Die Kultkneipe Bregtäler steht seit Monaten vor einer ungewissen Zukunft. Die Kneipe an der Gumppstraße liegt in einem imposanten historischen Gebäude. Die Brauerei Graf, von Johann Georg Graf gegründet, kann auf eine lange Geschichte zurückblicken.

Ursprünglich wollte der Bräunlinger Bierbrauer Zacharias Müller 1789, dem Jahr der französischen Revolution, ein Bierbrauhaus mit Wohnung in der Kirchstraße errichten. Das Bauvorhaben wurde bewilligt, jedoch musste die Bierbrauwerkstatt aus dem Bau an einen anderen schicklichen Ort außerhalb der Stadt, wohl aus Brandschutzgründen. Auf einem Keller in der sogenannten „Wälder-Vorstadt“ am Hang des Ottilienberges entsteht der Vorläufer, die Grafenbrauerei. Auf einer 1897 von Benedikt Hummel erstellten Skizze erscheint der „Rebstock“ in der heutigen Form. An der Stelle der heutigen Grafenbrauerei stehen zwei kleine Gebäude, das eine kann als einstöckiges Wohnhaus, das andere als Brauwerkstatt angesehen werden.

Es geht beständig aufwärts

Rebstockwirt Joseph Meßmer und Kreuzwirt Andreas Fehrenbach erwerben 1814 die Braustätte und planen weitere Schenken zu errichten. 1835 steht im Versicherungsbuch unter Haus Nr. 107 aufgeführt ein „Bräuhaus mit Feuerwerk“ im Besitze des Andreas Fehrenbach. Es wird 1839 durch einen Zubau auf einen Stock mit Scheuer erweitert, so Johannes Baptist Hornung in seiner Geschichte der Stadt Bräunlingen. Er spricht von einer ehemaligen Konzession „Zum Gambrinus“.

1849 schenkt der Bräunlinger Josef Anton Enderle ohne behördliche Konzession Bier aus. Enderle mietet die Brauerei und schenkt sein Bier und Branntwein in einer Wirtschaft aus, 1850 wird dieser Ausschank schließlich genehmigt. 1850 erwirbt Anton Enderle (Bruder des Löwenwirts Josef) die Brauerei und erhält die Bierschankgerechtigkeit.

Besitzer denkt zukunftsorientiert

Im Jahr 1871 heiratet Johann Georg Graf aus Tettnang Walburga Graf geborene Baur aus der „Färbe“ und gründet den Holz-, Kohle-, Mehl- und Landesproduktehandel in der Hüfinger Straße, heute Areal Straub Verpackungen. Graf ist schon früh in einem Ausschuss tätig, der über den Bau der Bregtalbahn zwischen Furtwangen und Donaueschingen verhandelte. Er weiß, dass die Zugverbindung kommt und denkt deshalb zukunftsorientiert sowohl im Handel als auch im Gastwirtsgewerbe.

Die Bürgerfamilie Johann und Wallburga Graf und ihre Söhne Julius und Anton.
Die Bürgerfamilie Johann und Wallburga Graf und ihre Söhne Julius und Anton. | Bild: Archiv Wolfgang Kropfreiter

1875 erwirbt Johann Georg Graf die Braustätte in der Gumppstraße und baut dort im selben Jahr das heutige Gebäude der Bierbrauerei Grafenbräu. Sie war sicher zu ihrer Zeit eine der modernsten Brauereien: mit Hopfenlager unterm Dach, einer Feuerungseinrichtung mit Pfanne und eigenen Dörranlage zur Malzverarbeitung sowie großem Eiskeller und mehreren Lagerräumen im Keller in den Berg hinein und die Laderampe zur Oberen Waldstraße. Ein Seilaufzug für Speisen und Geschirr von der Küche im unteren Stock hinauf in den Grafensaal hinter die Theke und ein getäfeltes Repräsentationszimmer im ersten Stock zeugen vom Fortschritt und Reichtum.

