Die Bräunlinger schreiben drei Dinge groß: Die Bedeutung des Städtles, das Festen und die Gemeinschaft. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass die Kilbig quasi als örtlicher Nationalfeiertag gilt. Denn schließlich kann man sich da im Städtle treffen und gemeinsam feiern. Das ist schon seit Jahrhunderten so und eigentlich wäre in diesem Jahr das 663. Mal gewesen. Und so schmerzt es die Bräunlinger Seele doch sehr, dass in einem Jahr gleich mit dem Straßenmusiksonntag, dem Marathon und der Kilbig alle beliebten Großveranstaltungen in der Zähringerstadt der Corona-Pandemie zum Opfer fallen.

Bierfassrollen: Bei der großen Kilbig gilt der Veranstaltungspunkt als Publikumsmagnet. Doch auch der Bräunlinger Nachwuchs weiß schon, worauf es ankommt.
Bierfassrollen: Bei der großen Kilbig gilt der Veranstaltungspunkt als Publikumsmagnet. Doch auch der Bräunlinger Nachwuchs weiß schon, worauf es ankommt. | Bild: Jakober, Stephanie

Doch nicht alle müssen auf die Kilbig verzichten, denn im Kindergarten St. Vinzenz muss der Nachwuchs nicht auf die beliebte Traditionsveranstaltung verzichten. Vor dem Kindergarten steht ein Karussell, auf dem die Kinder mit Freude im Kreis gedreht werden, immer höher geht es hinaus. Auf der anderen Seite wird sich eifrig im Bierfassrollen geübt – schließlich ist ja irgendwann auch mal wieder richtige Kilbig und da muss der Nachwuchs schon einmal bestens ausgebildet sein für den Veranstaltungspunkt, der immer die Massen anlockt. Wettnageln gibt es und auch Dosenwerfen. Und eine richtige Landmaschinen-Ausstellung darf nicht fehlen: Am Rand stehen ordentlich aufgereiht bestimmt 20 Traktoren in einer Reihe.

Wer gewinnt: Auch ein Losverkauf gehört dazu. Wobei es die Lose dieses Mal umsonst gibt, doch es warten trotzdem kleine Gewinne auf die Kinder.
Wer gewinnt: Auch ein Losverkauf gehört dazu. Wobei es die Lose dieses Mal umsonst gibt, doch es warten trotzdem kleine Gewinne auf die Kinder. | Bild: Jakober, Stephanie

„Normalerweise gehen wir am Montag ja immer mit den Kindern auf die Kilbig“, sagt Nicole Distel, Erzieherin im St. Vinzenz. Doch wenn keine Kilbig ist, kann man sie auch nicht besuchen. „Wir versuchen, das Beste aus der aktuellen Situation zu machen“, sagt Distel und fügt hinzu: „Gerade in Zeiten, die so schwierig sind, wollen wir den Kindern auch Spaß bieten.“ Und nicht nur beim Nachwuchs kommt die Kindergarten-Kilbig gut an, sondern auch bei den Eltern.

Zu einer richtigen Kilbig gehört natürlich auch eine Landmaschinenausstellung dazu und die hat in diesem Jahr jede Menge Traktoren zu bieten. Bilder: Stephanie Jakober
Zu einer richtigen Kilbig gehört natürlich auch eine Landmaschinenausstellung dazu und die hat in diesem Jahr jede Menge Traktoren zu bieten. Bilder: Stephanie Jakober | Bild: Jakober, Stephanie

Für die Landmaschinen-Ausstellung beispielsweise wurden viele Traktoren von zuhause mitgebracht und sie werden auch noch ein paar Tage da bleiben, denn so eine richtige Kilbig dauert ja auch nicht nur einen Tag. Doch es gibt auch einen Corona-Hintergrund: „Normalerweise hätten wir so etwas ja mit allen Kindern gleichzeitig gemacht. Aber Corona-bedingt müssen wir die Kilbig in Gruppen feiern“, erklärt Distel, während die Bienenkinder sich auf der Kilbig vergnügen. Am Montag sind dann die Eidechsen- und Eichhörnchenkinder und am Dienstag die Schmetterlingskinder an der Reihe.

Wer schlägt am schnellsten den Nagel in der Holzklotz.
Wer schlägt am schnellsten den Nagel in der Holzklotz. | Bild: Jakober, Stephanie

Natürlich geht es bei der Kilbig nicht nur ums Spaß haben, sondern um eine lange Tradition: „Wir erarbeiten im Vorfeld mit den Kindern immer die Kilbig“, erklärt Distel. Dazu gehören auch die Kilbig-Sprüchle und normalerweise das Kilbig-Lied – bloß das mit dem Singen ist aktuell auch so eine Sache. Aber vielleicht nächstes Jahr wieder, wenn dann wirklich die 663. Kilbig stattfinden kann? Währenddessen bleibt ein älterer Herr auf dem Gehweg stehen, lässt seinen Blick über den Hof wandern und begutachtet die Traktoren-Ausstellung und man spürt seine Kilbig-Sehnsucht.

Der Gewinn: ein „Popo-Rutscher“.
Der Gewinn: ein „Popo-Rutscher“. | Bild: Jakober, Stephanie

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