Wie sich Gebäude, Straßenzüge und Häuserzeilen in den zurückliegenden 100 Jahren in Bräunlingen verändert haben, wo neue Projekte gebaut oder Gebäude abgerissen wurden, das kann jeder Interessierte anhand älterer Bilder und Postkarten sehr gut sehen. Etliche ältere Bräunlinger kennen noch das alte Stadtbild aus ihrer Kinder- und Jugendzeit, wobei durch die historischen Ansichten wie Fotos und Zeichnungen oft frühere, inzwischen abgerissene Gebäude wieder in ihre Erinnerung zurückgerufen werden.

Fasziniert von historischen Dokumenten der besonderen Art: Johannes Moser sammelt schon seit Jahrzehnten alte Postkarten von Bräunlingen.
Fasziniert von historischen Dokumenten der besonderen Art: Johannes Moser sammelt schon seit Jahrzehnten alte Postkarten von Bräunlingen. | Bild: Dagobert Maier

Johannes Moser aus Bräunlingen hat schon seit seiner Jugendzeit immer wieder alte Postkarten mit Motiven seiner Heimatstadt gesammelt und diese mit den Veränderungen in den letzten über 100 Jahren bis in den aktuellen Bebauungsstand verglichen. Inzwischen hat er eine beachtliche Sammlung älterer Bräunlinger Postkarten, meist in schwarz-weiß, gesammelt, wobei die ältesten Fotografien aus den Jahren1907 und 1908 stammen.

Freiflächen, die es heute nicht mehr gibt: Die älteste Aufnahme aus dem Jahre 1907 lässt gut den Zubau in den letzten über 100 Jahren erkennen. Repros: Dagobert Maier
Freiflächen, die es heute nicht mehr gibt: Die älteste Aufnahme aus dem Jahre 1907 lässt gut den Zubau in den letzten über 100 Jahren erkennen. Repros: Dagobert Maier | Bild: Repro: Dagobert Maier

Interessant sind oft neben dem historischen Bild auf der Vorderseite auch die Grüße, Informationen und Hinweise auf der Rückseite der Postkarte. Verschiedene der historischen Funde von Johannes Moser zeigen, dass einige Karten als Feldpost aus dem Zweiten Weltkrieg geschrieben wurden, was oft das einzige Lebenszeichen einiger Soldaten an ihre Familien war.

„Als Jugendlicher bin ich durch Zufall auf eine Fotoschachtel mit alten Postkarten und Bildern von meinen Eltern gestoßen und habe diese genauer angeschaut“, erzählt Johannes Moser. „Ich fand diese älteren Dokumente sehr interessant und ich habe mich mit diesen Aufnahmen näher beschäftigt.“

Die monumentale Gedächtniskapelle prägte das Erscheinungsbild auf dem Friedhof stark mit.
Die monumentale Gedächtniskapelle prägte das Erscheinungsbild auf dem Friedhof stark mit. | Bild: Repro: Dagobert Maier

Moser hatte einen kleinen Schatz entdeckt, der ihn immer mehr faszinierte. Er geht davon aus, dass seine Vorfahren „schon damals den Wert der historischen Aufnahmen erkannt haben und die Bilder deshalb gut lagerten“. Moser begann zu sammeln, bekam in den nächsten Jahren immer wieder neue historische Aufnahmen dazu, etwa von Verwandten und Bekannten.

Die Suche nach neuen, aufregenden Fundstücken führt Johannes Moser auch auf Auktionen, Flohmärkte und Ausstellungen, unter anderem in Stuttgart oder Straßburg. „Dort sind auch immer wieder gute historische Aufnahmen von Bräunlingen zu finden“, erklärt er. Er finde dort Postkarten „mit alten Ansichten, deren Alter bis in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg reichen.“

Diese Brunnenanlage auf dem Friedhof wurde vor etlichen Jahrzehnten abgebaut.
Diese Brunnenanlage auf dem Friedhof wurde vor etlichen Jahrzehnten abgebaut. | Bild: Repro: Dagobert Maier

Etliche Profihändler hätten ihr Angebot nach Postleitzahlen geordnet. „Auch dadurch habe ich einige von Bräunlingen gefunden.“ Der Reiz der besonders alten Aufnahmen: „Viele der Postkarten in meiner Sammlung sind Ansichten von der Kernstadt, die niemand der heutigen Bräunlinger aus eigener Ansicht kennt und schon deshalb interessant sind, da schon seit zum Teil Jahrzehnten neue Gebäude auf dem Grundstück stehen. Oft hatten die Straßen keine größere Befestigung, sondern sahen aus wie bessere Feldwege, über die das Vieh zum Tränken an die Brunnen getrieben wurde.“

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Nicht selten ist nicht genau festzustellen, in welchem Jahr die Postkarte aufgenommen wurde. Dann schaue er sich die Aufnahme genau an und vor allem darauf, welche Gebäude damals noch nicht vorhanden waren, erklärt Moser. Zum Beispiel das alte Schulhaus, das 1912 gebaut wurde, die alte Kinderschule, oder auch der Bau des Hallenbades, der Stadthalle oder des heutigen Kindergartengebäudes. Auch auf dem Bräunlinger Friedhof gab es in den Jahren immer mehr Veränderungen, etwa am früheren Ehrenmal und mit der Brunnenanlage auf dem Platz der heutigen Urnenwand.

So sah die Kernstadt von Bräunlingen 1939 kurz vor Kriegsbeginn aus.
So sah die Kernstadt von Bräunlingen 1939 kurz vor Kriegsbeginn aus. | Bild: Repro: Dagobert Maier

Interessant sind auch die Mehrbilderpostkarten, die mehrere Bräunlinger Motive zeigen. Dabei ist das Stadttor in verschiedenen Jahrgangsstufen, die Schulgebäude, die Mutterkirche der Baar und etliche Gesamtansichten der Bräunlinger Kernstadt zu sehen. Auch Bilder vom Grafenbräu, dem Rebstock, dem Ottilienberg und dem Großherzog-Friedrich-Denkmal wurden für Postkarten gemacht. Sogar eine Einladungskarte zur Hochzeit mit der Stadtkirche als Bildmotiv aus dem Jahr 1929 ist unter den Postkarten zu finden.

Johannes Moser macht das Sammeln von alten Postkarten als eines seiner Hobbys viel Spaß und je nach Karten bringen sie ihm immer wieder neue Infos über das frühere Aussehen des alten Zähringerstädtchens Bräunlingen. Johannes Moser freut sich, wenn Bräunlinger Bürger, die noch alte Postkarten zu Hause haben, mit ihm in Kontakt treten. Er könnte sich auch einen Tausch von Karten vorstellen.