Eine Bergbahn-Gondel als Dekoration in einem Garten: Das sollte in unseren Breiten doch eigentlich eine einzigartige Kulisse darstellen. Das Hochgebirge liegt weit entfernt, Bergbahnen gibt es in näherer Umgebung nur an wenigen Schwarzwaldgipfeln. Doch nach einem SÜDKURIER-Bericht über Physiotherapeut Stephan Schulze und seine Frau Silke, die jüngst eine Arosa-Gondel in ihrem Villinger Garten aufgestellt haben (siehe unten), meldete sich nun Filip Cizkovsky aus Bräunlingen auf unserer Fanseite im sozialen Netzwerk Facebook zu Wort. Sein Hinweis: Auch in Bräunlingen gibt es eine original Wintersport-Kulisse aus der Schweiz zu bestaunen.

Vor rund einem Jahr haben der 24-Jährige und seine Eltern Ulrich Knörzer und Dagmar Appel auf ihrem Grundstück am Bregenberg eine ausrangierte Vierergondel aus der Wintersport-Hochburg Zermatt aufgebaut, samt Masten und Tragseil. Sogar ein Kassenhäuschen hat Cizkovsky, der Zimmermann ist, daneben aufgebaut.

Bild: Jens Fröhlich

Am Masten hängt auch ein richtiger Schlepplift-Haken. Ein großes Seilbahnrad mit einem dicken Stück Drahtseil ziert die Hofeinfahrt.

Und die Ideenliste der Familie zur Erweiterung des außergewöhnlichen Gartenkonzeptes ist längst nicht zu Ende. Schon bald könnte ein umfunktionierter Sesselliftsitz als Gartenbank zum Verweilen einladen. Auch eine alte Schneekanone kann sich die wintersportbegeisterte Familie als weiteren Hingucker im heimischen Garten vorstellen. „Wenn es so weitergeht, dann können wir bald ein Zermatt-Museum aufmachen“, scherzt Cizkovsky.

Doch woher kommt die Begeisterung für das prominente Wintersportgebiet? Und wie gelangen so viele Originalteile aus Zermatt nach Bräunlingen? Die Schlüsselrolle für die Beantwortung dieser Frage nimmt Seilbahnmechaniker Roman Moser aus Zermatt ein.

Die Familie verbringt dort seit vielen Jahren Winter- und Sommerurlaube. „Wir haben ihn im Urlaub getroffen. Mittlerweile ist er ein enger Freund der Familie geworden“, erklärt Cizkovsky.

 

Roman Moser (42) ist Seilbahnmechaniker im Skigebiet Zermatt und ein enger Freund der Bräunlinger Familie. Mit vereinten Kräften bauen sie die Garten-Bergbahn immer weiter aus. Als Dankeschön für seinen Einsatz organisieren die Bräunlinger in Zusammenarbeit mit einem orstansässigen Landwirt eine Kälbertaufe in der Gondel. <em>Bild: Filip</em><em>Cizkovsk</em><em>y</em>
Roman Moser (42) ist Seilbahnmechaniker im Skigebiet Zermatt und ein enger Freund der Bräunlinger Familie. Mit vereinten Kräften bauen sie die Garten-Bergbahn immer weiter aus. Als Dankeschön für seinen Einsatz organisieren die Bräunlinger in Zusammenarbeit mit einem orstansässigen Landwirt eine Kälbertaufe in der Gondel. Bild: FilipCizkovsky | Bild: Filip Cizkovsky

Kennengelernt hatten sie sich bei einem Bier in einer Bar. Der 42-jährige Selbahnmechaniker sei es gewesen, der die Bräunlinger Familie auf einen Gondelverkauf im Jahr 2016 aufmerksam machte. 100 ausrangierte Kabinen wurden damals von der Seilbahngesellschaft zu je 500 Franken im Internet angeboten. „Nach wenigen Stunden waren die meisten vergriffen“, erinnert Cizkovsky. Eines der letzten Exemplare, Gondel-Nummer 81, konnte sich die Bräunlinger Familie aber gerade noch rechtzeitig sichern. Eine Spedition transportierte die kuriose Fracht rund 300 Kilometer von Täsch in der Schweiz nach Bräunlingen auf die Baar. Zusammen mit dem befreundeten Seilbahnmechaniker wurde die Gondel in rund 1,50 Meter Höhe an einem Masten und einem echten Tragseil aufgehängt. „Weil eine Gondel in die Luft gehört, und nicht auf dem Boden stehen sollte“, so Cizkovsky. Viele Arbeitsstunden waren dafür nötig. Zahlreiche Freunde und Profis aus dem Baugewerbe packten mit an. Den Masten, der ursprünglich zu einem Schlepplift gehörte, holte die Familie mit Anhänger selbst in der Schweiz ab.

Gondel als Treffpunkt

Nun steht die Kulisse bereits seit einem Jahr. Die Meinungen im Umfeld gehen weit auseinander. „Die einen sagen, dass wir spinnen. Andere finden es klasse“, erzählt Cizkovsky. Fakt ist, die Gondel ist zu einem beliebten Treffpunkt geworden. Mit Freunden werden hier gerne Feste gefeiert, oder ein Feierabendbier getrunken. Viele Neugierige wollen einfach nur mal Probesitzen. Über eine aus Holz geschnitzte Treppe können vier Personen bequem zusteigen. 500 Kilogramm soll die Konstruktion tragen.

Arosa-Gondel

Auch in VS-Villingen gibt es eingefleischte Bergbahn-Fans. Physiotherapeut Stephan Schulze und seine Frau Silke haben sich vor wenigen Wochen eine echte Gondel der Arosa-Bergbahnen in ihren Garten gestellt. Beide sind begeisterte Snowboarder.

Physiotherapeut Stephan Schulze und seine Frau Silke aus Villingen haben sich eine Arosa-Gondel in den Garten gestellt. <em>Bild: Jochen Hahne</em>
Physiotherapeut Stephan Schulze und seine Frau Silke aus Villingen haben sich eine Arosa-Gondel in den Garten gestellt. Bild: Jochen Hahne | Bild: Jochen Hahne

Ihr Lieblingsskigebiet ist der Schweizer Wintersport-Ort Arosa. Seit 17 Jahren verbringt die Familie hier Winterurlaube. Die Kinder lernten dort das Snowboarden. Stephan Schulze hatte daher die Idee, ein Stück Arosa in den Schwarzwald zu bringen. Doch das war nicht so einfach: Die ausrangierten Kabinen sind begehrt. Stephan Schulze brauchte viel Überzeugungskunst sowie eine Schwarzwälder Kuckucksuhr, um an die Bergbahn-Rarität zu gelangen. Im Garten der Schulzes soll sie aufgestellt werden und künftig ein kleines Gewächshaus beherbergen. (gha)