Das Thema Verkehr beschäftigt den Gemeinderat in Brigachtal. Gleich zu Beginn der Sitzung am Dienstag sprachen sich einige Bürger gegen die aktuellen Planungen in Bezug auf die derzeit diskutierte Ost-Anbindung zwischen dem Steinbruch in Kirchdorf und Bad Dürrheim aus. Sie beriefen sich dabei auf die kürzlich vom SÜDKURIER veröffentlichten Planungen zur Ostanbindung. 

Deutliche Kritik an Plänen für Ostanbindung

So kritisieren sie den prognostizierten Verkehrszuwachs mit zusätzlichen 900 bis 1200 Fahrzeugen pro Tag in Überauchen, den der Anschluss dieser neuen Verbindung über den Kreisverkehr in der Ortsmitte auslösen könnte. Auch der angedachte Rückbau der Schaffhauser Straße in Marbach würde diese Problematik mit täglich 8800 Fahrzeugen für Kirchdorf nur noch weiter verschärfen, so die Befürchtung.

Viele Bürger verfolgen die Sitzung des Brigachtaler Gemeinderats und bringen in der Frageviertelstunde ihre Bedenken gegen die geplante Ost-Anbindung beim Steinbruch Kirchdorf zum Ausdruck.
Viele Bürger verfolgen die Sitzung des Brigachtaler Gemeinderats und bringen in der Frageviertelstunde ihre Bedenken gegen die geplante Ost-Anbindung beim Steinbruch Kirchdorf zum Ausdruck. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Viele Nachteile für Brigachtal befürchtet

Ein weiterer Bürger gab zu bedenken, dass im Falle einer unfallbedingten Sperrung der B 33 zwischen Villingen und Bad Dürrheim der gesamte Umleitungsverkehr der Bundesstraße auf einmal durch Brigachtal geführt werden müsse. So sahen die Beschwerdeführer inzwischen nur noch Vorteile für Villingen-Schwenningen und das Umland und viele Nachteile für Brigachtal, sollte es bei dieser Planung bleiben. Demzufolge birgt dieses Thema wohl noch jede Menge Zündstoff für künftige Gemeinderatssitzungen.

Forderung von Anliegern der Hilbengass

Zudem widmete sich der Gemeinderat einer Forderung der Anlieger in der Kirchdorfer Hilbengass. Deren Beschwerdeführer, Uwe Rehnert, erläuterte zu Beginn, dass hier gemäß seiner Beobachtungen täglich bis zu 100 Fahrzeuge unterwegs seien. Die meisten davon nutzten die Straße vermutlich unerlaubterweise, weil der daran anschließende Feldweg nur für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben sei.

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Viele zu schnell unterwegs

Obendrein halte sich offensichtlich kaum jemand an die dortige Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Stundenkilometern. Die Forderung der Anlieger ist daher, dort eine Bremsschwelle, das so genante Berliner Kissen, einzubauen, um den Verkehr wenigstens etwas einzubremsen.

Ähnliche Probleme an praktisch allen Feldwegen an Ortsrändern

Hauptamtsleiter Martin Weißhaar machte deutlich, dass man diese Problematik mehr oder weniger an allen Feldwegen an den Ortsrändern habe und dass der Rat solche Maßnahmen bisher am Ende aus Gleichbehandlungsgründen immer abgelehnt habe. Obendrein provoziere man Schadensersatzforderungen von Autofahren und Radfahrern, die an diesen Schwellern Schaden erleiden könnten.

Unerlaubterweise auf Schleichwegen unterwegs

Gemeinderat Lothar Bertsche (BI) machte deutlich, dass es seiner Meinung nach leider auch nur die eigenen Bürger aus Brigachtal seien, die diese Schleichwege unerlaubterweise täglich befahren würden. Daran würden die vorgeschlagenen Bremsschwellen auch nichts ändern, außer mehr Lärm durch die darüber rumpelnden Fahrzeuge. Daher plädierte er, wie auch viele seiner Ratskollegen, für verstärkte Kontrollen seitens der Polizei.

Polizei hat zu wenige Kapazitäten

Das sah auch Bürgermeister Michael Schmitt so. Er machte aber deutlich, dass aus seiner Erfahrung der Polizei die personellen Kapazitäten fehlten, um hier alleine in Brigachtal einen nachhaltigen Kontrolldruck aufzubauen. Ebenso habe die Verkehrsbehörde des Landkreises die Installation von stationären Blitzanlagen immer wieder abgelehnt.

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Wird künftig ein Gemeindevollzugsdienst kontrollieren?

Einen Lösungsansatz sieht er hingegen in der Organisation eines eigenen Gemeindevollzugsdienstes, zusammen mit einer der angrenzenden Umlandgemeinden. Sofern dieser mit den nötigen Befugnissen ausgestattet werden könne, wären hier die offensichtlich notwendigen erzieherischen Maßnahmen nachhaltiger bei den Verkehrssündern zu bewerkstelligen.

Bremsschwelle wäre nicht teuer

Dem Lärm-Argument gegenüber den Bremsschwellen widersprach hingegen Thomas Huber (UB). Solch ein Schweller sei für runde 1000 Euro zu haben, also wenig Geld für einen wirksamen Effekt.

Belastbare Daten erheben

Olaf Faller (BI) forderte, dass man vor einer weiteren Diskussion doch zunächst einmal die vorhandenen Geschwindigkeits-Messschilder für einen Monat dort aufstellen solle, um endlich belastbare Zahlen über die Anzahl der Fahrzeuge und deren Geschwindigkeiten zu bekommen.

Auch landwirtschaftliche Fahrzeuge sollen zu schnell fahren

Solche Messungen gab es zwar schon laut Uwe Rehnert, aber genau in der Urlaubszeit, wo eben doch weniger gefahren werde. Außerdem würden dort nach seinen Beobachtungen selbst die Milch-Laster und die landwirtschaftlichen Fahrzeuge deutlich zu schnell fahren und damit die Anlieger gefährden. Auch an die Rechts-vor-Links-Regelung an der kleinen Kreuzung halte sich so gut wie niemand. Es sei ein Wunder, dass hier bisher noch nichts wirklich Schlimmes passiert sei.

Klare Mehrheit gegen Einbau von Bremsschwellen

Bürgermeister Schmitt sagte zu, zeitnah entsprechende Messungen durchzuführen. Bei der Abstimmung sprachen sich zwölf Gemeinderäte bei zwei Enthaltungen gegen den Einbau von Bremsschwellen in der Hilbengass aus.