Die Kunstsammlung der Stadt Bräunlingen im Kelnhofmuseum umfasst Skulpturen, Gemälde und grafische Werke vom 13. Jahrhundert bis zur Gegenwart in erstaunlicher Qualität und Quantität. Diese Vielfalt wurde um zwei Gemälde des Dögginger Künstlers Ignaz Weisser erweitert: ein Selbstbildnis und ein Portrait seiner Frau Kreszentia.

Beide Bilder hat der Kulturförderverein Bräunlingen (KFV) von einem Donaueschinger Kunstliebhaber für einen niederen vierstelligen Betrag erworben und dem städtischen Kelnhofmuseum als Dauerleihgabe zu Verfügung gestellt.

Das erste Selbstbildnis

Bei der offiziellen Übergabe an das Kelnhofmuseum gab es viel Lob und Dank für die Spontanaktion. „Der KFV hat die beiden Bilder aus Privatbesitz auf Hinweis der Kuratorin Susanne Huber-Wintermantel erworben, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, sagte der Vorsitzende, Christof Reiner. Er betonte, dass bisher noch kein Selbstbildnis von Weisser in Bräunlingen zu sehen gewesen sei und erläuterte dessen Lebenslauf sowie den kulturhistorischen Hintergrund der Bilder, die sich gut in die Reihe der Weissergemälde im Kelnhofmuseum einreihen würden.

Bürgermeister Micha Bächle freut sich, dass das Kelnhofmuseum aufgrund der Leihgabe des KFV mit dazu beitrage, das Museum lebendig zu erhalten. Man könne sich kaum vorstellen, was es für ein Glück sei, wenn das Angebot, zwei Weisserbilder zu kaufen, an einen herangetragen werde, so Kuratorin Susanne Huber-Wintermantel. „Bisher war nirgendwo bekannt, wie der zu Lebzeiten sehr anerkannte und bedeutende regionale Künstler Ignaz Weisser aussah“, sagte sie.

Vortrag am 1. November

Sie lobte die künstlerischen Fähigkeiten von Weisser, die man auch an den individuellen Gesichtszügen der Portraits erkennen könne. Es gebe in der Biografie von Weisser einige „blinde Stellen“, die sie versuchen wolle, bei ihrem Kurzvortrag am 1. November im Kelnhof etwas aufzuhellen.

Herbert Laule verlas Auszüge aus einem historischen Schriftstück: Der Vater von Ignaz Weisser, Philipp Weisser, sei im Gegensatz zu den Laules nie als Adlerwirt bezeichnet worden, sondern immer als Bürger und Bauer. Wie sein Sohn Ignaz zu der Wirtschaft „Sonne“ gekommen war, sei bisher ungeklärt. Interessant sei auch, dass das Bild von Ehefrau Kreszentia schon etliche Jahre vor der Hochzeit entstanden sei.

Das Leben des Ignaz Weisser

Der Beginn: Ignaz Weisser ist ein über den Kreis hinaus bekannter einheimischer Maler des 19. Jahrhunderts. Er wurde am 28. Januar 1809 in Döggingen als zweitältestes von elf Kindern des Landwirts Philipp Weisser und seiner Ehefrau Genovefa (geb. Bausch) geboren. Eltern und Lehrer erkannten das malerische Talent des von Geburt an gehbehinderten Ignaz, das sich schon früh zeigte und an seinen kunstvollen Zeichnungen zu sehen war.

Die Ausbildung: Ignaz Weisser hatte sich 1831 an der Münchener Kunstakademie im Fach Historienmalerei immatrikuliert. Er wurde wahrscheinlich auch durch ein Stipendium der fürstenbergischen Standesherrschaft unterstützt. Der Schwerpunkt seines künstlerischen Schaffens lag auf der Portraitmalerei, doch schuf er auch einige Altarbilder zum Beispiel in Behla und Blumberg.

Privatleben und Tod: 1847 heiratete Ignaz Weißer die Dögginger Adlerwirtstochter Kreszentia Laule, zog mit ihr nach Villingen und versuchte sich neben der Malerei glücklos als Weinhändler und Grundstücksmakler. Völlig verarmt verstarb er am 27. Dezember 1880 im Spital in Geisingen. In Döggingen, dem größten Bräunlinger Stadtteil, wurde der Straßenzug bei der Grundschule nach Ignaz Weisser benannt.

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