Fronleichnam gilt in der katholischen Kirche als das Hochfest des Leibes und Blutes Christi. Dieser hohe kirchliche Festtag wird auch als Herrgottstag bezeichnet und vielerorts mit Prozessionen gefeiert. In Deutschland ist Fronleichnam in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland gesetzlicher Feiertag. Vielerorts werden mit Blumenteppichen Straßen und Plätze an diesem Feiertag geschmückt.

Auch in Brigachtal haben Blumenteppiche eine lange Tradition. Denn hier ist seit zirka 120 Jahren dieser ursprünglich italienische Brauch, den Weg des Pfarrers und den Vorplatz der Altäre mit Blumenteppichen zu schmücken, zur Tradition geworden. In diesem Jahr ist es wieder die Familie Max Hirt und ein Helferkreis sowie die katholische Frauengemeinschaft (kfd), die an diesem Tag durch ihre symbolträchtigen Blumenteppiche die Kirchengemeinde erfreuen.

Teppich zur Hochzeit zu Kana

Nach dem Gottesdienst am Sonntag, 20. Juni, um 9 Uhr in der Allerheiligenkirche, den Pfarrer Ernst Gigelhorn zusammen mit Diakon Michael Radik zelebrieren wird, findet im Anschluss gegen 10 Uhr die Prozession durch Brigachtals Straßen statt. Längst stecken die Macher in den Vorbereitungen: Die Familie Max Hirt wird, wie seit vielen Jahren, wieder ein Teppich vor der Allerheiligen-Kirche mit dem Thema Hochzeit zu Kana legen.

Hier hat die Frauengemeinschaft einen kleinen Weg in Form eines Blumenläufers gelegt.
Hier hat die Frauengemeinschaft einen kleinen Weg in Form eines Blumenläufers gelegt. | Bild: Klaus Dorer

Die Frauen legen wie jedes Jahr beim Anwesen der Familie Bucher in der St. Martinstraße ihren Teppich. Schon seit Tagen ist die Führungsriege des Vereins damit beschäftigt, auf einer großen Spanplatte Erlenzäpfchen mit einer Heißklebe-Pistole aufzubringen. Erst bei genauem Hinsehen erkennt man schon einzelne Konturen. „Wir brauchen für die Umrandung hunderte von diesen kleinen Erlenzäpfchen. Es ist gar nicht so einfach, die zu beschaffen“, berichtet Jutta Mayer. „Wir haben aber immer einen kleinen Vorrat“, ergänzt Monika Hirt.

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In diesem Jahr widmet sich die Darstellung dem Spruch „Lasst uns trotz unseren Hungers nach Leben auch an andere denken“. Sicherlich ein wichtiges Thema in der heutigen schnelllebigen Zeit, sagen die Damen. Das filigrane Arbeiten am Grundriss ist das eine, die Blüten zu sammeln, das andere, sagt Mayer. Die Blumen könne man natürlich nicht zu früh sammeln, aber gut, dass es viele helfende Hände gebe, ergänzt Johanna Hildebrand. Und in der Tat, mehrere Familien aus dem Umfeld der Frauengemeinschaft helfen tatkräftig beim Sammeln und Schmücken mit.

Dieser ausdruckstarken Blumenteppich gestaltete Familie Max Hirt mit ihrem Helferkreis im vergangenen Jahr.
Dieser ausdruckstarken Blumenteppich gestaltete Familie Max Hirt mit ihrem Helferkreis im vergangenen Jahr. | Bild: Klaus Dorer

Und welche Blumen werden verwendet? „Je nach dem, was die Natur jahreszeitlich gerade zu bieten hat“, sagt Mayer. Fronleichnam sei in diesem Jahr sehr spät. Da sind beispielsweise die meisten Pfingstrosen schon verblüht. Aber durch das nasse Frühjahr sind viele andere Blüten vorhanden, so dass Klee, Ginster, Farne, Margeriten und Lupinen in Hülle und Fülle zur Verfügung stehen, sagen die Damen. Schon im vergangenen Jahr wurden die Samen des Essigbaums mit seiner samtenen dunkelroten Farbe gesammelt.

Geschick und Kreativität gefragt

Am Herrgottstag sind die fleißigen Helfer, die für die Fronleichnamsprozession die farbenprächtigen Blumenteppiche auslegen, früh auf den Beinen. Zu den Helfern gehören auch einige Kinder mit ihren Müttern, sagt Hildebrand. Die vorher gesammelten Blüten werden dann auf den vorgerichteten Platten zu prachtvollen Motiven zusammengestellt. Inspiration, Geschick und natürlich Kreativität sind dann gefragt. So mancher Helfer hat die Auslegung in jahrelanger Arbeit perfektioniert.

Nicht nur Symbole wie die Taube für den Heiligen Geist, sondern auch biblische Darstellungen oder andere Zeichen finden sich immer wieder unter den Motiven. Man darf also gespannt sein, wie die Kreationen in diesem Jahr aussehen. Vorab verraten wird noch nichts Konkretes, das ist immer ein kleines Geheimnis, versichern die Damen mit einem Augenzwinkern.