„Kriegerdenkmale sind Mahnmale für den Frieden, die für weitere Generationen erhalten werden müssen“, sagt der geschichtsinteressierte Gemeinderat Josef Vogt. So wie im Teilort Überauchen, wo ein solches Denkmal seit genau 100 Jahren zum Ortsbild gehört. Genaugenommen sind es zwei: das Kriegerdenkmal, das an beide Weltkriege erinnert, und eine Siegessäule des Kriegs 1870/71. Diese stummen Zeitzeugen wären sicher auch noch viele Jahre dort verblieben, doch im Rahmen der Ortskernsanierung und dem Bau des Dorfhauses gibt es nun Diskussionen, sie umzusetzen.

 

Gemeinderat Josef Vogt fordert, das Kriegerdenkmal (rechts) und den Obelisken (links) an Ort und Stelle zu belassen.
Gemeinderat Josef Vogt fordert, das Kriegerdenkmal (rechts) und den Obelisken (links) an Ort und Stelle zu belassen.

Was soll also mit den beiden Zeitzeugen geschehen, die jeweils für eine eigene Geschichte stehen und die es offensichtlich schwer haben, sich in der neugestalteten Ortsmitte zu behaupten, fragt sich Vogt. „Ganz abgesehen von den Kosten und der Frage, ob es baulich überhaupt möglich wäre, halte ich die Umsetzung für keine gute Idee“, so Vogt. Er plädiert dafür, die Kleinode am angestammten Platz zu erhalten. „Vielleicht regt die Offenlegung der geschichtlichen Hintergründe dieser beiden Denkmäler die Fantasie der Entscheidungsträger oder der Bürger etwas an und verhilft den steinernen Zeitzeugen zu mehr Ansehen“, hofft Vogt nun.

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Das ältere Denkmal, der Obelisk aus rotem Sandstein, wurde an einem sonnigen Sommertag, dem 22. Juni 1896, mit einem Gottesdienst unter Mitwirkung der „Doserschen Kapelle“ und der gesamten Überauchener Bevölkerung eingeweiht. Die Siegessäule wurde zu Ehren Wilhelms des Ersten errichtet. Gefeiert wurde dessen Thronbesteigung 25 Jahre zuvor. Dieser Obelisk wurde vom Donaueschinger Steinbildhauer Mall nach Plänen des Gewerbelehrers Werner aus Donaueschingen gefertigt. Das über vier Meter hohe Bauwerk ziert auf der Vorderseite das Kopfrelief von Kaiser Wilhelms, auf den anderen drei Seiten stehen die Namen der Teilnehmer, die aus Überauchen am „Siegreichen Kampf“ von 1870/71 mitgewirkt hatten. Der Sandstein-Obelisk steht für den Sieg über Frankreich, bei dem 13 Männer aus Überauchen dabei waren und wo einer von ihnen im Kampf den Tod fand.

Festessen für Veteranen

Ursprünglich stand das Denkmal an der Ecke Bondelstraße/Grünwinkel. Dieser Platz bildete seinerzeit mit Rathaus und Schulhaus die Ortsmitte des knapp 200 Einwohner zählenden Überauchen. Der damaligen Tageszeitung sind die Details der Jubelfeier zu entnehmen: Um halb 10 Uhr fand ein feierlicher Gottesdienst statt, zu dem die Veteranen vom Kriegerverein Brigachtal abgeholt wurden. In zu Herzen gehender Weise gestaltete Pfarrer Franz Hirschler seine Festpredigt. Mittags fand dann im Gasthaus „Hirschen“ ein Festessen für die Veteranen statt. Weitere Vereine und Gäste waren der Einladung gefolgt. Am Eingang des Ortes wurden die eintreffenden Vereine mit Musik empfangen und in den Ort geführt. Um 14 Uhr begann die eigentliche Einweihungsfeier. Viele Besucher hatten sich bei der Siegessäule aufgestellt. Bürgermeister Friedrich Hirt bestieg die Tribüne und betonte in seiner Ansprache, dass dieser Tag im Gedenken an den siegreichen Krieg von 1870/71 begangen werde. Erst anno 1972 wurde der Obelisk im Zuge der Bondelbachverdolung von seinem ursprünglichen Standort an den heutigen Standort versetzt, wo seit Anfang der 1920er-Jahre bereits das für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges errichtete Ehrenmal stand.

Erinnerung in Stein

Seit dieser Zeit stehen beide Monumente zwar in respektvoller Distanz, aber doch relativ nahe beieinander. 57 zumeist sehr junge Bürgersöhne waren in den Ersten Weltkrieg gezogen. Insgesamt 18 kehrten nicht mehr lebend heim. Unter dem schön geformten Baldachin, der von zwei Säulen gestützt wird, ist ein Steinrelief mit dem gekreuzigten Christus und darunter zwei trauernde Soldaten zu sehen. Dort werden die Namen der Gefallen des Ersten und später des Zweiten Weltkriegs aus Überauchen in Erinnerung gehalten. Betrachtet man beide Denkmale mit geschichtsbewusstem Blick, wird deutlich, dass der Obelisk für den Aufstieg ins Kaiserreich vor genau 150 Jahren und das Kriegerdenkmal für die vernichtete Niederlage gegen Frankreich im Ersten Weltkrieg steht.

Ein reger Austausch

Längst ist die Erbfeindschaft zwischen Frankreich und Deutschland per am 22. Januar 1963 von Adenauer und de Gaulle unterzeichneten Élysée-Vertrag bereinigt. Inzwischen begegnen sich die Menschen beider Völker in Freundschaft. Zwischenzeitlich pflegt Brigachtal einen regen Austausch mit der französischen Partnergemeinde Essey lès Nancy. Beim Beaujolais-Weinabend im Museumskeller wird diese Freundschaft jedes Jahr aufs neue gefeiert.