbemalt.

Max Hirt (links) vom damalgigen Orgelbauföderverein und Josef Hirt, damals Vorsitzender des Kirchengemeinderats, erinnern sich noch ganz genau, wie sie gemeinsam die Hürden der Finanzierung einer neuen Orgel mit Ideenreichtum und viel Idealismus gemeistert haben.
Max Hirt (links) vom damalgigen Orgelbauföderverein und Josef Hirt, damals Vorsitzender des Kirchengemeinderats, erinnern sich noch ganz genau, wie sie gemeinsam die Hürden der Finanzierung einer neuen Orgel mit Ideenreichtum und viel Idealismus gemeistert haben. | Bild: Hans-Juergen Goetz

So wurde dann letztendlich doch noch der Bau der 600 000 Mark teuren Mathis-Orgel vom Kirchengemeinderat genehmigt und mit zehn Prozent von der Erzdiözese Freiburg bezuschusst. Und dabei haben die Brigachtaler noch 30 000 Mark eingespart. Denn clever wie sie sind, hatten sie damals die Schweizer Orgel-Monteure einfach drei Wochen lang privat und kostenlos in der Gemeinde zur Übernachtung und Verköstigung verteilt. Eine Tatsache, die Max Hirt noch Jahre später Postkarten aus aller Welt bescherte. Denn die Orgel-Monteure schrieben ihm immer wieder, dass es nach wie vor in Brigachtal am schönsten gewesen sei.

Besondere Orgel für eine wunderbare Kirche

Im übrigen war der Schweizer Orgelbauer Mathis seinerzeit auch der einzige, der in der Lage war, eine Orgel zu bauen, die sich perfekt in die Kirche einfügte. Im Gegensatz zu den Angeboten der Konkurrenz ermöglichte sein Entwurf eine Integration mit der tragenden Mittelsäule des Kirchensaals und das auch noch über mehrere Ebenen. Ein Novum der damaligen Zeit, denn immerhin hat die Orgel 21 Register mit 1316 Pfeifen aus Zinn und weiteren 66 Pfeifen aus Holz. Ebenfalls im Gegensatz zu vielen anderen Orgelbauern stellte Mathis in seinem Betrieb im Kanton Glarus auch alle Bestandteile der Orgel selbst her. Und so war er bei seiner ersten Besichtigung der Allerheiligenkirche auch gleich der Meinung, „in so eine wunderbare Kirche gehört einfach auch eine besondere Orgel hinein“, erinnert sich Max Hirt noch heute.

Überprüfung kostet 50 000 Euro

Die Kirchengemeinderäte hatten damals auch gleich noch beschlossen, jährlich Rücklagen für die Wartung der wertvollen Orgel zu bilden. Damit war es dann absolut kein Problem, jetzt nach 20 Jahren die notwendige Revidierung für 50 000 Euro zu beauftragen. Wenn dann diese Woche Intonateur Vitzslav Slavik die letzten Feinarbeiten an der Orgel abschließt, steht sie bereit für das Festkonzert am kommenden Sonntag. Um 18.30 Uhr findet dann in der Allerheiligenkirche eine Geistliche Stunde statt. Sie steht unter dem Titel „Orgel begegnet der Klarinette“ und ist eine Hommage an „20 Jahre Mathis-Orgel“. Es spielen Peter Hastedt an der Orgel und Markus Färber an der Klarinette.