Um 20 Uhr soll die Probe der Freiwilligen Feuerwehr Bräunlingen starten. Heute allerdings nur der dritte Löschzug. Das Gerätehaus füllt sich und immer mehr Feuerwehrleute strömen hinein. Darunter auch viele junge Gesichter, auf die man bei der Wehr besonders stolz ist. 13 sind es insgesamt.

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Große Freude

„Das ist wie ein Sechser im Lotto“ sagt Christoph Barth, Kommandant der Stadtabteilung. Die Wehr freut sich über einen ganzen Schwung Feuerwehr-Anwärter. Und, das erste Mal in der Geschichte, eine Feuerwehr-Anwärterin. Leonie Gantert ist noch keine 18 Jahre alt und hat sich dazu entschieden, bei der Wehr mit anzupacken und sich für die Gemeinschaft einzusetzen. Seit August ist sie mit dabei und gehört in der Gruppe der Neuen damit eher zu den Nachzüglern. Eine große Hürde, als erste Frau in die Wehr einzutreten habe sie nicht gehabt. Ihr Vater ist auch dabei, und die neue Gruppe sei auch abseits des Gerätehauses ein Freundeskreis, der sich regelmäßig treffe. Und wie gefällt es ihr bisher: „Es macht viel Spaß.“

Die Anwärter proben im Gerätehaus und bekommen die Kniffe erklärt. Hier geht es darum, wie eine Saugleitung ordnungsmäßig zu koppeln.
Die Anwärter proben im Gerätehaus und bekommen die Kniffe erklärt. Hier geht es darum, wie eine Saugleitung ordnungsmäßig zu koppeln. | Bild: Simon, Guy

Eine tolle Gemeinschaft

Das bestätigen auch die anderen neuen Anwärter. „Wir werden von Anfang an gleichwertig behandelt“, sagt Maurice Reichmann. Er ist schon etwa seit einem Jahr mit dabei. Er habe für sich beschlossen, dass er etwas tun wolle: Etwas, das interessant ist und einen Nutzen für die Gemeinschaft hat.“ Einige der Gruppe seien bereits in Hubertshofen in der Jugendfeuerwehr gewesen. Schließlich habe aber der Wunsch dominiert, auch an großen Proben und echten Einsätzen mit dabei zu sein. Und außerdem „ist die Gemeinschaft bei der Feuerwehr besser als in jedem Verein“, erklärt Leon Stefke. Was eine besondere Herausforderung in der kommenden Zeit sein wird? „Ganz sicher, wie man im Ernstfall in der jeweiligen Situation richtig reagiert“, sagt Reichmann.

Leonie Gantert ist die erste Feuerwehrfrau in der Bräunlinger Wehr. Darüber freuen sich (von links) Christoph Barth, Martin Frey und Micha Bächle. Bild: Andreas Peter
Leonie Gantert ist die erste Feuerwehrfrau in der Bräunlinger Wehr. Darüber freuen sich (von links) Christoph Barth, Martin Frey und Micha Bächle. | Bild: Andreas Peter

Großübung im Frühjahr

In Bräunlingen können Interessenten bereits ab einem Alter von 16 Jahren zur Feuerwehr. „Wir haben das bewusst anders geregelt“, so Bürgermeister Micha Bächle. Proben und Übungen sind dann kein Problem, für richtige Einsätze braucht es dann allerdings den notwendigen Lehrgang, die sogenannte Truppmann-Ausbildung: „Dafür muss man mindestens 18 Jahre alt sein. Allerdings können die Anwärter schon früher angemeldet werden“, erklärt Barth.

Von den Neuen sind sieben bereits über 18 Jahre alt und entsprechend für den Lehrgang angemeldet, sechs müssen noch etwas darauf warten. Wer neu dazukommt benötige im Schnitt etwa ein Jahr, um für den Truppmann bereit zu sein. Und dafür wird im Gerätehaus kräftig geübt. Die Anwärter lassen sich erklären, wie eine Saugleitung gekoppelt wird. Sie wird im Ernstfall in einen Löschteich gelegt, um von dort Wasser anzusaugen. Das Erlernte kann dann bei den Großübungen angewandt werden, wie etwa im kommenden Frühjahr.

Genauer am 25. Mai steht für die Bräunlinger Feuerwehr eine besondere Großübung an, die in Zusammenarbeit mit dem Kreisbrandmeister vonstatten gehen soll. Übungsobjekt ist der Bahntunnel bei Döggingen, in dem Arbeiten rund um die Elektrifizierung der Bahnstrecke gemacht wurden. Im Mai wird der Tunnel nochmals für vier Wochen gesperrt.

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Der Charakter zählt

Ein Großteil der neuen Gruppe generiere sich aus der Bräunlinger Landjugend: „Es ist eine Clique, bei der die anderen dann nachkamen“, sagt Barth. Das sei auch in der Regel der Fall. Einzelne kommen eher selten. Wenn, dann sind es gleich drei bis vier am Stück, erklärt Gesamtkommandant Martin Frey. Mit der Kombination aus alten und jungen Wehr-Mitgliedern funktioniere es gut: „Verschiedene Altersklassen sind immer einer Bereicherung, aber natürlich auch eine große Verantwortung“, so Barth. Das Alter spiele allerdings keine so große Rolle: „Der Charakter ist wichtig“, sagt Frey.

Nicht immer einfach

Neue Leute zu bekommen sei heutzutage indes nicht mehr so einfach. Aber das sei ein gesellschaftliches Thema, mit dem auch Vereine zu kämpfen haben. Umso mehr schätze man die Anzahl der Neuzugänge. In der Regel lief es so, dass es in der Familie blieb. War der Vater in der Wehr, ging später mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der Sohn: „Mein Vater war auch schon in der Feuerwehr. In der Regel sind es die Söhne, jetzt auch eine Tochter“, erklärt der Stadtkommandant.

Was ist notwendig?

Welche Eigenschaften man mitbringen sollte, wenn man zur Feuerwehr möchte? „Wir können alles brauchen“, erklärt Frey. „Im Alltag regelt sich das dann automatisch. Jeder findet sein Feld. Wer etwa beruflich viel telefoniert, bedient dann eventuell das Funkgerät.“ Und das richtige Alter? „Zwischen 17 und 17 zu kommen ist perfekt. Dann kann man das erlernte Wissen auch relativ bald anwenden.“

In der jetzigen Situation allerdings fatal: „Sich auszuruhen und zu sagen, dass wir ja genug Leute haben“, so der Gesamtkommandant.

Wer Interesse daran hat, sich bei der Bräunlingen Feuerwehr zu engagieren oder ihre Arbeit genauer kennenzulernen, kann sich gerne beim Stadtkommandanten Christoph Barth melden. Telefonisch unter 0771/8 96 85 35 oder per Email an barth.ch@gmx.de