Es sei irgendwie eine Mischung zwischen Arbeit und Urlaub, schwärmt Sonja Gruhler. Seit Oktober vergangenen Jahres teilt sie sich mit ihrem Lebensgefährten Heiko Sorge die Arbeit als Platzwart des Campingplatzes am Kirnbergsee. Gemeinsam mit ihren beiden Kindern Julia und Otto bewohnen sie das Holzhaus hinter dem Strandcafé mit Blick über den See.

Jetzt schon heimisch

Zuletzt haben beide in der Gemeinde Malsburg-Marzell im Kreis Lörrach gelebt. Sonja Gruhler stammt ursprünglich aus Konstanz und wollte gerne wieder in Richtung ihrer Heimat ziehen. Unterbränd liegt etwa auf dem halben Weg und am Kirnbergsee ist sie schon heimisch: „Ich fühle mich einfach wohl an einem See.“ Ursprünglich hatte sie Einzelhandelskauffrau gelernt, später war sie unter anderem eine Zeit lang als Tierpflegerin im Vogelpark Steinen tätig. „Das war ein schöner Job, auch ein Saisonjob wie hier.“

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Allround-Handwerker

Wenn man Heiko Sorge nach seinen Beruf fragt, sagt er spontan: „Ich bin selbstständiger Allround-Handwerker.“ Aufgewachsen ist er in Zwickau und hat zuerst eine Ausbildung als Anlagentechniker in der Papierindustrie absolviert. Als die Fabrik nach der Wende verkauft wurde, bot man ihm eine Stelle im Ruhrgebiet an, doch das wollte er nicht. Er blieb seiner Heimatstadt treu und sagte sich: „Das wird schon werden.“ So absolvierte er eine zweite Lehre als Maler und Lackierer.

Als Fernfahrer

Mehr und mehr spezialisierte sich sein damaliger Arbeitgeber auf Altbau-Sanierungen und so eignete sich Heiko mit der Zeit verschiedenste Gewerke an. Nach über einem Jahrzehnt trennten sich die Wege, Heiko, der einen Lkw-Führerschein besitzt, heuerte bei einer Spedition an und wurde Fernfahrer. In dieser Zeit war er viel in Italien oder England unterwegs. Später wechselte er zu einer Spedition nach Lörrach und danach in die Schweiz.

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Auf die Baustelle

Irgendwann hat ihm das Fahren dann keinen Spaß mehr gemacht: „Man rennt den ganzen Tag rum und wird doch nie fertig.“ Das störte ihn, so wie auch die ständige Suche nach Parkplätzen oder das zunehmend aggressive Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer auf der Straße. So kam es ihm zu Gute, dass ein damaliger Arbeitgeber neu gebaut hatte und auf der Baustelle viele Arbeiten anfielen, für die er durch seine Erfahrung prädestiniert war. Im Jahr 2012 machte sich Heiko als Handwerker selbstständig, zunächst im Dreiländereck.

In den Vogelpark

Eines Tages kam dann ein Auftrag über Arbeiten an Sanitär und Heizung im Vogelpark Steinen. „Dann stand er auf einmal dauernd bei mir in der Futterküche“, lacht seine Lebensgefährtin. 2014 zogen die Beiden zusammen. Als dann Töchterchen Julia (4) auf die Welt kam, gab Sonja ihren Job auf, wenig später folgte der kleine Otto, der demnächst seinen dritten Geburtstag feiert.

Zu den Arbeiten von Heiko Sorge gehört auch die Pflege der Aussenanlagen des Campingplatzes am Kirnbergsee.
Zu den Arbeiten von Heiko Sorge gehört auch die Pflege der Aussenanlagen des Campingplatzes am Kirnbergsee. | Bild: Lutz Rademacher

Inserat zum Campingplatz

Eine Veränderung musste her, denn eine Familie braucht ein sicheres gleichmäßiges Einkommen, das man als Ich-AG nicht immer hat und die Frage: „Was passiert, wenn ich einmal ausfalle?“ Irgendwann wurden sie dann von Sonja Vater auf ein Inserat in der Zeitung aufmerksam gemacht, in der der Campingplatz einen Platzwart suchte.

Ein Riesen-Spaß

Schließlich wurden beide als Platzwartpaar eingestellt. Sonja kümmert sich hauptsächlich um die Rezeption, die Gäste, Heiko um die Platzpflege und die handwerklichen Arbeiten. Wenn man nach dem Saisongeschäft fragt, hat Sonja Gruhler keine Angst vor dem Sommer. Einen kleinen Vorgeschmack gab es in den Osterferien. Der Platz sei komplett voll gewesen, abends seien beide total fertig ins Bett gefallen, aber es habe einen Riesen-Spaß gemacht.

Arbeitsteilung

Man habe das Gefühl gehabt, dass es jeweils einfach ein toller Tag war. Allerdings springt an solchen Tagen Heiko Sorge in die Betreuung der Gäste mit ein, handwerkliche Tätigkeiten treten in den Hintergrund. Kurzum, die Beiden ergänzen sich und sind im flexiblen Einsatz. Und so kann man Sonja auch schon einmal auf dem Rasentraktor oder bei Pflegearbeiten auf dem Platz antreffen.

Und wie klappt das mit den Kindern?

„Julia geht schon in den Kindergarten, Otto kann ab Juni auch gehen“, antwortet Sonja, „im Notfall springen meine Eltern ein, die nur eine Stunde entfernt sind.“ Es gebe aber auch verschiedene Dauercamper, die sich regelmäßig von sich aus als Oma- oder Opa-Ersatz anbieten.

Sonja Gruler am Arbeitsplatz: Der Kontakt mit den Gästen in der Rezeption des Campingplatzes macht ihr besonders viel Spaß.
Sonja Gruler am Arbeitsplatz: Der Kontakt mit den Gästen in der Rezeption des Campingplatzes macht ihr besonders viel Spaß. | Bild: Lutz Rademacher

Und wenn die Saison um ist?

„Dann machen wir erst mal Urlaub“, sagt Sonja spontan. Doch Heiko bremst. Es sei noch sehr viel zu tun, es gebe auch einen gewissen Sanierungsstau auf dem Platz, den er Stück für Stück abbauen möchte. Auch im vergangenen Winter habe er immer etwas zu tun gehabt, gelangweilt habe er sich bisher noch nicht. Seine Selbstständigkeit laufe zwar noch als Nebenerwerb, doch dafür habe er aktuell keine Zeit, seine ganze Energie steckt er in den Campingplatz. Und er ist jemand, der eine Arbeit zu Ende führt, egal wie lange es dauert.

In 15 Jahren noch

Nebenher ist Heiko Sorge ein Feuerwehrmann mit Leib und Seele. Schon vor dem Umzug knüpfte er erste Kontakte zur Unterbränder Wehr. Die wiederum freut sich nun über einen ausgebildeten Mann als Verstärkung. Sonja Gruhler ist rundum zufrieden – „weil es so schön ist“ – „Vermutlich werde ich das in 15 Jahren immer noch machen. Wenn ich morgens die Sozialräume gereinigt und den Müll weggebracht habe, stehe ich manchmal eine Zeit lang dort unten am See und genieße es einfach.“