Eine Eigenschaft von Krisen ist es auch, dass sie die Kreativität der Menschen, die sie durchstehen müssen beflügelt. Sei es in künstlerischer, wie in technischer Hinsicht. So ergeht es auch den Betrieben auf der Baar. Viele haben Kurzarbeit, Material fehlt, der Zulieferer kann die Versorgung nicht mehr gewährleisten. Dann ist es Zeit, andere Wege zu gehen.

Selbst entwickelt

So wie es die Bräunlinger Firma Fall-Tec tut. Das Unternehmen ist eigentlich auf das Herstellen von Absturzsicherungen für das Arbeiten in der Höhe spezialisiert. Es ist noch recht jung und besteht seit 2018. Zwölf Mitarbeiter sind dort beschäftigt. In der Corona-Krise hat man sich dort auch mit etwas anderem beschäftigt: einer neuartigen Hygienesäule.

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„Angefangen hat es mit der Anfrage eines Bekannten. Er hat einen Standardspender für Desinfektionsmittel gekauft und wollte eine Edelstahlsäule dafür haben. Die waren aber über Wochen nicht verfügbar. Also hat er uns gefragt“, erklärt Andreas Holzer, Betriebsleiter von Fall-Tec. „Wir haben dann gesagt: In Ordnung, wir bauen das selbst.“

Es wird getüftelt

Dann begann das Tüfteln: „Wir haben zuerst überlegt, was die Säule können muss?“ Die Mindestmenge an Desinfektionsmittel laut Hygienegesetz muss hineingehen, es muss ohne Stromversorgung funktionieren und das Ganze dann auch berührungslos. „Wer weiß denn schon alles, das man eigentlich mit dem Ellbogen auf den Spender drücken sollte?“. Bei Fall-Tec geht das über ein Fußpedal, die Hände werden nicht benötigt. Lediglich, um sie zu desinfizieren.

Täglich eine neue Idee

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Vor etwa zwei Wochen habe man mit der Arbeit begonnen. Und jeden Tag sei eine neue Idee hinzugekommen, die in das Gerät floss. Mittlerweile sei der Prototyp soweit, dass er auf den Markt gehen könne: „Auf die Säule geht auch ein Standardspender.“ Dahinter stehe auch der Gedanke, dass die Corona-Situation noch eine ganze Weile andauern werde: „Was ist die Zukunft? Covid-19 wird uns sicher noch die kommenden zwei bis drei Jahre begleiten. Der Mundschutz ist gut, aber wie sieht es im öffentlichen Bereich mit Desinfektionsmöglichkeiten aus, in Parks etwa, oder an Bushaltestellen, im Einkaufszentrum?“, so Holzer.

Nach vorne schauen

„Wir wollten nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern nach vorne schauen“, sagt er. In der Krise sei das überlebensnotwendig. „Die Seuche bekommen wir nur in den Griff, wenn wir gemeinsam etwas bewegen.“ Die Hygienesäule komme daher mit einer mechanischen Pumpe aus. Das Pumpsystem dafür mussten sich die Tüftler ebenfalls selbst erschließen. „Das geht ohne Strom, es sind keine Batterien notwendig. Man könnte die Säule in den Wald stellen und jeder könnte sich dort die Hände desinfizieren.“ Es benötige weder Kolben noch Dichtungen und ist somit leck- und wartungsfrei. Das Edelstahlgerüst lasse sich fest im Boden verdübeln, könne außerdem mit größeren Desinfektionsbehältern befüllt werden. „Je nachdem eben, wo es aufgestellt wird.“ Konzipiert für einen dauerhaften Einsatz im öffentlichen Raum.

Nicht so weit weg

Und so weit weg sei die Säule gar nicht von der üblichen Arbeit: „Wir bauen Absturzsicherungen. Und im Prinzip ist diese Säule auch eine Art Sicherung“, sagt der Betriebsleiter. Etwa auf Baustellen, wo das Desinfektionsmittel bereits regelmäßig gestohlen werde. „Auch dort wird es immer mehr kommen, dass Desinfektionsmittel notwendig ist,“ so Holzer. Und die Edelstahlsäule ist so gebaut, dass das Desinfektionsmittel fest in ihr sitzt, gesichert mit einem Schloss.

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„Ich hoffe, wir sind mit der Säule auf einem guten weg. Die Anfragen bestätigen das allerdings schon.“ Davon gebe es sehr viele. Die ersten Anrufe gehen auch schon ein: „Die Frage ist immer, wann könnt ihr liefern, wie viele soll es kosten?“

Man sei ein Unternehmen und wolle damit auch Geld verdienen: „Klar, aber es ist auch eine innere Genugtuung, dass wir so etwas selbst herstellen konnten“, sagt Holzer.