Die Sozialdemokraten im Landtagswahlkreis Freiburg I schicken Walter Krögner ins Rennen.

 

 

Wer er ist: Walter Krögner hat eine besondere Vita, um die ihn so mancher beneiden würde. Der 52-Jährige ist in der Musikstadt Salzburg geboren und in der Hansestadt Lübeck aufgewachsen – beides UNESCO-Weltkulturerbe- Städte. „Ich bin sehr gerne in beiden Städten, aber einen Aufenthalt dort lässt mein dicht gefüllter Zeitplan nur selten zu“, bedauert der studierte Diplom-Forstwirt. Seit 1992 lebt Krögner in der Schwarzwaldstadt Freiburg und das mit immer großer Begeisterung. „Mir gefallen die Stadt, der Breisgau und der Hochschwarzwald“, betont Krögner. Das harmoniert auch mit seiner Arbeit im Regierungspräsidium als Projektleiter für das Biosphärengebiet Südschwarzwald. Besonders gerne mag der große Naturliebhaber die vielfältige Gebirgslandschaft des Südschwarzwaldes und die Möglichkeit, dort auch den Schnee zu erleben. Wenn es der dichtgefüllte Terminkalender erlaubt, schnürt er seine Wanderschuhe, um mit Freunden die Wälder auf den Schwarzwaldhöhen oder die Rheinebene zu erkunden. „Ja, und wenn das Wetter gut ist, arbeite ich auch schon mal ganz gerne in meinem Schrebergarten“, verrät der ehemalige Bio-Nebenerwerbslandwirt, der mit mehr oder weniger Erfolg auf seinen Feldern Bio-Himbeeren anbaute. „Heute habe ich leider keine Zeit mehr dafür“, bedauert der langjährige Freiburger Gemeinderat, der nie ein großes Geheimnis um seine Homosexualität gemacht hat. Seit 2012 lebt Krögner mit seinem brasilianischen Partner glücklich in einer eingetragenen Lebensgemeinschaft. Seit er mit ihm zusammen ist, gehören Hähnchen, die auf brasilianische Art gefüllt sind, zu den Favoriten auf der Speisenkarte. „Im süßen Bereich stehen bei mir Marillenknödel an erster Stelle“, verrät er seine Schwäche für Süßes. Im Wahlkampf ist Krögner schon ziemlich erfahren, wenn es auch das letzte Mal nach dreijähriger Zugehörigkeit im Landtag nicht geklappt hat. Aufgeben ist nicht seine Sache. Aber Überzeugungsarbeit braucht es schon. Manchmal vermisst er die Ostsee. „Doch der Bodensee ist auch ein wenig wie das Meer“, lacht der bekennende Pazifist und verteilt Tütchen mit Blütensamen. Darauf ist der SPD-Mann mit einer roten Mütze zu erkennen. Der Slogan auf den Tütchen „Unser Rotkäppchen für den Schwarzwald“ ist bei einer Wanderung entstanden. Er sucht Bürgernähe. Seine Arbeit als Stadtrat in der Breisgaustadt, bei der er sich mit einem von ihm initiierten Bürgerentscheid zum Erhalt der städtischen Wohnungen durchgesetzt hat, hat ihm dabei geholfen. Krögner ist in der vierten Periode Stadtrat und besitzt viele soziale Kontakte. „Leute treffen und kennen, das macht Heimat aus“, erklärt der bekennende Freiburger sein Gefühl, ein Badener zu sein.

 

Was ihn antreibt: „Ich möchte, falls ich in den Landtag gewählt werde, die Möglichkeit nutzen, das, was uns vorantreibt, umzusetzen“, unterstreicht Krögner. Außerdem findet er die Tätigkeit im Landtag als sehr lehrreich, weil man als Abgeordneter mit allen Dingen, die das Leben betreffen, zu tun hat. Dazu gehört für ihn auch der Einsatz für die Menschen und die Gerechtigkeit in einer intakten Umwelt und Natur. Das sozialdemokratische Verständnis Krögners, der seit 1987 Parteimitglied ist, entwickelte sich schon früh. „Ich bin in einer Wohngegend mit Genossenschaftswohnungen aufgewachsen und dort war das Abitur nicht unbedingt normal und das Interesse für Politik war auch kein Thema“, erzählt er. Schon damals hat der studierte Forstwirt erkannt, dass man sich für den Abbau sozialer Unterschiede einsetzen muss. „Schließlich sollen alle Menschen würdevoll leben können“, unterstreicht er seine Philosophie.

