Historische Feldkreuze, sakrale Bildstöcke, aber auch kleinere Kapellen stehen aktuell im Mittelpunkt einer Initiative, die die Landesdenkmalpflege Baden-Württemberg angestoßen hat. Solche Kleindenkmale stehen sehr oft am Straßen- oder Wegesrand, mitunter auch in Wald und Flur, aber auch in besiedelten Gebieten, auf Dorfplätzen, an Hauswänden oder an Brücken. Jeder kommt irgendwann an ihnen vorbei, doch nicht jeder nimmt sie bewusst wahr.

Johanna Hildebrand und Josef Vogt versuchen die Inschriften auf dem "Zipfel-Kriez" zu entziffern. Mit normaler Kreide können die Buchstaben darauf nachgezogen werden. Ein kleiner Trick, wodurch der Text besser lesbar gemacht wird.
Johanna Hildebrand und Josef Vogt versuchen die Inschriften auf dem "Zipfel-Kriez" zu entziffern. Mit normaler Kreide können die Buchstaben darauf nachgezogen werden. Ein kleiner Trick, wodurch der Text besser lesbar gemacht wird.
  • Gute und schlechte Zeiten: Früher hielten die Menschen kurz inne, bekreuzigten sich oder verbeugten sich in Ehrfurcht vor dem Herrn. Jedes dieser Kleindenkmale hat eine eigene Geschichte, berichten sie doch von Glück oder Schmerz, von guten oder schlechten Zeiten. Um diese Kleinode stärker ins Bewusstsein zu rücken, hat sich nun auch in Brigachtal eine Gruppe von geschichtlich interessierten Bürgern gebildet, um solche Denkmäler in Augenschein zunehmen.
  • Die Ehrenamtlichen: Die ehrenamtlichen Helfer sind Johanna Hildebrand, Jochen Grenzdörffer, Reinhard Poschmann und Josef Vogt. „Es ist eine rein ehrenamtliche Aufgabe“, berichtete Vogt bei einem gemeinsamen Treffen. Zunächst wurden die Gebiete auf die vier Akteure aufgeteilt: So bearbeitet Grenzdörffer das Gebiet im Südwesten, also den Raum Beckhofen Richtung Grüningen und Wolterdingen. Vogt wird das Gebiet im Nordwesten, also Richtung Überauchen und Tannheim, inspizieren. Hildebrand ist in Klengen aktiv und wird den südöstlichen Teil der Gemeinde absuchen. Poschmann ist im Nordosten, also Richtung Kirchdorf/Bad Dürrheim, zu Gange.
  • Hundert Jahre und mehr: Viele der von Menschenhand geschaffenen Kleindenkmale sind in keinem allzu guten Zustand. Meist sehr verwittert oder beschädigt präsentieren sie sich dem Betrachter. Kein Wunder, denn oft stehen diese stummen Zeitzeugen hundert Jahre oder mehr am selben Ort. Sie sind meist aus Stein geschaffen, manchmal aus Holz und sehr selten aus Metall. „Sie sind irgendwann einmal im Gedenken an Personen oder markante Ereignisse sowie als Zeugnisse der Frömmigkeit geschaffen worden“, fasst es Vogt trefflich zusammen.
  • Wichtige Arbeit von Friedrich Itta: Auf der ganzen Gemarkung Brigachtals, ob in Kirchdorf, Klengen, Überauchen, ja sogar im beschaulichen Beckhofen gibt es solche Kleindenkmale entlang der Straßen und Wege. Friedrich Itta galt als Experte in punkto Weg- und Feldkreuze. Der bereits verstorbene Itta hat viele dieser Denkmale untersucht und katalogisiert. „Das ist natürlich sehr hilfreich, denn dadurch haben wir bereits bei vielen Kreuzen Anhaltspunkte über Alter, Herkunft oder Stifter“, berichtet der Sprecher der Initiative, Josef Vogt.
  • Auf Tour zu den Feldkreuzen: Der SÜDKURIER hat das Quartett bei seinem Projektstart, diverse Kleindenkmale aufzuspüren, begleitet. Fährt man ein Stück entlang der Siedlerstraße, trifft man alsbald auf ein sehr hohes, imposantes Feldkreuz. Die Natur hat hier längst ihr Recht zurück erobert, zwei flankierende Birken verdecken das imposante, einige Meter hohe Denkmal fast zu zwei Dritteln. „Ich erinnere mich gut an meine Schulzeit 60er Jahren, als ich dort immer vorbei kam. Damals war noch der Korpus angebracht und es gab hier einen Birnbaum“, berichtet Hildebrand, die in der Vergangenheit bereits Feldkreuz-Wanderungen in der Gruppe angeboten hatte. Da kam im Übrigen so manche nette Anekdote zum jeweiligen Kreuz ans Tageslicht, so Hildebrand. Die Recherche ergibt schließlich, dass es sich um das „Zipfel-Kriez“ handelt.
  • Stifter früherer Zeit: Das nächste Kreuz, das in Richtung Kirchdorf in Sicht kommt, ist ebenfalls relativ verwittert. Schutzlos wird das kleine, wuchtige Kreuz aus rotem Sandstein laut eingravierter Jahreszahl wohl schon seit 1912 dort stehen. Auch die Stifter können nach einigem Rätselraten doch noch mit Maria Senn und Franz Josef Hirt ausgemacht werden. Ein weiteres Kreuz steht in Überauchen an der Bondelstraße. Es wurde 1899 durch die Familien Fischerkeller/Hall errichtet.
  • Kreuze werden versetzt: Ein besonders schönes Kreuz findet sich oberhalb der St. Martinskirche in Kirchdorf. Es wurde im Zuge von Straßenarbeiten leicht versetzt neu platziert. Dies sei öfter der Fall, denn Erneuerung oder Verbreiterung von Straßen und Wege hätten dies oft erfordert, berichtet Vogt.
  • Dokumentation, nicht Veränderung: Jedes Mal gilt es, das jeweilige Objekt mit einer möglichst detaillierten Beschreibung zu Größe, Material, Zustand oder Aussehen in einen Erfassungsbogen einzutragen. Die Beschreibung erfolgt ausschließlich durch Augenscheinnahme. Zur Dokumentation werden Fotos der Objekte gemacht. Die Inschriften können mit Schulkreide nachgezogen werden, um dadurch die Erkennbarkeit zu verbessern. Die Objekte dürfen keinesfalls verändert oder gar von Moosen und Flechten befreit werden, das sei nicht die Aufgabe der Erfasser, berichtet Vogt. Zum Schluss wird das Denkmal mit einer Standortangabe auf einer Flurkarte dokumentiert.
  • Arbeit bis Jahresende: Sicherlich viel Arbeit, denn die Erfasser rechnen damit, auf mehre Dutzend solcher Kleindenkmale zu stoßen. „Schön wäre es, wenn wir bis Ende des Jahres mit der Erfassung fertig wären“, stellt Vogt einen recht ehrgeizigen Zeitplan auf.