Wunderbarer Duft von Zitronenmelisse oder Lavendel liegt beim Gartenhäuschen der Familie Ritzmann in Kirchdorf in der Luft. Dort im Garten sind Klothilde Ritzmann und ihre Nichte Cornelia Simon gerade damit beschäftigt, aus Kräuterzweigen, Getreideähren und Blumen kleine Sträuße zu binden. Am Donnerstag ist das katholische Kirchenfest Mariä Himmelfahrt, erklärt Ritzmann. „Und an diesem volkstümlichen Kirchentag ist gleichzeitig auch Kräuterweihe“, ergänzt Simon.

Jahrhundertelanger Brauch

Dieser religiöse Brauch ist schon seit dem 7. Jahrhundert bekannt und hat in den letzten Jahren wieder mehr an Bedeutung gewonnen. So auch bei Klothilde Ritzmann, der passionierten Kräuterfrau aus dem Brigachtal. „Ja das stimmt, vor weit über 20 Jahren haben wir damit angefangen, an Kirchweih ein paar Sträuße zu binden“, sagt Ritzmann. Die Resonanz sei damals überwältigend gewesen, erinnert sie sich.

100 Sträuße für die Segnung

Zwischenzeitlich binde sie an die 100 Sträuße, die dann vor der Kirche an die Kirchenbesucher verteilt werden. Im Anschluss werden diese am heutigen Donnerstag, um 18.30 Uhr, in der Allerheiligen-Kirche während des Gottesdienstes durch Pfarrer Ernst Gigelhorn gesegnet. Damit sie genügend Sträuße zusammenbekommen, sind Ritzmann und ihre Nichte schon seit Dienstagmorgen damit beschäftigt, typische Kräuter aus heimischen Gärten wie Johanniskraut, Schafgarbe, Lavendel, Pfefferminze, Zitronenmelisse und Salbei sowie verschiedene Getreidesorten und ein paar Blumen zu Sträußen zusammenzubinden.

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Kräuter aus dem eigenen Garten

Früher seien die Sträuße noch viel größer gewesen, erinnert sich Ritzmann an ihre Kindertage. Oft wurden auch imposante Königskerzen als schmückender Mittelpunkt des Straußes verwendet. Auch Thymian, Baldrian oder Eisenkraut und sogar gelbe Rüben oder Zwiebeln wurden eingebunden, was heute eher an Erntedank beliebt sei, wissen die Damen. Die verwendeten Kräuter wachsen im eigenen Garten, auf Feldern oder Wiesen. Es wird also nichts dazu gekauft, versichern sie. Hilfe beim Sammeln haben sie von Kurt Ritzmann, der in der Gegend oft mit dem Fahrrad unterwegs ist.

Sträuße zum Mitnehmen

Zwischenzeitlich ist eine ganze Schüssel mit kleinen Sträußen gefüllt. Auch einige hängende Gebinde, verziert mit einer Juteschleife, sind zu sehen. Diese seien eher bei der jüngeren Generation beliebt, so Ritzmann. Nach der Weihe sind die Sträuße dann eine Zierde für jedes Heim, können in Vasen oder hängend an Türen und Wänden angebracht werden. „Früher sagte man, dass sie sogar Blitz und Donner abhalten“, sagt Ritzmann.