 

Was er anstrebt: Krögner sieht seinen Wahlkreis als den Schönsten an. „Er ist so vielfältig; mit Weinbaugebieten im Glottertal bis zum Höchsten auf dem Feldberg, vom Hauptbahnhof Freiburg bis zehn Kilometer vor der Grenze bei Schaffhausen und vom Rheintal in den Hotzenwald“, verdeutlicht er die Vielschichtigkeit seines Wahlkreises und die damit verbundenen Herausforderungen. „Ich möchte den Menschen unserer Region eine Stimme in Stuttgart geben und mit dazu beitragen, dass soziale Unterschiede abgebaut werden“, unterstreicht er sein sozialpolitisches Engagement. Sein wichtigstes Thema ist der Wohnungsbau. „Die Wohnungsnot in Freiburg und seiner Umgebung ist groß“, erklärt Krögner, der sich dafür engagieren möchte, dass Wohnungsbau wieder bezahlbar wird und dafür, dass es wieder mehr geförderte Mietwohnungen gibt. „Wir müssen in den gesellschaftlichen Zusammenhalt investieren und dazu gehören auch faire Arbeitsbedingungen“, erklärt er die Zusammenhänge. Beides zusammen ist für ihn die Basis für ein würdevolles Dasein der Menschen. Ein großes Anliegen ist ihm die regenerative Energieversorgung. „Wir müssen sorgsam mit unseren Ressourcen umgehen“, appelliert er. Genauso erinnert er an die große Verantwortung und Achtsamkeit der Menschen für ihre Mitlebewelt. Als Biosphärenmitarbeiter sieht er im Biosphärengebiet eine große Chance für den Hochschwarzwald, weil durch die angestrebte internationale Anerkennung durch die UNESCO der Blick auf den Südschwarzwald gelenkt werde. Außerdem informiert er, dass das Ziel der Projekte innerhalb des Biosphärengebietes die Nachhaltigkeit sei. „Um die Projekt-Anforderungen in den nächsten zehn Jahren entsprechend umzusetzen, gibt es die Geschäftsstelle Biosphärengebiet, die dabei beratend und unterstützend mitwirkt“, bietet er die Hilfe zur Umsetzung von Projekten an. Für Krögner ist die flächendeckende Schulversorgung eine Grundvoraussetzung dafür, dass der ländliche Raum für Menschen und Arbeitgeber attraktiv bleibt und ist. Dazu gehören für ihn auch Gemeinschaftsschulen. Für den Sozialdemokraten die beste Schulart, weil sie gemeinsames Lernen auf modernen Grundlagen umsetzt und durch den Ganztagesunterricht, aus purer Schulzeit wertvolle Lebenszeit wird. Außerdem bietet sie Eltern mehr Freiräume und bessere Berufsmöglichkeiten. „Allerdings ist der Hochschwarzwald diesbezüglich noch ein weißer Fleck“, bedauert er. Auf die Landwirtschaft und auf die Biobetriebe in seinem Wahlbezirk eingehend, steht Krögner für ihre Erhaltung und Förderung, gegebenenfalls durch eine Erhöhung der Subventionen, um auf Biobetriebe umzustellen oder diese beizubehalten. „Grün-Rot ist den jahrelangen Forderungen auf eine stärkere Unterstützung der Höhenlandwirtschaft, wie sie im Südschwarzwald größtenteils vorhanden ist, entgegengekommen und dieser Weg sollte auch beibehalten werden“, betont er. Was den weiteren Ausbau der B 31 angeht, ist es dem langjährigen Freiburger Gemeinderatsmitglied wichtig, dass angesichts des ständig zunehmenden Lastwagenverkehrs, endlich die Ausstattung mit Rast- und Toilettenanlagen angegangen wird. Uneingeschränkt positiv steht Krögner der Elektrifizierung der Höllentalbahn gegenüber. „Allein der Wegfall der Umsteigenotwendigkeit vom Elektro- zu Dieselzug ist ein enormer Qualitätsgewinn, der Verspätungen in Zukunft verhindert“, betont er. Dadurch werde der Bahnbetrieb zuverlässiger und attraktiver sowie die Nachfrage stärker, was sich auch auf den Bevölkerungsrückgang auswirken könne und vielleicht sogar einen Zuwachs mit sich bringt. „Eine Realisierung sollte so schnell wie möglich umgesetzt werden, weil mehr umweltfreundliche Verkehrsträger benötigt werden, wozu auch die elektrifizierte Bahnverbindung gehört“, forderte der SPD-Kandidat für den Wahlkreis 46 Freiburg I.

 

Wie er die Lage einschätzt: Mit den Umfragen geht Krögner leger um, obwohl die SPD nach den Wählerumfragen schwächelt. „Umfragen sind Umfragen“, sagt er. „Wir kämpfen bis zum 13. März, damit unser Land auch die nächsten fünf Jahre gut regiert wird und weiterhin auf einem fortschrittlichen Kurs bleibt“, unterstreicht Krögner. Mit Blick auf die Parteienlandschaft meint der erfahrene Politiker, dass es so aussieht, dass der neue Landtag mehr Parteien haben wird als bislang. Umso wichtiger sei es deshalb, die Ängste der Menschen ernst zu nehmen und ihnen Perspektiven aufzuzeigen. Für den Freiburger Sozialdemokraten ist eins ganz klar. „Es gibt keine einfachen Lösungen beziehungsweise Antworten auf die aktuellen Herausforderungen, wenn sie menschengerecht sein sollen.“

 

 

Bewerber-Check

Wer sind die Landtagskandidaten von CDU, Grünen, SPD, FDP, AfD und Linke im Wahlkreis 46 Freiburg I? Woher kommen sie, für was stehen sie, was sind ihre Ziele?

 

Der SÜDKURIER stellt in seiner Serie Kandidaten im Porträt die Bewerber vor: Klaus Schüle (CDU), Reinhold Pix (Grüne), Walter Krögner (SPD), Jens Buttkereit (FPD), Andreas Juschkat (AfD) und Lothar Schuchmann (Die Linke).