Kaum ein Ereignis in der Geschichte – abgesehen von den Weltkriegen – hat die Menschen in Brigachtal derart getroffen wie der Dorfbrand von 1893. Am 26. April jährt sich diese Brandkatastrophe zum 125. Mal.

„Klengen ist heute Mittag von einem fürchterlichen Unglück heimgesucht worden“, diese Hiobsbotschaft meldete das Villinger Volksblatt noch am selben Abend per eiliger Sonderausgabe. Weiter heißt es dort: „Zwei Kinder von kaum vier Jahren zündeten in ihrer Einfalt einen hinter dem Hause liegenden Strohhaufen an.“ Mit Blitzesschnelle griffen die gefräßigen Flammen an dem Hause empor und ebenso rasch auf andere Häuser über.

Die Hitze sei so fürchterlich gewesen, dass selbst die Brunnenstöcke verbrannten. Die Kirche, das Rathaus und die beiden Wirtshäuser, zentral in der Dorfmitte gelegen, wurden ebenfalls ein Raub der Flammen. Die Feuerwehr war zwar rasch zur Stelle, aber leider letztendlich machtlos. Am Ende sind von den 72 Gebäuden lediglich vier Häuser stehen geblieben. Glücklicherweise sind keine Menschen umgekommen. Verschiedene Personen haben jedoch Brandwunden davon getragen, so auch die Frau des Mesners Duffner. Sie läutete in der Kirche die Sturmglocke, bis das Glockenseil abbrannte. Als sie dann flüchten wollte, standen die Häuser rings um die Kirche bereits in Flammen. Durch ein Fenster entkam sie quasi in letzter Sekunde, heißt es in den alten Aufzeichnungen. Sie war in ärztlicher Pflege, ebenso ein Kind.

Gut ein Dutzend Feuerwehren aus dem Umland hatten mit großer Aufopferung versucht, den Brand einzudämmen. Erst gegen zwei Uhr mittags konnte das Großfeuer gelöscht werden. „Der einst blühende Ort ist jetzt ein Trümmerhaufen“, schreibt die Zeitung. Von den 657 Einwohnern waren rund 450 obdachlos; an Nahrung und Futter mangelte es Mensch und Vieh vielerorts. Wie rasend schnell das entfesselte Element um sich griff, dafür nur einige Beispiele: „Ein Geschädigter war gerade im Begriffe, seinen Umzug in ein neu gekauftes Haus zu bewerkstelligen.

Dieses Foto zeigt die Klengener Hauptstraße (rechts die Abbiegung zur heutigen Ringstraße) wenige Tage nach dem verheerenden Dorfbrand, der am 26. April 1893 die Einwohner heimsuchte. Viele Schaulustige besichtigten den Trümmerhaufen. <em>Repro: Klaus Dorer</em>
Dieses Foto zeigt die Klengener Hauptstraße (rechts die Abbiegung zur heutigen Ringstraße) wenige Tage nach dem verheerenden Dorfbrand, der am 26. April 1893 die Einwohner heimsuchte. Viele Schaulustige besichtigten den Trümmerhaufen. Repro: Klaus Dorer

Ein Wagen mit Kartoffeln hatte er vor das neuerworbene Haus geführt, als der Feuerruf erschallte. Rasch sprang er in sein altes Heim, steckte sich in die Feuerwehruniform und sprang dem Brandplatze zu. Der Wind, der sich fortwährend drehte, wehte die Flammen nordostwärts, sein Haus stand bald in Flammen und der Wagen mit den Kartoffeln verbrannte vor dem neuen Hause“, heißt es in historischen Aufzeichnungen. Und: „Von den um 11 Uhr noch in seinem Besitz befindlichen zwei Häusern hatte der Arme um 12 Uhr keines mehr!“ Ein anderer berichtet: „Ich war auf dem Brandplatze und wir erwehrten uns so gut es die fürchterlich werdende Hitze und der Rauch es zuließen des Feuers. Da trug der Wind die Flammen nach der Richtung meines Hauses. Rasch eilte ich nach Hause und begann eben, meine Fahrnisse zu retten. Ehe ich mich recht umsah, stand mein ganzes Haus in Feuer; vom zweiten Stockwerk musste ich hinunterspringen und verletzte mich bei diesem Sprunge. Was wir gerettet, verbrannte uns alles vor dem Hause.“

So erging es fast allen Brandopfern. Der Gemeinderechner konnte die Gemeindekasse noch retten, die übrigen Schriftstücke aber verbrannten. „Das Gold hat aber die Feuerprobe schlecht bestanden. Es sieht aus wie geschmolzenes Kupfer, das Silber hat sich besser gehalten“, wurde berichtet. Weiter: „Die Grund- und Pfandbücher sind in ihrem eisernen Verschlusse vergilbt, aber noch lesbar. Die meisten Leute haben nur das gerettet, was sie am Leibe hatten. Bei diesem Brand kamen zirka 30 Schweine, ein Rind, vier Farren und viel Geflügel sowie Hunde und Katzen in den Flammen um. Der Schaden betrug eine Million Mark.“

Gedenkfeier

Anlässlich des 125. Jahrestages des Großbands in Klengen findet am 26. April um 18 Uhr in der Allerheiligen-Kirche ein Gedenkgottesdienst statt. Anschließend ist auf dem Rathausvorplatz eine rund 30-minütige Gedenkfeier. Bürgermeister Michael Schmitt wird an die Brandkatastrophe in einer Ansprache erinnern. Redner werden über die Geschehnisse jenen Unglückstags, der seinerzeit die Einwohner in Atem hielt, referieren. An der Feier nimmt natürlich auch die Feuerwehr mit einer Abordnung teil, der Musikverein gibt musikalisches Geleit (kd).