Ernst Holzer ist pensionierter Maschinenbauer. Und Ernst Holzer ist Künstler. Er selbst würde sich aus Bescheidenheit womöglich nicht so bezeichnen, seine Arbeit verdient dieses Prädikat durchaus. Holzers Prunkstück befindet sich in der Bräunlinger Stadtkirche, vorne in der Nähe des Altars: Eine Miniaturversion der Kirche selbst, im Maßstab 1 zu 100 nachgebaut.

<strong>Das Modell:</strong> Das runde Fenster war bereits herausgebrochen, Holzer musste es aufwändig wieder anbringen. Ebenso die weiter oben stehende Madonna-Figur.
Das Modell: Das runde Fenster war bereits herausgebrochen, Holzer musste es aufwändig wieder anbringen. Ebenso die weiter oben stehende Madonna-Figur. | Bild: Simon, Guy
<strong>Das Original:</strong> Mit Rundfenster und Madonna ein Ebenbild zum kleineren Modell. Lediglich der Haupteingang hat sich im Laufe der Sanierungsarbeiten etwas verändert.
Das Original: Mit Rundfenster und Madonna ein Ebenbild zum kleineren Modell. Lediglich der Haupteingang hat sich im Laufe der Sanierungsarbeiten etwas verändert. | Bild: Simon, Guy

Was Holzer in einem Zeitraum von drei Jahren mit etlichen Knobeleien, Lösungswegen, viel handwerklichem Können und Herzblut geschaffen hat, ist aktuell arg in Mitleidenschaft gezogen. Der 84-Jährige hat sich daher entschieden, die Situation öffentlich zu machen: "Ich verstehe das nicht und bin immer wieder ganz aufgelöst." Das kleine Modell weist an etlichen Stellen erhebliche Schäden auf, und zwar solche, die der kleinen Stadtkirche absichtlich zugefügt wurden. Die Madonna an der Front war ganz rausgebrochen, das Fenster-Rondell ebenfalls. Holzer hatte es vor der Kirche auf dem Boden wieder entdeckt. In den Münzschlitz, der die Kirche erleuchtet und Glockenklang erschallen lässt, hatte jemand Wachs geträufelt, auch ein Fremdkörper steckte darin fest. Offensichtlich habe man auch versucht, die kleine Geldkassette gewaltsam zu öffnen, um die Münzen rauszubekommen.

Aufwändige Arbeiten

Reparaturen hatte Holzer immer wieder mal vornehmen müssen, allerdings nicht in diesem Maße: "Mal war ein Fenster eingedrückt, ich gehe aber davon aus, dass das vielleicht ein neugieriges Kind war." Die Fenster hat er im Original abfotografiert und dann über eine Bildbearbeitung wieder in das übliche Format gebracht. Kein einfaches Unterfangen, gilt es doch die optischen Verzerrungen auszugleichen. Werden Fenster von unten fotografiert, dann wirken sie auf dem Bild nachher am unteren Ende breiter als am oberen.

Mittlerweile sei jedoch das Höchstmaß ereicht: Am Modell fehlt der kleinere zweite Turm komplett. Abgerissen. Dazu ist Absicht und Kraft notwendig. Auf der Spitze des Hauptturmes fehlt die Kugel mit Kreuz.

Der kleinere Turm auf dem Stadtkirchen-Modell fehlt mittlerweile komplett. Die Reparatur wird Holzer etwa 30 bis 40 Stunden kosten.
Der kleinere Turm auf dem Stadtkirchen-Modell fehlt mittlerweile komplett. Die Reparatur wird Holzer etwa 30 bis 40 Stunden kosten. | Bild: Simon, Guy
Die Spitze des Modellkirchturmes ist nicht mehr an ihrem Platz, sie ist für Kinder eigentlich nicht zu erreichen und wurde offensichtlich abgebrochen.
Die Spitze des Modellkirchturmes ist nicht mehr an ihrem Platz, sie ist für Kinder eigentlich nicht zu erreichen und wurde offensichtlich abgebrochen. | Bild: Simon, Guy

Holzer wird den Turm neu bauen. Damit sind jedoch auch einige Mühen verbunden: Etwa 30 bis 40 Stunden Arbeitszeit muss er dafür einplanen. "Mir fällt das immer schwerer, die Hände wollen nicht mehr genau so wie früher", erklärt er. Viele der Teile seien zudem sehr schwer herzustellen. Die Falze am Dach sind etwa aus Nähfaden gemacht, der in Ölfarben getränkt wurden. Die bunten Dachziegel sind filigran von Hand aufgemalt.

Der hintere Turm der Bräunlinger Stadtkirche auf dem Original-Bauwerk. Auf dem detaillierten Modell fehlt dieses Bauteil bereits komplett.
Der hintere Turm der Bräunlinger Stadtkirche auf dem Original-Bauwerk. Auf dem detaillierten Modell fehlt dieses Bauteil bereits komplett. | Bild: Simon, Guy

Vor allem plagt den 84-Jährigen aber das Unverständnis über den Vandalismus: "Wer macht so etwas und warum? Ist das aus Freude am Zerstören?" An die Spitze des Turmes komme auch kein Kind, dafür sei er zu hoch. Noch dazu die Tatsache, dass die Zerstörungen sich innerhalb einer Kirche abspielen. "Man sollte meinen, der Respekt würde so etwas verhindern", findet Holzer.