Wenn Cornelia Föhrenbach um 15 Uhr die Türen des Gasthauses "Alter Simpel" öffnet, dann dauert es meistens nicht lange, bis die ersten Gäste sich dort einfinden. Nach der Arbeit auf einen Kaffee bei Conny, wie die 60-jährige Wirtin genannt wird.

Der Entschluss fällt schwer

Bereits seit acht Jahren kümmert sie sich um die kleine Kneipe in der Bräunlinger Sommergasse. Doch damit wird dieses Jahr Schluss sein. Noch bis Juni wird Föhrenbach als Wirtin den Alten Simpel betreiben, dann hört sie auf. Ein Entschluss, der ihr keineswegs leicht gefallen ist: "Es fällt mir sehr schwer." Dennoch gibt es gewichtige Gründe, die überwiegen. Mehr Zeit mit dem Partner, mit der Familie. Ein Schritt, den die dreifache Großmutter mit einem weinenden und einem lachenden Auge gehen wird. Einerseits die Freude, wieder mehr Zeit zu haben, andererseits der Abschied von den lieb gewonnenen Gästen.

Der Alte Simpel in der Bräunlinger Sommergasse. Vor etwa drei Jahrzehnten wurde aus dem Wohnhaus eine Gaststätte.
Der Alte Simpel in der Bräunlinger Sommergasse. Vor etwa drei Jahrzehnten wurde aus dem Wohnhaus eine Gaststätte. | Bild: Simon, Guy

Nach Feierabend, das ist unter der Woche etwa um Mitternacht oder 1 Uhr, steigt Föhrenbach ins Auto und fährt die rund 30 Kilometer bis zu sich nach Hause. Sie lebt in Bonndorf. Eine Strecke, die nicht immer einfach ist, besonders im Winter, und auch Zeit benötigt. Die Kneipe sei übrigens aus finanzieller Sicht immer gut gelaufen und tue es auch heute noch. Dieser Aspekt spiele keine Rolle.

Aber wie kam sie aus Bonndorf zum Alten Simpel?

"Meine Tochter hatte ein kleines Geschäft gegenüber der Wirtschaft. Als Simpel-Wirt Güney Birdüzer dann aufhören wollte, erzählte sie mir davon", erklärt die Wirtin. Ein eigenes Gasthaus, das war schon immer ihr Traum. Erfahrung in der Gastronomie hat sie, gern gemacht hat sie das auch immer. "Wenn ich könnte, würde ich das Gasthaus und die Gäste einfach mitnehmen."

Viele Gäste sind Freunde

Und das, obwohl man ihr 2011, als sie das Gasthaus übernommen hatte, sagte, die Bräunlinger seien nicht einfach. "Ich wurde hier so gut angenommen. Viele der Gäste sind heute meine Freunde", so Föhrenbach. Manche kommen täglich, der Alte Simpel ist für sie das zweite Wohnzimmer, wie auch für die Wirtin. Daher habe sie den Entschluss, hier eine Wirtschaft zu übernehmen auch nie bereut. "Klar geht es mal runter, aber auch wieder hoch. So ist das eben im Leben."

Ein Buch bekundet die Freundschaft

Wie sehr auch Conny Föhrmann ihren Gästen am Herzen liegt, wird anhand eines kleinen Buches sichtbar. Ihre Mitarbeiterin hat das still und heimlich initiiert. Gemeinsam mit den Gästen hat man gesammelt: Fotos und Erinnerungen aus der Zeit im Alten Simpel. Alles schließlich zusammengestellt in einem gebundenen Buch, das Föhrmann an der Fasnet überreicht bekommen hat. "Ich habe mich so darüber gefreut", sagt sie. Die Gäste seien zwar traurig, können die Gründe jedoch nachvollziehen. Auf dem Tresen steht eine Blume. Die hat die Wirtin vom ehemaligen Stadtpfarrer Walter Eckert bekommen, der im Ruhestand Bräunlingen einen Besuch abgestattet hat. Dabei ging es natürlich auch in den Alten Simpel.

Das Besondere an der Gaststätte

"Die Gemütlichkeit. Hier kennt jeder jeden. Einen Stammtisch gibt es auch nicht wirklich. Jeder kann sich zu jedem an den Tisch setzen", sagt die Wirtin.

Wie geht es weiter?

Mit den Bräunlingern will sie nach ihrem Abschied weiterhin in Kontakt bleiben. Die Stadt ist ihr eine zweite Heimat geworden. "Außerdem muss ich doch wissen, was hier los ist." Föhrenbach selbst will versuchen, in Bonndorf einen kleinen Job zu bekommen, mit wenigen Stunden. Untätig rumsitzen, das könne sie nicht. Und wie geht es mit dem Alten Simpel weiter? Das sei noch offen.

Wirt Güney Birdüzer im Januar 2003. Von ihm hat Conny Föhrenbach 2011 den Alten Simpel übernommen.
Wirt Güney Birdüzer im Januar 2003. Von ihm hat Conny Föhrenbach 2011 den Alten Simpel übernommen. | Bild: Archiv