Der Ortschaftsrat Mistelbrunn will von Feuchtigkeit bedrohte Teile der historischen Kapelle St. Markus retten. In seiner Sitzung in der Unterbränder Brändbachhalle stimmt er einstimmig für eine Kostenbeteiligung der Stadt Bräunlingen an der Beseitigung der Feuchtigkeitsschäden.

Die Maßnahmen müssen dringend umgesetzt werden: Das Kulturdenkmal beheimatet Fresken aus dem 13. Jahrhundert, die durch die anhaltende Feuchtigkeit in Mitleidenschaft gezogen werden können.

Ortvorsteher Norbert Knöpfle zeigt auf eine Stelle, an der sich der Putz schon löst.
Ortvorsteher Norbert Knöpfle zeigt auf eine Stelle, an der sich der Putz schon löst. | Bild: Lutz Rademacher

Die Kirchengemeinde Donaueschingen ist auf die Stadt Bräunlingen zugekommen und hat um Unterstützung zur Sicherung des Kulturgutes gebeten. Eine der Ursachen für das Problem liegt im Vorplatz, der im Besitz der Stadt ist und 2010/11 neu gestaltet wurde. Damals wurde die Oberflächenentwässerung unzureichend geplant und gebaut.

Dadurch leitet der Vorplatz das Oberflächenwasser vom höher gelegenen Gelände Richtung Kirchengebäudegiebel ab, der an der tiefsten Stelle liegt. Das Mauerwerk besitzt keine eigene Bauwerkabdichtung, das Wasser fließt von den Pflastersteinen teilweise ins Mauerwerk statt in die darunter liegende Drainage. Es fließt in die Mauerfundamente und steigt dort nach oben auf.

Auch aussen bröckelt der Putz durch eindringende Feuchtigkeit.
Auch aussen bröckelt der Putz durch eindringende Feuchtigkeit. | Bild: Lutz Rademacher

Bereits vor sieben Jahren waren erste Anzeichen entdeckt worden. Im Februar 2013 gab es eine Ortsbegehung mit Vertretern des Landesdenkmalamts, der Kirchengemeinde, dem erzbischöflichen Bauamt Freiburg, der Stadt und einem Restaurator.

Danach wurde ein Angebot zur Bestandssicherung eingeholt, diese Maßnahme wurde aber nicht weiter verfolgt. Inzwischen sind weite Bereiche des Sockels im Inneren der Kapelle angegriffen, im Giebelbereich platzt bereits ein Teil ab.

Auch an der Südwand der historischen Kapelle steigt die Feuchtigkeit immer weiter nach oben.
Auch an der Südwand der historischen Kapelle steigt die Feuchtigkeit immer weiter nach oben. | Bild: Lutz Rademacher

Im Jahr 2018 wurde das Thema wieder aufgegriffen. Als Sofortmaßnahme der Stadt wurde 2019 das Regenwasser des Vordachs, das auf den Vorplatz lief, anderweitig abgeleitet.

Die Entwässerung des Süddaches, die ebenfalls Feuchtigkeit verursachte, weil das Wasser dort in einen Schacht lief, der nicht ablief und einen Rückstau bildete, wurde mit einer provisorischen Leitung Richtung Rathäusle abgeführt.

Die Südseite der St.Markus Kapelle mit ihren Fresken. Ein nicht ablaufendes Regenrohr außen bringt Feuchtigkeit in die Fundamente.
Die Südseite der St.Markus Kapelle mit ihren Fresken. Ein nicht ablaufendes Regenrohr außen bringt Feuchtigkeit in die Fundamente. | Bild: Lutz Rademacher

Ziel der Kirchengemeinde war es, zusammen mit dem Landesdenkmalamt einen Sanierungsfahrplan zu erstellen und eine umfangreiche Sanierung durchzuführen. Hierzu hat die Gemeinde bereits 24.000 Euro aufgewendet, ein Vorprojekt mit Untersuchungen und Gutachten würde 90.000 Euro kosten.

Als Sofortmaßnahme der Stadt wird seit 2019 das Regenwasser des Vordachs, das auf den Vorplatz lief, provisorisch abgeleitet.
Als Sofortmaßnahme der Stadt wird seit 2019 das Regenwasser des Vordachs, das auf den Vorplatz lief, provisorisch abgeleitet. | Bild: Lutz Rademacher

Aufgrund der angespannten Finanzsituation auch bei der Kirchengemeinde wurde dieses Vorprojekt im Mai gestoppt. Stattdessen sollen auch in Absprache mit der Stadt Maßnahmen zur Behebung der akuten Feuchtigkeitsschäden getroffen werden. Die eigentliche Restaurierung soll zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Ziel nach mehreren Begehungen vor Ort auch mit dem Landesdenkmalamt ist es, 2021 Maßnahmen umzusetzen, um die Feuchtigkeitsproblematik abzumindern. Der Vorplatz muss so angepasst werden, dass das Wasser abfließt und nicht mehr ins Mauerwerk gelangt.

Die Südseite der St.Markus Kapelle mit ihren Fresken. Unten sieht man deutlich die Feuchtigkeitsschäden.
Die Südseite der St.Markus Kapelle mit ihren Fresken. Unten sieht man deutlich die Feuchtigkeitsschäden. | Bild: Lutz Rademacher

Die komplette Drainage und die Regenwasserleitungen werden erneuert, die Fundamente abgedichtet. Innen muss der beschädigte Sockelputz entfernt und erneuert werden.

Die Kirchengemeinde soll das Projekt verantworten, die Stadt sich anteilig an den Kosten beteiligen. Die Gesamtkosten: knapp 120.000 Euro. Davon entfallen 47.000 Euro auf Planungs- und Architektenarbeiten, 50.000 Euro auf denkmalschutzbedingte Mehrausgaben, diese sind zu rund einem Drittel förderfähig.

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In der vorgeschlagenen Kostenaufteilung sollen die Maßnahmen am Vorplatz bei der Stadt und am Gebäude bei der Kirchengemeinde angeordnet werden. Es würden 67.500 Euro auf die Kirchengemeinde Donaueschingen und 51.700 Euro auf die Stadt Bräunlingen entfallen.

Nach der Zustimmung des Mistelbrunner Ortschaftsrats müsste der Bräunlinger Gemeinderat das Geld nun noch den Haushalt 2021 einstellen. Dies wird Thema in der Gemeinderatsitzung am 24. November sein.