Als der für Brigachtal zuständige Kaminfegermeister Peter Weschle vor 50 Jahren das Schultereisen und den Langbesen in die Hand nahm, folgte er einer langen Familientradition: „Schon mein Großvater war Schornsteinfegermeister und mein Vater war in diesem Handwerk tätig. So blieb ich auch dabei“, so Weschle gegenüber dem SÜDKURIER.

  • Ein Brand in einem Jahr: Das sorgfältige Kaminfegen hat bis heute auch seinen guten Grund. Über viele Jahrhunderte fielen zahlreiche Häuser, ja ganze Ortschaften und Städte, Bränden zum Opfer, weil sich Ruß in schlecht gereinigten Kaminen entzündet hatte. Bei diesem Thema zieht Weschle die Augenbrauen hoch: „Durch unsere konsequente Aufklärung und Vorsorge hatten wir im vergangenen Jahr, Gott sei Dank, nur einen einzigen Kaminbrand in unserem Bezirk.“
  • Schornsteinfeger als Glücksbringer: Hohes Ansehen genießen Schornsteinfeger seit vielen Jahrhunderten, sorgen sie doch für einen guten Zug im Kamin, was der warmen Stube und der Küche dient. „Daher sind wir Schornsteinfeger als Glücksbringer auch gern gesehene Gesellen“, sagt Weschle im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Wer einmal mit dem Finger über den rußigen Ärmel streicht oder einen der goldenen Kollerknöpfe berührt, dem soll das folgende Jahr Glück bringen, so der Aberglaube.
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  • Kondition ist gefragt: Eine leichte Arbeit war das Besteigen der Hausdächer jedoch nie, fordert es schließlich beste körperliche Kondition. Das Schultereisen als traditionelles Werkzeug wird noch heute benutzt: „Damit hatte ich beim Besteigen von Leitern oder Steigen in schwindelnde Höhen beide Hände frei“, erklärt der scheidende Kaminfeger Weschle.
  • Bewegtes Berufsleben: Peter Weschle legt nun nach 50 Berufsjahren den Besen aus der Hand und das Standeszeichen, den Zylinder, ab. Dabei blickt er nicht ohne Stolz auf ein Handwerkerleben zurück, das in diesem halben Jahrhundert einen noch nie dagewesenen Wandel durchgemacht hat. „Standen früher das Kehren und Überwachen von Feuerstellen im Vordergrund, muss ich heute mit elektronischen Geräten das Einhalten der zulässigen Werte überprüfen“, erklärt Weschle.

Darüber hinaus fungiert der Schornsteinfeger als Energieberater und wird – wie schon in früheren Zeiten – von der Feuerwehr im Kaminbrandfall als Berater zur Brandstelle gerufen. Dazu kommt die Feuerstättenabnahme bei allen Neubauten. Nach spätestens vier Jahren bedarf es dann der Feuerstättenschau, bei der die Sicherheit von Heizung, Ofen und Abgasführung bescheinigt wird.

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Und was ist dem Schornsteinfeger besonders im Gedächtnis geblieben? „Einen Vorfall werde ich nie vergessen. Ich stellte bei einem Kachelofen fest, dass ein Rauchzugrohr nicht ganz dicht war. Kaum hatte ich meinen Kopf durch das Lüftungsgitter gesteckt, wollte auch die Hausfrau den Schaden sehen, drückte ihren Kopf ebenfalls durch das Lüftungsgitter und wir beiden hingen fest und mussten um Hilfe rufen, damit der Hausherr unsere Köpfe aus der misslichen Lage befreien konnte“, erzählt Weschle mit einem breitem Lachen im Gesicht. Was ihm während seiner Berufstätigkeit am meisten gefallen habe, beantwortet er folgendermaßen: „Der Umgang mit den Menschen, der tägliche Wechsel bei der Arbeit und auch die Dankbarkeit meiner Kunden, haben mich immer erfreut.“

  • Kein Mangel an Nachwuchs: Der Wandel im Berufsbild des Schornsteinfegers hat auch eine deutliche Zunahme beim Nachwuchs mit sich gebracht. Hierzu Peter Weschle: „Plagten vor Jahren noch große Nachwuchssorgen den Stand, gibt es heute eine ausreichende Anzahl von Schornsteinfegerlehrlingen.“
  • Schornsteinfegerbezirke: Das Recht ein Haus zu betreten beruht auf gesetzlichen Vorgaben aus dem späten 19. Jahrhundert. Mit der Aufhebung des Schornsteinfegermonopols sind Hauseigentümer seit einigen Jahren nicht mehr an den Bezirksschornsteinfeger gebunden. Die hoheitlichen Aufgaben, wie die Feuerstättenschau und das Führen eines Kehrbuches obliegen aber weiterhin dem Bezirksschornsteinfegermeister.
Künftig wird Schornsteinfegermeister Andreas Saier den Kehrbezirk Brigachtal innehaben. Bild: Andreas Saier
Künftig wird Schornsteinfegermeister Andreas Saier den Kehrbezirk Brigachtal innehaben. Bild: Andreas Saier
  • Eine Ära geht zu Ende: Heute, am 31. Dezember, endet nun, was das Kaminkehren betrifft, für Brigachtal die Ära Peter Weschle. Er betreute 34 Jahre lang einen Kehrbezirk, zu dem auch Brigachtal gehört. Andreas Saier aus St. Märgen hat diesen Kehrbezirk nun vom Landratsamt übertragen bekommen. „Es waren sehr schöne Jahre hier in Brigachtal und ich bedanke mich für die tolle Kundschaft und das Vertrauen!“, so Peter Weschle, der sich im Ruhestand seiner Schäferhundezucht widmen wird.