Beim Thema Luftfilter in Grundschulen und Kindergärten sah die Stadtverwaltung Bräunlingen eigentlich keinen Handlungsbedarf. Und deshalb enthielt die Vorlage auch keinen Beschlussvorschlag, sondern nur „Kenntnisnahme“. Doch der Gemeinderat sah das etwas anders und stattete die Verwaltung spontan mit 20.000 Euro aus, der Beschuss erfolgte einstimmig.

Bislang keine Geräte im Einsatz

An den zwei Grundschulen und drei Kindergärten in Bräunlingen gibt es bisher keine Luftfilteranlagen, schilderte Bürgermeister Micha Bächle. Deren Einsatz in Schulen und Kindergärten werde im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie immer wieder diskutiert, hieß es in der Vorlage, weil dies die nachhaltigste Verbesserung der Innenraumlufthygiene sei.

Luftfilter getestet

In der Grundschule Bräunlingen fand vor einiger Zeit ein Test von solchen Luftfiltern statt, sagte Bürgermeister Bächle. Je nach Größe des Klassenzimmers wären ein bis zwei solcher Geräte notwendig. Bei einem größeren Gerät „war auch die Lärmkulisse ein Thema“ hieß es. Der Preis liege im unteren vierstelligen Bereich pro Gerät. Zu berücksichtigen seien aber auch die Folgekosten. Bislang wurde der Einsatz solcher Geräte nicht forciert und auch nicht nachgefragt. „Die Räume sind gut zu lüften. Daher wird aktuell kein Handlungsbedarf gesehen“, war der Standpunkt der Verwaltung.

Allerdings, und das machten der Bürgermeister und Redner aller Fraktionen deutlich, besteht ein klares, gemeinsames Ziel: dass die Schulen nach den Ferien wieder mit Präsenzunterricht öffnen können.

Ständiges Lüften stört den Unterreicht

Im Rahmen der Diskussion ließ Bürgermeister Bächle auch die anwesenden Grundschul-Rektorin Nina Losch und Meike Schäfer vom städtischen Kindergarten zu Wort kommen. Dabei machte die Rektorin deutlich, dass das von oben vorgeschriebene Lüften alle 20 Minuten das Unterrichten deutlich erschwere. „Wir sind jede Unterrichtsstunde minutenlang gestört.“ Ise hätten Klassen mit 29 bis 32 Schülern. An der Schule hätten sie schon viele Probleme durch den Lockdown, so Losch. Durch das regelmäßige Lüften hätten sie ein weiteres Problem, dass ihres Erachtens nach in der Diskussion gar nicht aufgegriffen werde.

Immer wieder Unruhe

In den Sommermonaten sei das Lüften kein Problem. Doch im Herbst und vor allem im Winter sei der Temperaturaustausch deutlich spürbar. In den Klassenräumen werde es kalt, einige Kinder wollten dann ihre Jacken anziehen und später wieder ausziehen, das sorge für Unruhe und behindere das Unterrichten. „Die Kinder müssen lernen, sich zu konzentrieren. Ob die mobilen Luftfilter die Lösung seien, wisse sie nicht. „Aber: Wir brauchen eine Lösung“, sagte Nina Losch.

Im Kindergarten sah Meike Schäfer Probleme, die sich durch Luftfilter „nicht lösen lassen“, ohne diese genauer zu nennen. Aber wenn es an den Schulen eine Möglichkeit gebe, zur Erleichterung des pädagogischen Alltags beizutragen, sei dies eine gute Sache.

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So sah das auch der Gemeinderat. Stadtrat Michael Hall (CDU) schlug dafür gleich zu Beginn der Diskussion ein Sonderbudget von 10.000 Euro vor. Berthold Geyer (Gruppe 84) sagte, wichtig sei der Austausch mit den beiden Rektorinnen. Und wichtig sei, nach den Sommerferien ein Präsenzgeschehen, sprich Präsenzunterricht, zu ermöglichen. Hauptamtsleiter Jürgen Bertsche wies darauf hin, dass Grundschüler auf jeden Fall nach wie vorgeschrieben zwei Mal pro Woche getestet würden.

Handlungsbedarf

Stadtrat Peter Ebnet (SPD) sagte, seine Fraktion sehe Handlungsbedarf, im Gegensatz zur Verwaltung. Bald komme der Winter, „wir müssen verhindern, dass es zu einer Schließung kommt.“ Sein Kollege Siegfried Werner (FDP) betonte: „Uns ist wichtig, dass die Schulen auf sind.“ Und er fügte hinzu: „Im Moment sehen wir keinen Handlungsbedarf.“ Stadtrat Rolf Schütz (CDU) unterstrich das Hauptanliegen: „Uns ist am wichtigsten, dass die Schulen nicht geschlossen werden müssen.“

Bürgermeister Micha Bächle streute ein, man müsse realistisch sein, „es werden wieder Fälle auftreten.“

Stadtrat Hannes Wehinger (CDU) erklärte schließlich, „Wir schaffen die Geräte an“ und schlug dafür ein Sonderbudget von 20.000 Euro für die Verwaltung vor. „Bei dem Thema sollte man pro-aktiv sein.“

Peter Ebnet fragte spitzfindig, wofür der Gemeinderat überhaupt Geld zur Verfügung stellen solle, „wenn die Verwaltung gar keinen Handlungsbedarf sieht?“ Bürgermeister Bächle nahm die Bemerkung mit Humor: Selbstverständlich, so versicherte er schmunzelnd, nehme die Verwaltung den Beschluss als Handlungsauftrag. Angeschafft werden sollen auch CO2-Ampeln.