1905 stirbt Johann Georg Graf im 58. Lebensjahr, seine Frau Walburga stirbt 1918. Der Zweitgeborene Julius übernimmt als Bierbrauer die elterliche Brauerei. Das Restaurant ist das erste Hotel am Platze und hat ein Fremdenzimmer. Julius Graf heiratet Berta Graf geborene Ketterer, 1907 kommt die einzige Tochter Elisabeth zur Welt.

Letzter Großherzog zu Gast

Man beherbergt bei der Einweihung des Großherzogdenkmals für Großherzog Friedrich I. 1909 vor dem Mühlentor die Festgäste um Großherzog Friedrich II. von Baden, dem letzten Großherzog, mit erlesenen Speisen und Getränken im Restaurant und Saal, eine Speisekarte dokumentiert das Ereignis. Es gibt Suppe nach Großherzogin Luise, Felchen, Lendenstück, Schinken, Poularde und Desserts. Ebenfalls ein Kuriosum: Die 1892 eröffnete „Restauration zum Bahnhof“ verfügt über eine einseitige Telefonleitung zum Lieferanten Brauerei Graf, um ihr Bier dort direkt bestellen zu können.

1913 kauft Julius seinem Bruder Anton den Anteil am „Rebstock“ ab und ist dann alleiniger Besitzer des Areals an der Gumppstraße. Dazu gehört auch ein großer Garten am Ottilienberg und der Schweinestall oberhalb des „Rebstock“. Ausgeliefert wird das Bier mit einer Bierkutsche samt Pferd.

Ende der Brauerei zeichnet sich ab

Berta Graf stirbt 1929, 49-jährig. Julius Graf engagiert sich in der Bräunlinger Fasnet und wird 1931 zum Zunftmeister gewählt. 1931 heiratet Tochter Elisabeth den Braumeister und Gastwirt Albert Sayer aus Überlingen. 1936 beerbt er seinen Schwiegervater Julius als Zunftmeister und bleibt es bis 1954. 1943 stirbt Julius Graf. Die Ehe von Elisabeth und Albert Sayer bleibt kinderlos, sodass in die Brauanlagen neue Investitionen nicht mehr gewagt werden.

Die Bräunlinger Jugend postiert sich in den 1950er Jahren vor dem „Graf“.
Die Bräunlinger Jugend postiert sich in den 1950er Jahren vor dem „Graf“. | Bild: Archiv Wolfgang Kropfreiter

1957 schließt die Brauerei, man verpachtet die Brauerei und Gaststätte an die Brauerei Link in Möhringen. Nachdem Albert und Elisabeth Sayer tot sind, verkauft eine Erbengemeinschaft Brauerei und „Rebstock“. Es folgen Pächter in schneller Folge. Zu neuer Blüte gelangt die Gaststätte samt Saal noch einmal Anfang der 1980er Jahre, als Berthold Klotz eine Kult- und Musikkneipe namens „Bregtäler“ aus dem „Grof“ macht: eingerichtet mit Accessoirs aus dem Zug der Bregtalbahn und dem Bräunlinger Bahnhof.

Treff für Fans der Livemusik

Unter dem Wirt und Musiker Alois Wiehl wird der „Grofesaal“ zum beliebten überregionalen Treff für Fans der Livemusik. Die Musikfrühschoppen sind legendär. Es folgen Wolfgang Retzbach, Gerald „Gerry“ Kürner und heute Robert Schaupp als Wirte. 2000 gründet sich die „Kulturinitiative im Bregtäler“ um Hilmar Lutz, nach dem Tod von Bregtälerwirt Gerry Kürner drohte die Schließung.

Die „Bregi-House Band“ verdankt ihre Gründung und den Namen ebenfalls dem Gasthaus. Seit Jahrzehnten sind die „Rieswellemacher“ mit ihrem traditionellen „Rieswelleball“ als Eröffnung der Saalfasnet alljährlich zu Gast. Und seit geraumer Zeit haben die „Vorstadtbuäbe“ ihr Domizil im „Bregtäler„ – einem geschichtsträchtigen und erhaltenwerten Gebäude in der Bräunlinger „Vorstadt“.

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