Ein ganz besonderes Stück wurde den Besuchern des Kelnhof-Museums am Sonntag vorgestellt. In liebevoller Kleinarbeit hat Anita Wernick aus Allmendshofen einen alten Gambrinus-Musikautomaten wieder zum Leben erweckt. Peter Pfaff hat behutsam die Farben erneuert.

Von Lochmann‘schen Musikwerken in Leipzig hergestellt

Das Symphonion Nr.25G wurde ab 1894 in den Lochmann‘schen Musikwerken in Leipzig hergestellt. Um 1900 gehörte es zur Ausstattung von Kneipen und gilt als einer der Vorgänger der Juke-Box. Das eigentliche Laufwerk ist in einem kleinen Eichenfass untergebracht, auf dem eine riesige Terracotta-Figur des „Biergotts“ Gambrinus thront, die 13 Kilogramm wiegt. Das Gerät kostete damals stehend 135 Mark, das Untergestell dazu kostete 40 Mark, zum Aufhängen kostete es 110 Mark.

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Bei Zahlung innerhalb von 14 Tagen gab es 6 Prozent Rabatt. Die Gambrinus-Figur gab es in verschiedenen Ausführungen. Beim Bestellen musste man auch wählen, mit welchen Münzen der Automat betrieben werden soll. Im vorliegenden Fall sind es 5 Pfennig. Die Musik kommt von einer gelochten 11 3/4-Inch Disc, die man wechseln kann. Die Platte wird von einem Laufwerk angetrieben, das man aufziehen muss. Der Hersteller bewarb das Symphonion damals als „Effektvolles dekoratives Schaustück von großer Anziehungskraft“. Heute gibt es weltweit nicht mehr viele Exemplare.

In ehemaliger Brauerei in Riedöschingen entdeckt

Anita Wernick entdeckte das gute Stück 2003 in einer ehemaligen Brauerei in Riedöschingen. Hier hatte es 1924 sogar einen Brand auf dem Speicher überstanden und war in einem dementsprechend schlechten Zustand. Viele Teile der Tonfigur waren abgebrochen oder nicht mehr vorhanden, so wie die Beine, ein Fuß fehlte. In der Krone fehlten Teile, der Bierkrug war nicht mehr vollständig. Und auch die Mechanik funktionierte nicht mehr. Und so lag die alte Musikbox über ein Jahrzehnt in ihrer Werkstatt, bevor sie das Projekt schließlich 2015 in Angriff nahm.

Viele Teile nachmodelliert

Viele kleine Teile musste die Töpfermeisterin aus Ton nachmodellieren, aber auch oft verwerfen, weil sie nicht perfekt passten. Denn dabei sei zu beachten, dass der Ton einen gewissen Schwund habe. Doch nach und nach nahm der Gabrinus wieder seine ursprüngliche Form an. Schließlich gab ihm Peter Pfaff den letzten Schliff, indem er die alten Farben rekonstruierte und behutsam nacharbeitete. So braucht es heute viel Fantasie, um ersetzte Teilstücke der hohlen Figur zu erkennen.

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Ziemlich schwierig war auch das Restaurieren der eigentlichen Musikmaschine, sie war in einem desolaten Zustand. In Waldkirch fand Anita Wernick eine Orgelfabrik, die sich daran wagte, es einfach probieren wollte. „Es dauerte zwar ein Jahr, aber es hat geklappt“, freut sie sich. Schließlich musste noch das Untergestell erneuert werden, das übernahm die Holzwerkstatt Schmid in Bräunlingen. Das sei gar nicht so einfach gewesen, berichtet Peter Pfaff, denn das Fass ist konisch. Doch auch das ist sehr gut gelungen. „Was soll mit dem seltenen Stück geschehen? Darauf möchte sich Anita Wernik noch nicht festlegen.

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